Vorstandssitzung

VW auf Sparkurs: Gewerkschaft ruft zu Protesten gegen massiven Stellenabbau auf

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

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VW-Aufsichtsrat berät massiven Job-Abbau

Videoclip • 25 Sek • Ab 12


VW will sparen – kompromisslos: Medienberichten zufolge könnten die Jobs von 100.000 Beschäftigten wegfallen. Bundesweit ruft die IG Metall nun zu Protesten auf – aktuell berät der Vorstand über die konkrete Zukunft des Automobilkonzerns.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bereits im Frühjahr kündigte VW-Chef Oliver Blume Sparmaßnahmen für das Unternehmen an, nach denen 50.000 Stellen abgebaut werden sollten.

  • Nach Angaben des "Manager Magazins" seien doppelt so viele Jobs betroffen, inklusive der Schließungen von vier Konzernstellen.

  • Der VW-Vorstand berät aktuell in Wolfsburg über die konkrete Zukunft des Unternehmens – angesichts dessen ruft die Gewerkschaft IG Metall zu deutschlandweiten Aktionen auf.

Der Automobilhersteller VW ist erneut auf radikalem Sparkurs. Informationen des "Manager Magazins" zufolge könnten mit weiteren Werkschließungen bald weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen – doppelt so viel, wie ursprünglich angekündigt. Am Donnerstagnachmittag (9. Juli) will der Aufsichtsrat in Wolfsburg zusammenkommen, um über die Pläne zu beraten.

Bundesweit ruft die Arbeitnehmervertretung IG Metall deshalb zu Aktionen gegen die drohenden Schließungen auf. Über zwölf Initiativen sind geplant.

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Hier drohen Schließungen

Nach Angaben eines Unternehmenssprechers solle es in der Aufsichtsratssitzung darum gehen, Komplexität zu reduzieren, Beteiligung zu straffen und Entwicklung und Produktion regionaler auszurichten. "Und ja, wir werden auch Überkapazitäten abbauen müssen", heißt es weiter. Die genauen Inhalte des Zukunftsplans und die damit verbundenen notwendigen Maßnahmen würden nun zwischen Aufsichtsrat und Vorstand der Volkswagen AG erörtert werden.

Laut "Manager Magazin" und Informationen des "Spiegel" droht den folgenden vier Stellen die Schließung:

  • Zwickau bis 2031

  • Emden bis 2031

  • VW Nutzfahrzeuge Hannover bis 2034

  • Audi in Neckarsulm bis 2034

Volkswagen selbst gab bisher keine weiteren Details zur Zukunft des Unternehmens bekannt. Der Konzernvorstand bestätigte lediglich, man arbeite "intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens".

VW sieht sich zu Sparmaßnahmen gezwungen

Bereits im Frühjahr hatte der VW-Chef Oliver Blume ein neues "Zielbild 2030" angekündigt, inklusive eines deutlichen Sparkurses. Das bisherige Geschäftsmodell samt Entwicklung und Produktion in Europa funktioniere nicht mehr. Als Grund nannte Blume die sich verschärfenden Rahmenbedingungen wie Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz. Daher müsse sich der Automobilkonzern neu aufstellen und weiter Kosten senken.

Konkret sah der Plan einen bundesweiten Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 vor. Davon entfallen 35.000 Jobs auf die Kernmarke, der Rest auf Tochterfirmen wie Audi oder Porsche. Ob die Sparmaßnahmen drastischer ausfallen, wird wohl nun im Wolfsburger Vorstandshochhaus entschieden.

IG Metall über Vorstandspläne: "Nicht mit uns!"

IG Metall will den VW-Zukunftsplänen Widerstand leisten. Einige der von der Gewerkschaft ausgerufenen Protestaktionen sind bereits gelaufen, insgesamt sind über ein Dutzend geplant. Dabei handle es sich nach Gewerkschafts-Angaben nicht um einen Arbeitskampf, sondern um Informations- oder Protestveranstaltungen. Sollte es wirklich zum befürchteten Abbau und der Schließung von vier Werken kommen, sähe dies mutmaßlich anders aus.

Den Anfang der Proteste machten IG Metall zufolge 70 Personen in Osnabrück. Bereits seit zwei Jahren warteten Angestellte auf eine Entscheidung, so der örtliche Gewerkschafts-Chef Stephan Soldanski. "Wir können uns sehr gut vorstellen, wie sich die Beschäftigten fühlen, wo spekuliert wird, was als Nächstes schließen soll."

In Zuffenhausen bei Stuttgart versammelten sich nach Angaben der Gewerkschaft spontan 250 Porsche-Mitarbeiter:innen. Geplant war ursprünglich nur ein Autokorso, an dem rund 200 Fahrzeuge teilnahmen. Auch in Ingolstadt protestierten laut IG Metall 250 bis 300 Menschen am Audi-Stammsitz. Wenn der Konzern glaube, der Belegschaft Abbaupläne über die Presse mitteilen zu können, sei dies nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Antwort, sagte ein Sprecher.

In Wolfsburg ist eine Kundgebung direkt am Vorstandshochhaus angekündigt, weitere Aktionen waren in Neckarsulm, Braunschweig, Stuttgart, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter, Chemnitz, Dresden, Zwickau, Leipzig, München, Nürnberg und Salzgitter geplant.

"Die ständigen Angriffe auf die Rechte der Kolleginnen und Kollegen nehmen wir nicht ohne Gegenwehr hin", so die IG-Metall-Chefin Christiane Benner. Die Beschäftigten hätten ihre Beiträge bereits geleistet, auch mit Blick auf die Tarifeinigung Ende 2024. Die Proteste seien "ein klares Signal an den Vorstand: Nicht mit uns".


VW-Vorstand gilt als stark gespalten

Um 14:30 Uhr wollte der Aufsichtsrat zusammenkommen. Die Lage in dem Kontrollgremium ist kompliziert, demnach dürften bei der Versammlung sehr unterschiedliche Vorstellungen aufeinander treffen.

So hat sich neben der Gewerkschaft auch das Land Niedersachsen bereits ablehnend zu den Plänen geäußert. Werksschließungen seien keine Zukunftsstrategie, so Niedersachsens Vize-Regierungschefin Julia Willie Hamburg (Grüne). Mit 20 Prozent ist Niedersachsen an VW beteiligt, Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und dessen Stellvertreterin Willie Hamburg sitzen im Aufsichtsrat. Sie bilden zusammen mit den zehn Arbeitnehmervertreter:innen eine Mehrheit – derzeit sogar deutlich, denn einer der eigentlich zehn Sitze der Kapitaleigner:innen ist unbesetzt.

Somit gilt es als nahezu unmöglich, dass die Vorstandpläne eine unveränderte Mehrheit finden. Auch Kampfabstimmungen mit offenem Ausgang sind im VW-Kontrollorgan bisher die absolute Ausnahme. In aller Regel wird diskutiert, bis sich alle Seiten einig sind.

Über eine mögliche Entscheidung will der Wolfsburger Automobilkonzern nach der Aufsichtsratssitzung so schnell wie möglich informieren.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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