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Volkswagen in der Krise: Wie Deutschlands Auto-Gigant ins Straucheln geriet

Veröffentlicht:

von Emre Bölükbasi

:newstime

Job-Kahlschlag bei Volkswagen? (26. Juni)

Videoclip • 01:47 Min • Ab 12


Jahrzehntelang war Volkswagen das Symbol deutscher Ingenieurskunst. Doch nun kämpft der Konzern mit Gewinneinbrüchen, einem China-Schock und einem groß angelegten Stellenabbau. Wie konnte es so weit kommen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Volkswagen steckt in der Krise.

  • Gewinne brechen ein, Jobs wackeln und die Konkurrenz aus China wächst rasant.

  • Wie Deutschlands Auto-Gigant seinen Vorsprung verlor.

Volkswagen war einmal der Inbegriff des deutschen Wirtschaftswunders. Käfer, Golf, Milliardengewinne – kaum ein Unternehmen prägte Deutschlands Industriegeschichte so stark wie der Autobauer aus Wolfsburg. Über Jahrzehnte galt VW als nahezu unerschütterlich: riesig, profitabel, weltweit erfolgreich.


Eine eigentlich harmlose Meldung aus dem Jahr 2025 bekam dann Symbolcharakter: 2024 verkaufte Volkswagen mehr seiner legendären Currywürste als Pkw bei der Kernmarke VW. Ein kurioses Detail – das gleichzeitig zeigte, wie sehr der Konzern inzwischen um seine Rolle in der neuen Auto-Welt ringt.

Wie das "Manager Magazin" kürzlich berichtete, könnten bis zu 100.000 Arbeitsplätze im Konzern zur Disposition stehen. Volkswagen selbst äußert sich dazu bislang nicht konkret. Der Betriebsrat erklärte gegenüber :newstime, "dass uns keine Quantifizierungen oder Qualifizierungen zum Thema Stellenabbau vorliegen."

Wie konnte aber der deutsche Auto-Gigant in wenigen Jahren in so große Schwierigkeiten geraten? Ein Rückblick auf den Aufstieg und Absturz von VW.

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Glorreicher VW-Aufstieg mit China als Goldgrube

Die Geschichte von Volkswagen begann einst als spektakuläre Erfolgserzählung. Nach der Gründung 1937 und dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich VW zum Symbol des westdeutschen Aufschwungs. Der Käfer wurde weltweit zum Kultauto, später übernahm der Golf diese Rolle und wurde zum meistverkauften Auto weltweit. Volkswagen exportierte deutsche Ingenieurskunst in alle Welt – und verdiente damit Milliarden.

Vor allem China wurde für den Konzern zur Goldgrube. Über Jahrzehnte dominierte VW dort den Markt und profitierte von einem riesigen Wachstum. Genau dieser Markt entwickelt sich nun jedoch zum Problem.

Denn während chinesische Hersteller nunmehr bei Elektroautos immer stärker werden, geraten deutsche Autobauer zunehmend unter Druck. Besonders deutlich zeigt sich das in den Marktanteilen: Im ersten Quartal 2026 kamen VW, Audi, BMW, Mercedes und Porsche zusammen bei batterieelektrischen Fahrzeugen in China nur noch auf 1,6 Prozent Marktanteil.

"Das setzt die deutschen Hersteller im Moment enorm unter Druck", ist sich der Automobilexperte Stefan Bratzel sicher. "Sie müssen eben jetzt in manchen Feldern technologisch aufholen und gleichzeitig müssen sie auf die Kosten achten", sagte er gegenüber :newstime.


"Diesel-Gate" bringt VW in schwere Krise

Die Probleme reichen weiter zurück. Spätestens mit dem Diesel-Skandal erlitt Volkswagen einen massiven Vertrauensverlust: 2015 wurde bekannt, dass Volkswagen bei Millionen Dieselfahrzeugen eine Software eingesetzt hatte, die Abgastests manipulieren konnte.

Ins Rollen gebracht wurde der Fall unter anderem durch Untersuchungen dreier junger US-Forscher, die bei Tests deutlich erhöhte Stickoxidwerte bei VW-Dieselautos festgestellt hatten. Die Enthüllungen entwickelten sich später zum größten Industrieskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Die Folge: Der Konzern musste tief in die Tasche greifen, Prozesse führen und seine Strategie neu ausrichten. Es kam zu einem radikalen Kurswechsel hin zur Elektromobilität – allerdings mitten in einem globalen Wettlauf, in dem neue Konkurrenten längst Tempo aufgenommen hatten.

Wie schwierig diese Transformation geworden ist, zeigt inzwischen auch der Blick auf die Geschäftszahlen. 2025 brach der Gewinn des VW-Konzerns deutlich ein. Selbst Porsche, lange Zeit einer der wichtigsten Gewinnbringer, blieb hinter den Erwartungen zurück. VW-Chef Oliver Blume räumte offen ein, "dass das Geschäftsmodell, was uns über Jahrzehnte getragen hat im VW-Konzern, dass das in dieser Form nicht funktioniert".


Großer Druck auf VW, aber auch vereinzelt Lichtblicke

Der Druck auf den Konzern wächst deshalb von mehreren Seiten gleichzeitig: hohe Kosten, schwächere Verkäufe in China, der Umbau zur Elektromobilität und zunehmende Konkurrenz aus Asien.

Für zusätzliche Unruhe sorgte die Entscheidung, die Produktion des Golf ab 2027 nach Mexiko zu verlagern. Für viele Beschäftigte ist das ein emotionales Signal. Kaum ein Modell ist so eng mit Wolfsburg verbunden wie der Golf. Aber: Trotz aller Probleme bleibt Volkswagen einer der größten Autobauer der Welt. Modelle wie Golf oder Tiguan verkaufen sich weiterhin stark.

Doch die zentrale Frage bleibt: Kann VW den Wandel der Autoindustrie schnell genug meistern? Bratzel spricht inzwischen von einer "Polykrise". Die Wettbewerbssituation habe sich "drastisch verändert". "Am stärksten merkt man das im Moment im chinesischen Automobilmarkt, wo Volkswagen und die anderen Autobauer massiv Marktanteile verlieren."

Fest steht: Volkswagen erlebt gerade die vielleicht größte Transformation seiner Geschichte. Der Konzern muss sich neu erfinden – wirtschaftlich, technologisch und strategisch. Oder wie Bratzel es formuliert: "Ich glaube, dass die nächsten zwei, drei Jahre sehr harte Sanierungsschritte bedürfen. Danach kann man wieder zu neuer Stärke finden."


Verwendete Quellen:

autozeitung.de: "VW verlagert Golf-Produktion: Das bringt der Umzug nach Mexiko"

Handelsblatt: "Marktanteil deutscher Autobauer in China fällt auf Rekordtief"

Tagesschau: "VW verkauft mehr Currywürste als Autos"

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