Nach Drama um Timmy

Buckelwal in Deutschland gesichtet – Ist es Hartwin? Ministerium in Schleswig-Holstein äußert sich

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

:newstime

Neuer Buckelwal in der Ostsee gesichtet (23. Juni)

Videoclip • 58 Sek • Ab 12


Wal-Fans aufgepasst: Mehrere Aufnahmen sollen einen Buckelwal vor den Küsten Deutschlands zeigen. Handelt es sich um den stark geschwächten Hartwin – und springen jetzt die Behörden ein?

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Netz kursierende Foto- und Videoaufnahmen sollen einen Wal vor Heiligenhafen zeigen.

  • Ob es sich um einen neuen Buckelwal oder etwa den zuletzt vor Dänemark schwimmenden Hartwin handelt, sei bisher unklar.

  • Das zuständige Ministerium in Schleswig-Holstein könne die Sichtungen nicht bestätigen – habe aber einen Fahrplan für etwaige Strandungen.

Aufregung in Heiligenhafen: Ein Wal soll laut "Ostsee-Zeitung" (OZ) in der Kleinstadt zwischen Kiel und Lübeck gesichtet worden sein. Auf den im Netz kursierenden Aufnahmen glänzt sein weißer Rücken im Ostsee-Blau.

Hat es der zuvor vor Dänemark schwimmende Buckelwal Hartwin etwa nach Deutschland geschafft – und wie reagieren die Behörden vor Ort?

Auch in den News:

"Wir erhielten gestern zwischen 12 und 14 Uhr zwei Sichtungsmeldungen von einem Wal vor Heiligenhafen", so das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund am Freitag (17. Juli) gegenüber :newstime. Die Einrichtung war bereits in die Rettungsmaßnahmen von Buckelwal Timmy involviert, der nach mehreren Strandungen und einer teuren Freisetzung letztendlich im Meer verendete. Ob es sich auch dieses Mal um einen Buckelwal handelt, könne das Museum anhand des Bild- und Videomaterials allerdings nicht eindeutig sagen.

Ebenfalls unklar ist die Identität des Tieres. Denn noch vor wenigen Wochen sorgte Wal Hartwin vor Dänemark für Aufsehen. Genau der habe sich mehreren Berichten zufolge Richtung Deutschland bewegt. Handelt es sich bei dem Tier vor Heiligenhafen um Hartwin oder um einen dritten Ostsee-Wal, der dieses Jahr in Deutschland für Schlagzeilen sorgt?

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Neuer Buckelwal vor Deutschland – ist es Hartwin?

"Die Oberfläche wirkt ziemlich identisch", so der studierte Meeresbiologe und Leiter des Wissens- und Forschungszentrums Fjord&Bælt in Kerteminde (Dänemark), Heiko Buch-Illing, im Gespräch mit :newstime. Die auf den Aufnahmen ebenfalls weiße Haut erinnert an Hartwins Körper. Seine helle Verfärbung deutete auf einen Befall hin, der Wal wirkte stark geschwächt. Und genau das bringt Buch-Illing zum Nachdenken.

"Was mich verwirrt, ist, dass im nördlichen Teil von Fünen (Dänemark) Sichtungen gemacht wurden und dann in Deutschland", so Buch-Illing. Er habe die beiden Zeitpunkte mit der Distanz, die Hartwin zurückgelegt haben musste, verglichen. "Wenn der Wal stark geschwächt ist, würde er das nicht schaffen", so der Experte. "Wenn es aber der gleiche Wal ist, dann ist er doch fitter, als man anfangs vermutet hatte."

Um klar zu sagen, ob sich vor den Ostseeküsten ein oder zwei Buckelwale aufhalten, müsse der gesamte Körper des Wals zu sehen sein. Nur so ließe sich feststellen, ob es sich auch wirklich um einen weißlich verfärbten Buckelwal und nicht etwa um einen Beluga handle. "Der Beluga hat keine Rückenfinne. Wenn man also eine sehen kann, deutet das schon eher auf einen Buckelwal hin." Außerdem sei die Haut des Belugas vollständig weiß, eine dunkle Stelle würde ebenfalls auf einen anderen Wal deuten.

Das Deutsche Meeresmuseum erkennt auf dem Video einen weiteren Hinweis: Der Wal mache einen "apathischen Eindruck" und zeige keinerlei Aktivitäten. Ebenso war es bei Hartwin zu beobachten. "Es ist also gut möglich, dass er strandet", heißt es weiter. Ein gestrandeter Wal vor Deutschland – steht uns dann ein weiteres Drama à la Timmy bevor?


Experte: "Die Lage ist prekär"

Heiko Buch-Illing betont, nach dem Wirbel um den Buckelwal vor Poel sei die Lage sehr prekär. "Wir kennen die Geschichten von Timmy. Wir kennen auch die Geschichte von Timmy in politischer Hinsicht", so der CEO des Forschungszentrums Fjord&Bælt. Die öffentliche Diskussion um die Zukunft des Wals habe auch in der Forschung eine neue Debatte ausgelöst. Doch vor allem für die verantwortlichen Behörden sei das Thema "eine heiße Kartoffel".

Im Falle des Wals vor Heiligenhafen wäre demnach nicht mehr Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister und Timmy-Fan Till Backhaus (SPD) zuständig, sondern Behörden des Landes Schleswig-Holstein. Dieses hält sich bislang bedeckt und könne eine solche Sichtung nicht bestätigen.

Generell sei bei Walstrandungen und -sichtungen großer Abstand geboten, um das Tier nicht zu stören, teilte eine Sprecherin des zuständigen Ministeriums für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur gegenüber :newstime mit. Bei einer möglichen erneuten Strandung habe man eine Meldekette etabliert: "Wir werden uns schnell mit wissenschaftlichen Expertinnen und Experten, der Polizei und möglichen weiteren beteiligten Behörden abstimmen."

Nach dem Auf und Ab um den nach Angaben des Meeresmuseums fünfmal gestrandeten Timmy ziehen die Expert:innen in Stralsund ein klares Fazit. Die damaligen Rettungsversuche seien bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gerechtfertigt, solange sie das Tier nicht zu sehr stressen. "Einer Lebendbergung, wie sie bei dem Wal vor Poel vonstattenging, würden wir nicht zustimmen."


Verwendete Quellen:

OZ: "Wal in der Ostsee gesichtet – ist es Buckelwal "Hartwin"?"

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