Parteiprofil
AfD: Partei am rechten Rand – Wie sich die Alternative für Deutschland entwickelte
Veröffentlicht:
von Jacqueline Bittl:newstime
AfD vorerst nicht "gesichert rechtsextremistisch" (26. Februar)
Videoclip • 01:14 Min • Ab 12
Die AfD ist eine rechtspopulistische Partei, die seit 2017 im Bundestag sitzt. Mit restriktiven Positionen in der Zuwanderungspolitik und einer Anti-Establishment-Orientierung hat sie sich einen Namen gemacht. Dabei wurde sie 2013 eigentlich aus einem ganz anderen Anlass gegründet.
Das Wichtigste in Kürze
Die AfD wurde 2013 als Reaktion auf die Euro-Rettungspolitik gegründet und entwickelte sich von einer zunächst nationalkonservativ bis nationalliberal eingeordneten Partei zu einer rechtspopulistischen Kraft.
Prägend für die Partei sind heute vor allem ihre restriktiven Positionen in der Migrationspolitik, interne Machtverschiebungen hin zu rechtsnationalen Strömungen und die Beobachtung durch den Verfassungsschutz.
Ihren anhaltenden Erfolg verdankt die AfD unter anderem der Mobilisierung von Ängsten und sozialen Verunsicherungen sowie einer zunehmenden gesellschaftlichen und kommunalen Verankerung.
Mit der Alternative für Deutschland (AfD) konnte sich erstmals seit der Gründung der Bundesrepublik eine rechtspopulistische Partei flächendeckend – und längerfristig – etablieren. Nährboden für ihre Verankerung in der deutschen Parteienlandschaft war die ab September 2015 einsetzende Flüchtlingskrise, die der Parteimitgründer Alexander Gauland einst als "Geschenk" für seine Partei bezeichnete. "Sie war sehr hilfreich", sagte er damals gegenüber dem "Spiegel". Kurz zuvor hatte die Partei wegen des Austritts von Parteigründer Bernd Lucke noch sehr schlechte Umfragewerte geerntet.
Das ist die AfD Partei
Die Alternative für Deutschland (AfD) ist die jüngste Partei im Deutschen Bundestag. Sie wurde im Frühjahr 2013 gegründet und scheiterte im September des selben Jahres bei der Bundestagswahl mit 4,7 % Stimmanteil nur knapp am Einzug. Ab diesem Zeitpunkt gelang der AfD allerdings der Einzug ins Europaparlament, in alle Landesparlamente und schließlich zur 19. Legislaturperiode auch der Einzug in den Deutschen Bundestag. Dort stellt sie derzeit die stimmenstärkste Oppositionsfraktion gegenüber der schwarz/roten Koalition.
Wie die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) berichtet, ist die AfD Partei von intensiven Entwicklungen geprägt, sowohl in Bezug auf ihr Programm als auch auf ihre personelle Besetzung. Im ersten Jahr nach ihrer Gründung wurde sie als nationalkonservativ bis nationalliberal bezeichnet, heute gilt sie als rechtspopulistisch. Laut bpb zeigten die Kandidat:innen bereits zur Bundestagswahl im Jahr 2013 stärkere populistische Ansichten im Vergleich zu etablierten Parteien.
Wir kamen zusammen in der festen Überzeugung, dass die Bürger ein Recht auf eine echte politische Alternative haben, eine Alternative zu dem, was die politische Klasse glaubt, uns als 'alternativlos' zumuten zu können.
Gründung der AfD
Ursprünglich wurde die AfD Partei 2013 vom Ökonomieprofessor Bernd Lucke, Alexander Gauland und Journalist Konrad Adam als Reaktion auf die Maßnahmen zur Bekämpfung der europäischen Währungskrise gegründet. Die Wahlkampagnen beruhten nahezu ausschließlich auf der Kernforderung, die Währungsunion, also den Euro, kontrolliert aufzulösen.
Der Gründung vorangegangen war laut bpb eine Rede der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sie im März 2010 vor dem Bundestag hielt. Merkel hatte darin direkte Finanzhilfen an Griechenland ausgeschlossen. Wenige Stunden später stimmte sie dem ersten Rettungspaket für die Griechen auf dem EU-Gipfel doch zu – und nannte die Entscheidung "alternativlos". Das Wort wurde zum Aufhänger für die Namensgebung der Partei. Ebenso Auslöser der Gründung war aber auch die weitreichende Unzufriedenheit darüber, dass konservative Positionen von den Unionsparteien unzureichend berücksichtigt werden. Auch die drei Gründer waren ehemals Mitglieder der CDU.
Wie die bpb berichtet, stützte sich die AfD bei ihrer Gründung auf vier politische und gesellschaftliche Strömungen: konservative Kritiker innerhalb der CDU (u. a. Berliner Kreis um Konrad Adam und Alexander Gauland), eurokritische Kräfte in der FDP, euro-skeptische Ökonomen um Bernd Lucke sowie Anhänger kleiner rechtspopulistischer Vorläuferparteien. Gemeinsam war ihnen vor allem Kritik an der Euro-Rettungspolitik und am Modernisierungskurs der Union.
In der Anfangsphase prägte vor allem Bernd Lucke die Partei. Er dominierte den Wahlkampf 2013 mit Fokus auf die Eurokritik und wurde von zahlreichen Ökonomen unterstützt. Innerparteilich gab es jedoch früh Spannungen mit Gruppen, die stärker migrationskritische Positionen forderten. Trotz eines moderaten, nationalkonservativen Programms bei der Europawahl und eines Erfolgs von 7,4 % blieb die Unterstützung der AfD-Wählerschaft für den rein ökonomischen Euroskeptizismus begrenzt, während migrationskritische Positionen in der Wählerschaft stärker Zustimmung fanden.
Auch in den News:
Politische Ausrichtung der AfD Partei
Das aktuelle Grundsatzprogramm der AfD stammt von 2016 und wird derzeit überarbeitet. Ein neues Grundsatzprogramm soll voraussichtlich 2027 beschlossen werden. AfD-Chef Tino Chrupalla erklärte zum Volksverständnis der Partei: Es gebe das deutsche Volk "klar in Form von Abstammung, so wie es auch im Grundgesetz geregelt ist und natürlich auch ganz klar mit der Staatsbürgerschaft".
Im Januar 2025 beschloss die AfD in Riesa ihr Wahlprogramm zur Bundestagswahl. Zentrale Forderungen sind:
Europapolitik: Die Partei tritt für einen neuen europäischen Staatenbund ein, vermeidet aber die explizite Forderung nach einem Austritt Deutschlands aus der EU. Deutschland solle "den Irrweg der Dauerrettung durch Wiedereinführung einer nationalen Währung beenden" und aus dem Euro austreten.
Klimapolitik: Gefordert wird ein Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Der "angebliche wissenschaftliche Konsens" des menschengemachten Klimawandels sei politisch konstruiert.
Migrationspolitik: Unter dem Stichwort "Remigration" fordert die AfD eine strikte Migrationspolitik und "Rückführungen im großen Stil".
Familienpolitik: Die AfD definiert Familie als "bestehend aus Vater, Mutter und Kindern" als "Keimzelle der Gesellschaft".
Abtreibung: Die Partei will die derzeitige Rechtslage beibehalten, fordert aber, dass Frauen während der Schwangerschaftskonfliktberatung Ultraschallaufnahmen des Kindes gezeigt werden.
Wehrpflicht: Die AfD plädiert für eine Wiedereinsetzung der Wehrpflicht.
Bildung: Diskutiert wird eine Lockerung der Schulpflicht zugunsten einer "Bildungspflicht", die auch Hausunterricht ermöglichen würde.
Prägende Persönlichkeiten der Alternative für Deutschland – bisher und heute
Alexander Gauland
Alexander Gauland gehört zu den Mitgründern der AfD, ist Ehrenvorsitzender und einer der wichtigste Strippenzieher. Außerdem ist er so etwas wie der Schutzpatron des rechtsnationalen Flügels um Björn Höcke. Die AfD ist laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) Gaulands späte Rache dafür, dass sich in der CDU keine Mehrheit mehr für einen rechtskonservativen Kurs fand – er war 40 Jahre Unionsmitglied. Menschen, die ihn schon in seiner Zeit als Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen" kannten, sagten gegenüber der dpa, seine Ablehnung einer großzügigen Migrationspolitik sei nicht nur Taktik, sondern schon lange Teil seiner politischen Überzeugung. Gauland ist seit 2017 Mitglied und der älteste Parlamentarier des Bundestages. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin in Potsdam. Aus einer früheren Ehe hat er eine erwachsene Tochter, die mit der AfD nichts am Hut hat.
Bernd Lucke
2013 hat der Hamburger Volkswirtschaftsprofessor Bernd Lucke die Partei mitbegründet, damals noch mit euroskeptischem Fokus. Bis zu seinem Austritt 2015 war er zwei Jahre lang das Gesicht der AfD. Die inhaltliche Neuausrichtung der AfD könne er "nicht einmal mehr zähneknirschend" mittragen, sagte Lucke damals. Er scheiterte daran, die politische Eskalation der Partei am extrem rechten Rand zu verhindern. 2019 kehrte er als Professor an die Universität Hamburg zurück, wo seine erste Makroökonomie-Vorlesung von Hunderten Demonstrant:innen im Saal verhindert wurde. Außerdem gründete Lucke die Partei Alfa, die sich kurz darauf in LKR (Liberal-Konservative Reformer) umbenannte.
Frauke Petry
Frauke Petry war eine weitere Mitgründerin, sie kam 2013 ohne politische Erfahrungen zur Alternative für Deutschland. Doch in den östlichen Bundesländern, wo viele unzufriedene Wechselwähler:innen leben, hat ihr das einen gewissen Vertrauensvorsprung verschafft. Beim AfD-Parteitag 2015 in Essen musste Gründer Bernd Lucke dabei zusehen, wie seine Rivalin Frauke Petry kalt lächelnd an ihm vorbeizog. Aber auch sie scheiterte, wie ihr Vorgänger, am Versuch, die rechtsnationalen und rassistischen Töne in der Partei nicht zu groß werden zu lassen. 2017 gab sie ihren Rücktritt bekannt. Dabei beklagte sie "abseitige Positionen" einiger Parteifreunde, insbesondere den Einfluss der Rechtsaußen-Strömung um Björn Höcke.
Alice Weidel
Auch Alice Weidel stieß 2013 aus Protest gegen die Eurorettungspolitik der Bundesregierung zur AfD. In Wahlkampfreden sprach sie viel über "illegale Migration". Mit dem rechten Flügel hat sie zwar ihren Frieden geschlossen. Doch so richtig warm ist man nicht geworden miteinander. Gemeinsame Auftritte mit Höcke, der die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau schätzt, hat die Aufsteigerin im Wahlkampf vermieden. Weidel zieht mit ihrer Lebenspartnerin gemeinsam zwei Söhne groß. Sie ist in Doppelspitze mit Tino Chrupalla Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion und seit dem 18. Juni 2022 ebenfalls mit Chrupalla Bundessprecherin ihrer Partei. Im Januar 2025 wurde sie zur Kanzlerkandidatin ihrer Partei gekürt. In ihrer Rede auf dem Parteitag in Riesa schwor sie die Partei auf den Wahlkampf ein und forderte "Rückführungen im großen Stil".
Björn Höcke
Höcke gilt als führender Vertreter der Rechtsaußenströmung der AfD. Er ist seit mehr als elf Jahren Vorsitzender des Thüringer Landesverbands und wurde im Dezember 2024 mit 220 Ja-Stimmen in diesem Amt bestätigt. Die AfD Partei wurde damit erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland. Er war Mitbegründer des später als rechtsextrem eingestuften und dann formal aufgelösten "Flügels" – die Thüringer AfD wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Höcke wurde zweimal wegen der Verwendung einer verbotenen Nazi-Parole rechtskräftig verurteilt. Im Mai 2024 verurteilte ihn das Landgericht Halle wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 130 Euro. Aufgrund dieser Verurteilungen erteilten mehrere bayerische Kommunen ihm Redeverbote bei AfD-Veranstaltungen, gestützt auf eine seit Januar 2026 gültige Vorschrift der bayerischen Gemeindeordnung.
Maximilian Krah
Der AfD-Politiker und promovierte Jurist war bis 2016 CDU-Mitglied. Seit 2019 sitzt er für die AfD im Europäischen Parlament und war bis Anfang 2020 stellvertretender AfD-Vorsitzender in Sachsen. 2024 wurde Maximilian Krah ins EU-Parlament gewählt und wechselte dann in den Bundestag. Er bezeichnete die AfD damals als "die spannendste Rechtspartei in ganz Europa". Während des Europawahlkampfs stand er wochenlang in den Schlagzeilen wegen Berichten über mutmaßliche Russland- und China-Verbindungen sowie Spionagevorwürfen gegen einen seiner Mitarbeiter. Nach relativierend wahrgenommenen Äußerungen zur nationalsozialistischen SS in einer italienischen Zeitung schlossen andere rechte Parteien die AfD aus ihrer gemeinsamen Fraktion im EU-Parlament aus. Nach der Europawahl 2024 wurde Krah aus der neuen AfD-Delegation ausgeschlossen und gehört nicht der gemeinsamen Fraktion von Rechtsaußen-Parteien im Parlament an. Im Mai 2024 kündigte er an, nicht mehr für den AfD-Bundesvorstand zu kandidieren. Gegen Krah laufen Ermittlungen wegen Bestechlichkeit und Geldwäsche. Im September 2025 wurde seine Immunität aufgehoben und Durchsuchungen in seinen Büro- und Privaträumen durchgeführt.
Es wird der Tag kommen, an dem wir dieses Land regieren. Deutschland wird deutscher sein.
AfD im Fokus des Verfassungsschutzes: Von der Verdachtsfall-Einstufung zur Stillhaltezusage
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stufte die AfD im März 2021 zunächst als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein. Diese Einstufung ermöglicht bereits den Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel wie das Anwerben von Informanten.
Im Mai 2025 ging der Verfassungsschutz einen Schritt weiter und stufte die AfD als gesichert rechtsextremistisch ein. Als Begründung nannte die Behörde: "Das in der Partei vorherrschende ethnisch-abstammungsmäßige Volksverständnis ist nicht mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung vereinbar". Konkret betrachte die AfD deutsche Staatsangehörige mit Migrationsgeschichte aus muslimisch geprägten Ländern als nicht gleichwertige Angehörige des ethnisch definierten deutschen Volkes.
Allerdings musste das BfV diese Einstufung nach einer Klage der AfD vorläufig aussetzen und gab im Mai 2025 eine sogenannte Stillhaltezusage ab. Im Februar 2026 entschied das Verwaltungsgericht Köln in einem Eilverfahren, dass der Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht als gesichert rechtsextremistisch einstufen und bezeichnen darf. Eine Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus.
Auf Landesebene gibt es unterschiedliche Einstufungen der Alternative für Deutschland, in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben die jeweiligen Landesämter für Verfassungsschutz die AfD-Landesverbände bereits als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. In Brandenburg stufte der Verfassungsschutz die AfD im August 2025 als gesichert rechtsextremistisch ein. In Baden-Württemberg entschied das Verwaltungsgericht Stuttgart im März 2025, dass der Verfassungsschutz die Südwest-AfD weiterhin als rechtsextremistischen Verdachtsfall einstufen und beobachten darf. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen stufte im März 2026 die neue AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) in NRW als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein. In Niedersachsen wird die AfD als Verdachtsobjekt geführt, wobei der Verfassungsschutz eine zunehmende Radikalisierung feststellt
Die frühere Jugendorganisation Junge Alternative wurde vom NRW-Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft, unter anderem wegen eines "völkisch-ethnischen Volksverständnisses und Fremdenfeindlichkeit". Die neue Jugendorganisation Generation Deutschland wird vom Bundesverfassungsschutz als nicht weniger radikal eingeschätzt.
Auch in den News:
Zukunft der AfD Partei – Erfolg dank Ungerechtigkeitsgefühl
Mit Tino Chrupalla und Alice Weidel als Co-Vorsitzende stehen nun zwei Politiker:innen an der Spitze der AfD, die als ideologisch flexibel gelten. Doch das Duo genießt auch den Segen der einflussreichen Rechtsaußen-Strömung um den Thüringer Landes- und Fraktionschef Björn Höcke, auch wenn er politisch keineswegs immer der gleichen Meinung ist.
Unter anderem die Hans Böckler Stiftung prognostiziert, dass die Zukunft für die AfD voraussichtlich vor allem starken Stimmenzuwachs, wachsende gesellschaftliche Verankerung und zunehmende Normalisierung auf kommunaler Ebene bereithalten wird. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte die Partei 20,8 Prozent der Zweitstimmen und damit doppelt so viel wie bei der vorherigen Wahl. Laut einer Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Instituts (WSI) gelangt es der AfD dabei, "in neue Schichten außerhalb ihrer rechtsradikalen Kernwählerschaft" vorzudringen und in erheblichem Ausmaß ehemalige Wählende der politischen Mitte anzusprechen.
Neue AfD-Wähler:innen kommen aus verschiedenen politischen Richtungen, besonders von FDP, CDU/CSU und SPD, aber auch aus dem Kreis der früheren Nichtwählenden. Zugleich unterscheidet sich diese neue Wählerschaft teilweise von der bisherigen Stammwählerschaft: Unter den Neuwählenden gab es stärker Frauen, Westdeutsche und Menschen im Alter von 56 bis 65 Jahren. Damit deutet sich an, dass die Partei ihre Reichweite ausgeweitet hat.
Unter Anderem die Bayerische Staatszeitung (BSZ) beschreibt als zentrale Grundlage des Erfolgs der Partei die Mobilisierung von Ängsten und sozialen Verunsicherungen. Genannt werden Belastungen durch die Corona-Pandemie, Sorgen um den eigenen Lebensstandard infolge steigender Preise sowie Ängste vor Arbeitsplatzverlust durch Digitalisierung und Dekarbonisierung. Hinzu kommt laut WSI das Gefühl "systematischer Vernachlässigung" und "empfundener relativer Deprivation", das Ungerechtigkeitsgefühle verstärken kann. Die AfD profitiert demnach besonders dort, wo Menschen den Eindruck haben, andere würden bevorzugt, während die eigene Leistung nicht ausreichend anerkannt werde.
Inhaltlich bleibt Migration laut der WSI-Studie das zentrale Thema für AfD-Wählende. Gleichzeitig ist die Partei überdurchschnittlich stark unter Arbeiter:innen, Personen mit geringen Entscheidungsspielräumen im Beruf und auch unter Arbeitslosen.
Besonders gute Zukunftsaussichten hat die AfD in der Kommunalpolitik, laut Politikwissenschaftler Michael Zeller könne der erwartete Zugewinn an Mandaten bei der Kommunalwahl in Bayern den Druck auf die politische Brandmauer erhöhen. Wie brüchig die Abgrenzung gegenüber der AfD auf kommunaler Ebene bereits ist, zeigen Fälle von inhaltlicher Kooperation in Bayern sowie Beispiele aus dem Wahlkampf. Das WSI warnt, dass jede Form der Kooperation zu einer Normalisierung und Legitimierung radikaler Kräfte führen kann. Heißt: Dort, wo die AfD bereits stark ist, gewinnt sie leichter neue Anhänger:innen, weil ihre Präsenz im Alltag sichtbarer und normalisierter wird.
Hinzu kommt, dass der Erfolg der AfD laut Zeller längst nicht mehr allein auf Protestwahlverhalten beruht. Vielmehr wirkten mehrere Entwicklungen zusammen: unterschwellige Unzufriedenheit, Kürzungen bei staatlichen Sozialleistungen, schwaches Wirtschaftswachstum, gesellschaftlicher Wandel und eine abnehmende Parteienbindung.
Insgesamt werden die Zukunftsaussichten der AfD Partei durch wachsende gesellschaftliche Reichweite, die erfolgreiche Ansprache von Verunsicherung und Ängsten sowie durch kommunale Präsenz und mögliche Erosion der Brandmauer gestärkt. Dem kann nur mit positiven demokratischen Zukunftsbildern, sozialer Absicherung und echten Alternativen statt Sündenböcken begegnet werden.
FAQ: AfD Partei
Die AfD wird als gefährlich eingestuft, weil sie: die Demokratie und den Rechtsstaat infrage stellt, die Gleichwertigkeit aller Menschen ablehnt, diskriminierende und ausgrenzende Politik verfolgt, sich radikalisiert und teilweise an rechtsextreme Ideologien anknüpft und im Fall von Macht die bestehenden Freiheitsrechte abbauen könnte.
Die AfD fordert vor allem eine drastische Verschärfung der Migrationspolitik. In Bayern will die Partei beispielsweise eine Deutschpflicht in Moscheen durchsetzen und erwägt die Errichtung von Grenzzäunen. Die bayerische AfD bewirbt des Weiteren ein "Anti-Islamisierungs-Paket", das ein bayernweites Verbot von Minaretten, Burkas im öffentlichen Raum und Kopftüchern im öffentlichen Dienst vorsieht. Zudem sollen alle Vereinigungen des politischen Islams verboten und der Islamunterricht an bayerischen Schulen abgeschafft werden. Der AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen plädiert dafür, Deutschland als "europäische Führungsnation zu ertüchtigen" und die "militärische Hauptlast an der Nordostflanke der Nato" zu übernehmen. Er denkt an vier zusätzliche Heeresdivisionen und zwei Hubschraubergeschwader für die Bundeswehr. Die AfD strebt in mehreren Bundesländern Regierungsbeteiligungen an. In Sachsen-Anhalt formulierte der Landesvorsitzende Martin Reichardt das Ziel, 45 Prozent zu holen und den Ministerpräsidenten zu stellen.
Die Alternative für Deutschland wurde am 6. Februar 2013 in Oberursel gegründet. Die AfD ist die jüngste der derzeit im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
institut-fuer-menschenrechte.de: "Warum ist die AfD gefährlich?"
bpb.de: "Alternative für Deutschland" und "(Die) AfD"
afd.de: "Grundsatzprogramm für Deutschland"
faz.net: "AfD-Gründer Lucke kündigt Parteiaustritt an"
spiegel.de: "'Frauke, ich habe Angst um dich'"
bayerische-staatszeitung.de: "Zukunft der AfD: Wie die Kommunalwahl die Brandmauer bröckeln lässt"
boeckler.de: "Wie die AfD von Ängsten profitiert"
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