Zoff mit Söder-Minister Blume
Lanz will Vorwurf von CSU-Politiker nicht auf sich sitzen lassen: "Das ist doch wirklich Quatsch!"
Veröffentlicht:
von Natascha Wittmann:newstime
Sorge vor "Gen Z regelt"-Demos wächst
Videoclip • 01:43 Min • Ab 12
Bei "Markus Lanz" geriet der ZDF-Moderator mit dem CSU-Politiker Markus Blume aneinander. Als Lanz sich für die Krise der Union verantwortlich gemacht fühlte, ging er direkt in die Offensive.
In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" am Donnerstagabend (29. Oktober) wurde eine Äußerung von Markus Söder zum Aufhänger für eine Grundsatzdebatte, Der bayerische Ministerpräsident und Parteichef hatte beim CSU-Parteitag gemahnt, es gehe mittlerweile "um die Existenz der Volksparteien". Für Lanz klang das wie Alarmstufe Rot: "Das ist nackte Panik!"
CSU-Politiker Markus Blume widersprach und ordnete den Ton deutlich nüchterner ein: "Es ist eine ehrliche Bestandsaufnahme, denn wir sehen, was in anderen Ländern in Europa in den letzten Jahren zum Teil schon passiert ist." Diese "Erosionsprozesse" gebe es, so Blume, inzwischen "auch bei uns in Deutschland". Lanz wollte daraufhin wissen, wer daran schuld sei: "Wer ist denn dafür verantwortlich für diese Stimmung?"
Blume stellte jedoch klar "Es lässt sich gar nicht auf eine Ursache zurückführen." Die politische Debatte finde schlichtweg "heute völlig anders statt, als es früher der Fall war". Als Verstärker nannte er soziale Medien, die er als den größten "Freund der Parteien der Extreme" bezeichnete.
Blume wurde konkret: "Der größte Freund der AfD" seien "all die sozialen Netzwerke, die dazu beitragen, dass Positionen der Extreme viel mehr Öffentlichkeit finden". Lanz blieb skeptisch: "Also die sozialen Netzwerke sind der Grund dafür, dass Sie Probleme haben?" Blume präzisierte: "Das verändert natürlich das politische Klima. Die Mitte ist ja insgesamt heute nicht mehr so attraktiv." Auch Talkshows würden dazu ihren Teil beitragen, erklärte Blume: "Ihre Sendung funktioniert dann gut, wenn sie richtig zur Sache geht!"
ZDF-Moderator Markus Lanz (links) lockte CSU-Politiker Markus Blume immer wieder aus der Reserve, als es um die Krise der Union ging.
Bild: ZDF / Cornelia Lehmann
Juli Zeh: "Politik wird als unauthentisch empfunden"
Ein Vorwurf, den sich Lanz nicht gefallen lassen wollte: "Das heißt mit anderen Worten, ich bin dafür verantwortlich, dass es schlecht läuft in der CDU, ja?" Blume bremste: "Das ist jetzt eine Zuspitzung, die würde ich nicht treffen wollen." Doch Lanz ließ nicht locker. "Das ist doch wirklich Quatsch! Soll ich aufhören, Sie kritisch zu fragen, weil dann die Gefahr besteht, dass irgendjemand sagt, ach, vielleicht können die es gar nicht?" Blume räumte daraufhin ein, dass es auch um die Frage gehe, "wie sich Politik insgesamt präsentiert".
Inhaltlich wurde es anschließend grundsätzlich. Blume verwies auf die Stimmung im Land und mahnte: "Die größte Sorge der Deutschen ist, ob die Bundesregierung in der Lage ist, den Problemen des Landes Herr zu werden." Das sage "viel aus über die Gemütslage des Landes aktuell".
Lanz widersprach erneut: "Nein, dann sagt das viel über die Bundesregierung aus!" Autorin Juli Zeh legte ebenfalls nach: Die Bevölkerung traue "der Politik überhaupt nicht mehr zu, noch irgendwelche Probleme auf die Kette zu kriegen". Sie betonte: "Politik wird als unauthentisch empfunden." Statt Kurswechsel gebe es nur "ein 'Weiter so'", die Analysen blieben "immer an der Oberfläche". Ihr Fazit? "Also im Grunde ist das heiße Luft."
Auch in den News:
Lanz fragt Blume: "Sie sehen Deutschland auf dem Weg Richtung Abgrund?"
Bildungsforscherin Nina Kolleck verwies indessen auf Umfragen, nach denen in Bayern junge Wähler bis 29 Jahre vor allem die AfD wählen würden. Lanz fragte direkt: "Was ist der Grund dafür?" Sie erklärte: "Es ist natürlich die Gesamtsituation, dass sich junge Menschen viel zu wenig abgeholt fühlen und auch ja schon seit Jahren danach rufen: Wir wollen integriert werden, wir wollen gehört werden, wir wollen ernst genommen werden. Das passiert aber zu wenig." Ihre Warnung: "Da braut sich ganz schön was zusammen!"
Kolleck erklärte: "Der Frust wird immer größer und die Gewaltbereitschaft, die wird dann auch automatisch mit größer." Markus Blume zog daraus eine Konsequenz für die Parteien der Mitte. So stelle sich die Frage, "wie man sich neu erfinden" könne. Ein "Weiter so" werde auf Dauer "nicht die Lösung sein". Als der CSU-Mann schließlich Frankreich als Beispiel heranzog, wurde die Debatte erneut hitzig.
Laut Blume gebe es vor Ort "massiven Widerstand" gegen "Reformen, die dort eigentlich zwingend notwendig sind" - in "einem Land, was im Verhältnis zu Deutschland schon viel weiter steht". Lanz hakte interessiert nach: "Also viel näher am Abgrund meinen Sie?" Blume nickte: "Genau, unmittelbar vor dem Abgrund."
Lanz war irritiert: "Herr Blume, haben Sie gerade gesagt, Sie sehen Deutschland auf dem Weg Richtung Abgrund?" Blume wehrte ab: "Nein, das habe ich nicht gesagt!" Gleichzeitig befand er: "Wir müssen doch etwas ändern." Juli Zeh brachte es am Ende als Appell für mehr Authentizität auf den Punkt: "Es bringt nichts, Politik zu machen gegen den rechten Rand und gegen den linken Rand. Sondern man muss Politik machen für sich."
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