Tourismus à la Putin

Russland empfiehlt seinen Landsleuten "patriotische" Reiseziele

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

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Videoclip • 01:21 Min • Ab 12


Die Propaganda des Kreml macht vor den Russ:innen selbst in deren Freizeit und Urlaub nicht halt. Sie sollen Ausflüge und Reisen nach Wunsch Moskaus möglichst entlang von  "patriotischen" Tourismusrouten planen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Russland empfiehlt seinen Einwohner:innen, das eigene Land entlang "patriotischer" Tourismusrouten zu erkunden.

  • Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind Inlandsreisen für die meisten Russ:innen die einzige Option.

  • Auch historische Museen werden inhaltlich immer stärker auf Kreml-Kurs gebracht.

Von Peter dem Großen bis zum Zweiten Weltkrieg: Die "patriotischen" Tourismusrouten, die Russland seinen Einwohner:innen ans Herz legt, führen zu Schauplätzen von Schlachten, die von der russischen Armee gewonnen wurden, zu historischen Festungen und Denkmälern, in Museen und einschlägigen Kunstausstellungen. Wie n-tv.de berichtet, sollen die Routen einen "patriotischen Ring" von touristischen Orten ergeben, der sich über Russland und die annektierten Gebiete in der Ostukraine erstreckt.

Die Liste mit mehr 140 "patriotischen" Ausflugszielen legt ihren Schwerpunkt dem Bericht zufolge vor allem auf historische Siege des russischen Imperiums und der Sowjetunion. "Patriotische Erziehung spielt heute eine große Rolle in unserem Leben", sagte die Vorsitzende des Tourismuskomitees der Region Pskow im Westen Russlands, Kristina Kobis.

Auch in den News:

Auslandsreisen für Russ:innen seit 2022 erschwert

Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs ist es für Russ:innen schwieriger geworden, Visa von westlichen Staaten zu erhalten. Die EU-Länder beispielsweise haben sämtlich ihre Direktflüge nach Russland gestoppt, weshalb Reisen innerhalb des eigenen Landes für viele Landsleute Putins mittlerweile die einzige Option sind.

Wie es in dem Bericht weiter heißt, erreichte die Zahl touristischer Reisen innerhalb Russlands im Jahr 2025 fast 174 Millionen. Das entspricht nach Angaben von Analyst:innen der staatlichen Bank Sberbank einem Anstieg um 43,5 Prozent im Vergleich zu 2021.


Putins Landsleute schwärmen von den "patriotischen" Reisezielen

"Warum woandershin fahren, wenn man alles direkt hier finden kann?", zitiert der Bericht eine Ärztin aus Krasnodar, die eine Festung aus dem 14. Jahrhundert in der Stadt Isborsk besichtigt. "Ich war noch nie in Europa, aber ich glaube auch nicht, dass es nötig ist, woandershin zu fahren", so die 59-Jährige.

"Als ich das Denkmal 'Die Mutter Heimat ruft' besuchte – die Musik und die ganze Atmosphäre, das geht einem wirklich unter die Haut, die Stimme beginnt zu zittern, und es treibt einem die Tränen in die Augen", schilderte hingegen der 37-jährige Dmitri Schukow seine Eindrücke, die er auf einer 10.000 Kilometer langen Reise von Pskow nach Wladiwostok im Fernen Osten Russlands sammelt. Zu den Monumenten, die er bereits besucht hat, gehörte dem Bericht zufolge die riesige Statue "Die Mutter Heimat ruft", die über dem heutigen Wolgograd aufragt. Die Stadt war unter ihren einstigen Namen Stalingrad Schauplatz einer entscheidenden Schlacht zwischen Russland und Deutschland im Zweiten Weltkrieg.

Wie Russland seine eigene Geschichte "patriotisch" umdeutet, belegt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge auch die Umwidmung des Moskauer Gulag-Museums. Statt der Erinnerung an das Lagersystem unter Sowjetdiktator Josef Stalin wird dort künftig eine Schau über deutsche Verbrechen in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg gezeigt. Das derzeit geschlossene Museum teilt auf seiner Website mit, es werde sich als "Museum der Erinnerung" künftig "dem Gedenken an die Opfer des Genozids am sowjetischen Volk" widmen. Die Ausstellung werde "alle Etappen der Nazi-Kriegsverbrechen umfassen".



Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

n-tv.de: "'Patriotisch' in den Urlaub: Sommer, Sonne, Sowjethelden - Russlands neue Reiserouten"

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