Heizungsgesetz in der Kritik

Studie: Biomethan kann Gasheizungen nicht dauerhaft retten

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

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Eine neue Fraunhofer-Studie stellt die Pläne der Bundesregierung für mehr Gasheizungen infrage. Für Haushalte drohen demnach steigende Kosten und teure Fehlinvestitionen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Studie des Fraunhofer IFAM im Auftrag des Umweltinstituts München und von GasWende kommt zu dem Schluss, dass Biogas Gasheizungen wirtschaftlich nicht retten kann.

  • Trotz neuer Gasquoten würden Gasnetze in Wohngebieten laut den Berechnungen voraussichtlich bis spätestens 2045 großflächig stillgelegt.

  • Für Haushalte drohen laut Studie steigende Netzentgelte, teure Fehlinvestitionen und insgesamt mehr als 50 Milliarden Euro zusätzliche Netzkosten, wenn der Gasausstieg zu spät geplant wird.

Die Bundesregierung will mit dem geplanten Gebäude-Modernisierungs-Gesetz (GModG) den Einbau neuer Gasheizungen wieder unbegrenzt ermöglichen, Voraussetzung ist, dass diese ab 1. Januar 2029 einen zunehmenden Anteil CO2-neutraler Brennstoffe wie Biomethan nutzen. Genau daran gibt es nun neue Kritik. Eine Studie des Fraunhofer IFAM im Auftrag des Umweltinstituts München und der Initiative GasWende kommt zu dem Schluss, dass dieser Weg das Auslaufmodell Gasheizung nicht retten kann.

Nach den Berechnungen der Forschenden werden Gasnetze in Wohngebieten aller Wahrscheinlichkeit nach bis spätestens 2045 großflächig stillgelegt – auch dann, wenn das neue Gesetz wie geplant kommt. In den Zwischenergebnissen heißt es wörtlich: "Auch unter GModG wird der Gasnetzbetreiber das Netz bis spätestens 2045 stilllegen." Der Hauptgrund: Immer mehr Haushalte steigen auf Wärmepumpen oder Wärmenetze um, die Zahl der Gaskund:innen sinkt.


Teures Biogas, weniger Kund:innen

Damit wird das Gasnetz für die verbleibenden Haushalte immer teurer. Die festen Kosten für Betrieb und Instandhaltung müssen auf immer weniger Kund:innen verteilt werden. Laut Studie reicht die Beimischung von Biogas nicht aus, um diesen Effekt zu stoppen. Stattdessen steigen die Belastungen weiter.

Till Irmisch vom Umweltinstitut München sagt in der Pressemitteilung: "Die Grüngasquote und die Bio-Treppe führen deshalb ins Nichts." Die Kombination aus knappem, teurem Biogas und steigenden Netzentgelten werde für die meisten Menschen nicht bezahlbar sein. Aus Sicht der Autor:innen droht damit vielen Haushalten, die jetzt noch auf Gas setzen, eine teure Sackgasse.

Wärmepumpe laut Studie klar im Vorteil

Die Studie vergleicht auch die laufenden Kosten von Biomethanheizungen und Wärmepumpen. Das Ergebnis: In fast allen betrachteten Szenarien ist die Wärmepumpe 2045 deutlich günstiger. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit 15.000 Kilowattstunden Wärmebedarf errechnet das Fraunhofer IFAM meist einen Betriebskostenvorteil von mehr als 1.000 Euro pro Jahr. In einem Referenzszenario summiert sich das laut Studie über 20 Jahre auf fast 30.000 Euro Ersparnis.

Das macht neue Gasheizungen aus Sicht der Studienautor:innen besonders riskant. Denn Gasheizungen halten oft rund 25 Jahre. Wer sich jetzt noch ein neues Gerät einbaut, könnte also auf einer Heizung sitzen, während das zugehörige Netz schon vor dem Ende ihrer Lebensdauer wirtschaftlich ausläuft.

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Kritik kurz vor der Gesetzesentscheidung

Brisant ist der Befund auch politisch, weil das neue Gesetz noch vor der Sommerpause durch den Bundestag gebracht werden soll. Laut Pressemitteilung bestätigen die neuen Berechnungen frühere Ergebnisse des Fraunhofer IFAM, wonach eine frühzeitig geplante Stilllegung von Gasnetzen Kosten dämpfen kann. Rechnet man das Modellnetz auf Deutschland hoch, könnten durch einen verzögerten Ausstieg laut Studie mehr als 50 Milliarden Euro zusätzliche Netzkosten bis 2045 entstehen.

Die Bundesregierung argumentiert bisher, dass eine kostengünstige Gasversorgung weiter möglich sei, wenn ausreichend Haushalte auf andere Heizformen umsteigen und so die Nachfrage nach Biogas begrenzt bleibe. Die neue Fraunhofer-Studie widerspricht genau dieser Annahme. Sie legt nahe, dass Biogas im Wärmemarkt nicht die Brücke in die Zukunft ist, als die es politisch teils dargestellt wird.


Verwendete Quellen:

Pressemitteilung von Umweltinstitut München und GasWende

Fraunhofer IFAM: "Ökonomische Bewertung der GGQ/Biotreppe aus Endverbrauchersicht – Zwischenergebnisse" (30.06.2026)

Stellungnahme des Umweltinstituts München zum Entwurf des Gebäude-Modernisierungs-Gesetzes

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