Im Talk mit Johannes B. Kerner
Merkel über Zittern, AfD und Linke: Altkanzlerin spricht offen bei Kerner
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
Umfrage: Merkel zur Problemlösung besser geeignet als Merz (5. Oktober)
Videoclip • 59 Sek • Ab 12
Ex-Kanzlerin Angela Merkel hat sich im Talk "Bestbesetzung" bei Johannes B. Kerner ungewöhnlich offen gezeigt. Sie spricht über ihre Zitteranfälle, ihre Sorgen um Deutschland und die Zukunft der CDU.
Das Wichtigste in Kürze
Altkanzlerin Angela Merkel hat im Talk "Bestbesetzung" mit Johannes B. Kerner offen über ihr Zittern und ihre Sorgen gesprochen.
Sie warnt vor einem gereizten Klima und hält es für richtig, dass die CDU Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegenüber AfD und Linke hat.
Den Atomausstieg hält sie weiterhin für richtig, die Erhöhung der Verteidigungsausgaben in ihrer Amtszeit sei dagegen zu langsam gewesen.
Ex-Kanzlerin Angela Merkel (72, CDU) hat sich ungewöhnlich offen gezeigt. Im Berliner Bode-Museum stellte sie sich 45 Minuten lang den Fragen von Moderator Johannes B. Kerner (61). Das Gespräch fand für das Talk-Format "Bestbesetzung" statt, das bei "Magenta TV" läuft. Dabei ging es um ihre Zitteranfälle, die Sorgen um Deutschland und die Zukunft ihrer Partei.
Im Jahr 2019 hatte Merkel mehrfach gezittert. Sie habe das so empfunden, dass ihr Körper ihr mitteilte: Stopp! Im Talk sagte sie: "Als ich damals 2019 gezittert habe, bei militärischen Ehren, wo sich auch so Spannung entladen hat, wahrscheinlich durch den Tod meiner Mutter oder auch die Tatsache, dass ich wusste, ich werde aufhören, da setzt der Körper dann einfach Zeichen und das ist ja menschlich etwas sehr, sehr Gutes."
Keine echte Auszeit für Merkel möglich
Eine richtige Auszeit habe sie sich damals nicht erlauben können, berichtete Merkel. Stattdessen habe sie entschieden, militärische Termine nur noch im Sitzen wahrzunehmen. Das sei beim ersten Mal ungewohnt gewesen, doch danach hätten sich alle daran gewöhnt. Kerner hakte nach, ob sie sich zu wenig Zeit genommen habe, um über den Tod ihrer Mutter zu trauern. Merkel antwortete: "Wahrscheinlich ja." Sie habe es zwar nicht direkt so empfunden, doch das Zittern sei ein Signal des Körpers gewesen.
Mit Blick auf die Wahlerfolge von AfD und Linken äußerte Merkel Sorgen, zeigte sich aber nicht ohne Optimismus. Viele Menschen sagten heute mehr ihre Meinung und stünden häufiger auf, sagte sie. Gleichzeitig beobachte sie ein gereiztes Klima. Sie befürchte, dass die Extreme immer stärker würden und dass verschwinde, was ihr in der Politik so wichtig war: "Maß und Mitte".
Auch in den News:
Klare Worte zu AfD und Linken
Merkel sagte, es sei richtig, dass die CDU Unvereinbarkeitsbeschlüsse für AfD und Linke habe. Scharfe Kritik übte sie an der Linken. Deren Programm sehe nach wie vor vor, mit der NATO nichts zu tun haben zu wollen. Das sei in den heutigen Zeiten "vollkommen inakzeptabel". Zudem sagte sie: "Die Linke hat hier in Berlin ein sehr, sehr schweres Problem, was den Antisemitismus anbelangt."
Auch zum Umgang mit der AfD äußerte sich die frühere Kanzlerin. Es werde viel zu sehr nur darüber gesprochen, wie man mit der AfD umgehe. So könne man niemanden überzeugen, die CDU zu wählen. Die Partei müsse vielmehr sagen, was sie bedeute. Zur Strategie "CDU pur" unter Friedrich Merz sagte Merkel: "CDU pur ist nicht Wirtschaftspolitik, sondern CDU pur ist eine Brücke zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern."
Verteidigung, Atomausstieg und eine Frau als Bundespräsidentin
Zur Gefahr eines russischen Angriffs auf die Nato sagte Merkel, eine Abschreckung sei geboten. Im Rückblick müsse man sagen, dass die Anhebung der Verteidigungsausgaben in ihrer Amtszeit nicht schnell genug gewesen sei. Den Atomausstieg hält sie nach eigener Aussage bis heute für richtig. Die Entscheidung habe auch zur gesellschaftlichen Befriedung beigetragen.
Auch eine Frau als Bundespräsidentin hält Merkel für denkbar. "Ich würde es mir wünschen", sagte sie. In 77 Jahren Geschichte der Bundesrepublik habe es noch nie eine Frau in diesem Amt gegeben. Es gebe "ganz gewiss Frauen, auch CDU-Frauen und CSU-Frauen, sagen wir mal Unionsfrauen, die sind geeignet".
Zum Porträt, das im Bode-Museum gezeigt wird und der Maler Jeremie Queyras für das Bundeskanzleramt angefertigt hat, äußerte sich Merkel ebenfalls. Als Kanzlerin habe sie stets versucht, die Hoheit über das Geschehen zu behalten. Bei dem Gemälde habe sie sich nun einem Maler ausgeliefert, was Vertrauen bedeute. Sie sehe darauf die Spuren der Macht, aber auch eine gewisse leichte Fröhlichkeit. Ihr Fazit: "Ich bin zufrieden."
Verwendete Quellen:
"Bestbesetzung" bei Magenta TV mit Angela Merkel als Gast
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