Treibstoffkrise
Russland lässt schlechten Sprit zu – Ein riskanter Plan, um Versorgungslücken zu schließen
Aktualisiert:
von Joachim Vonderthann:newstime
Neue ukrainische Super-Rakete bedroht Moskau
Videoclip • 01:24 Min • Ab 12
Wegen der Treibstoffkrise durch die anhaltenden ukrainischen Angriffe hat Russland die Kraftstoffvorschriften drastisch gelockert – und lässt damit Benzin von deutlich schlechterer Qualität wieder zu. Moderneren Fahrzeugen drohen dadurch ernsthafte Motorschäden.
Das Wichtigste in Kürze
Russland lässt wegen einer massiven Treibstoffkrise wieder ältere Kraftstoffsorten der Standards Euro 2 und Euro 3 zu.
Fahrer:innen moderner Fahrzeuge riskieren damit Motorschäden.
Nur Machthaber Putin spielt die Folgen der ukrainischen Raffinerie-Angriffe herunter.
Wegen Ukraine-Angriffen: Putin lässt schlechten Sprit zu
Russland steckt in einer ernsthaften Treibstoffkrise – und die Reaktion der Regierung in Moskau könnte die Lage für viele Autofahrer:innen noch verschlimmern. Um den Kraftstoffmangel im Land zu bekämpfen, hat Russland seine Qualitätsstandards für Benzin und Diesel vorübergehend abgesenkt und damit ältere, niedrigerwertige Kraftstoffsorten wieder zugelassen, die eigentlich längst verboten waren. Das berichtet "Focus online" unter Berufung auf das polnische Wirtschaftsportal "Money.pl".
Konkret hat Russlands Regierung per Dekret erlaubt, wieder Kraftstoffe des Standards Euro 2 und Euro 3 zu produzieren und zu verkaufen – also Sorten, die in Europa seit Jahren wegen ihres hohen Schadstoffgehalts verboten sind. Damit sollen die Lücken in der Versorgung geschlossen werden, die durch den massiven Ausfall russischer Raffinerien durch ukrainischen Beschuss entstanden sind.
Alte Kraftstoffe können modernen Fahrzeugen schaden
Für Fahrer:innen moderner Fahrzeuge ist die Zulassung dieser alten Kraftstoffsorten dem Bericht zufolge ein ernstes Problem. Heutige Motoren – insbesondere solche mit Direkteinspritzung, Turboaufladung oder modernen Abgasnachbehandlungssystemen – sind auf Kraftstoffe höherer Qualität ausgelegt. Wer minderwertiges Benzin tankt, riskiert unter anderem erhöhten Verschleiß, verstopfte Einspritzdüsen und Schäden am Katalysator. In schlimmsten Fällen können Motoren dauerhaft beschädigt werden.
Kilometerlange Schlangen an Tankstellen in Russland
Die Kraftstoffkrise hat Russland fest im Griff. Vor vielen Tankstellen stehen Autofahrer:innen in kilometerlangen Schlangen, um überhaupt Sprit zu bekommen. Viele Stationen geben Kraftstoff nur noch in begrenzten Mengen ab oder haben gar keinen mehr vorrätig. Die Krise, die ursprünglich auf der von Russland 2014 annektierten Halbinsel Krim begann, hat inzwischen nahezu alle Regionen des Landes erfasst.
Auslöser der Krise sind die massiven ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien in den vergangenen Monaten. Die Ukraine hat dabei einen erheblichen Teil von Russlands Verarbeitungskapazitäten beschädigt oder zerstört – mit direkten Folgen für die Kraftstoffversorgung der Bevölkerung.
Die Regierung in Moskau reagierte mit mehreren Notmaßnahmen: Bereits im April wurde ein Exportverbot für Benzin verhängt, nun wurde auch der Export von Diesel gestoppt. Gleichzeitig hat Russland mit dem Import von Kraftstoffen aus dem Ausland begonnen, um die Versorgung zu stabilisieren. Raffinerien wurden zudem angewiesen, geplante Wartungsarbeiten auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, um die Produktion kurzfristig hochzuhalten.
Auch in den News:
Putin spielt die Krise herunter
Vizeregierungschef Alexander Nowak, der für den Energiesektor zuständig ist, sprach auf einer von Kreml-Machthaber Wladimir Putin einberufenen Sitzung offen von einer "angespannten Marktlage" und verwies auf die beginnende Erntezeit sowie eine gestiegene Nachfrage als zusätzliche Faktoren, die die Krise verschärfen.
Präsident Putin selbst versuchte, die Lage kleinzureden. Kiew versuche mit Schlägen gegen die Energieinfrastruktur der russischen Wirtschaft zu schaden und "Nervosität im Land zu erzeugen". Doch Putin zeigte sich überzeugt: "Wir alle hier verstehen, dass diese Aufgabe unerfüllbar ist." Russlands Energiesektor habe einen der "größten Sicherheitspuffer weltweit". Die aktuellen Engpässe hätten lediglich "vorübergehenden Charakter", so der Kremlchef.
Verwendete Quellen:
Focus online: "Russland erlaubt wieder veralteten Sprit aus der Euro-2-Zeit"
Nachrichtenagentur dpa
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