Günstig schlägt teuer
Öko-Test: Billig-Spülmittel putzt teure Marken-Produkte weg
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
Öko-Test und Stiftung Warentest im Vergleich
Videoclip • 01:35 Min • Ab 12
Nur wenige Handspülmittel überzeugen bei Ergiebigkeit und Reinigungsleistung – und ausgerechnet günstige Eigenmarken liegen vorne. Öko-Test hat 26 Produkte aus Supermärkten und Drogerien untersucht und dabei auch Umwelt- und Gesundheitsaspekte bewertet.
Das Wichtigste in Kürze
Öko-Test hat 26 Handgeschirrspülmittel im Labor und in Praxistests auf Reinigungsleistung, Ergiebigkeit und Inhaltsstoffe überprüft.
Sehr gut schnitten vor allem zwei Konzentrate ab, darunter das Ja! Ultra Power Spülmittelkonzentrat und das Sodasan Spülmittel Lemon & Lime.
Das Fit Original Spülmittel fällt wegen erhöhtem Formaldehydgehalt mit "mangelhaft" durch, während Umwelt- und Allergenbilanz insgesamt deutlich besser sind als noch vor einigen Jahren.
Öko-Test hat 26 Handgeschirrspülmittel aus Supermärkten und Drogerien unter die Lupe genommen. Im Test waren bekannte Marken wie Frosch und Pril sowie Eigenmarken von Kaufland, Lidl und anderen Ketten. Die Preisspanne lag zwischen 10 Cent und etwa 1,20 Euro pro 100 Milliliter. Bevorzugt wurden Originalvarianten oder Produkte mit Zitrusduft, darunter acht Konzentrate. Ziel des Tests: herausfinden, welche Mittel Schmutz effektiv entfernen und gleichzeitig Haut und Umwelt schonen.
Für die Ausgabe 04/2026 ließ Öko-Test die Spülmittel in spezialisierten Laboren untersuchen. Im Fokus standen allergene Duftstoffe, Isothiazolinone, chlorierte Verbindungen, Formaldehydabspalter und Bronopol. Zusätzlich wurden Kennzeichnung und Verpackung geprüft: etwa der UFI-Code, Hinweise zum sparsamen Gebrauch und der Einsatz von recyceltem Kunststoff in den Flaschen. Konzentrate mussten dabei strengere Anforderungen erfüllen.
Nur zwei Spülmittel überzeugen in der Praxis
In einem ersten Praxistest prüfte Öko-Test die Ergiebigkeit. Gezählt wurde, wie viele verschmutzte Teller mit einer standardisierten Spüllauge gereinigt werden konnten, bis das Mittel "erschöpft" war. Das beste Konzentrat schaffte fast die Maximalzahl von 50 Tellern. Bei den normalen Spülmitteln erreichten nur rund zwei Drittel die Bewertung "ergiebig" oder besser. "Weniger als die Hälfte der getesteten Spülmittel überzeugt in dieser Prüfung wirklich", fasst Öko-Test zusammen.
Der zweite Teil der Praxisprüfung drehte sich um die Reinigungsleistung. Eingebrannte Fettmischungen auf Edelstahlplatten mussten nach kurzem Einweichen mit einem Schwamm entfernt werden. Nur drei Produkte konnten den gesamten Schmutz lösen, die meisten Mittel erzielten nur "mäßige bis dürftige" Ergebnisse. Insgesamt erreichten lediglich zwei Konzentrate ein sehr gutes Ergebnis in der Praxisprüfung.
Überraschungs-Sieger aus dem Supermarkt
Zu den Gewinnern zählt laut Öko-Test überraschend das Ja! Ultra Power Spülmittelkonzentrat, eine günstige Rewe-Eigenmarke. Es überzeugte bei Ergiebigkeit und Reinigung. Ebenfalls sehr gut schneidet das Sodasan Spülmittel Lemon & Lime ab. Es punktete mit "sehr guten Inhaltsstoffen und einer guten Praxisleistung" und erhielt die Gesamtnote "sehr gut", so Öko-Test.
Neben den beiden Top-Produkten wurden zwölf weitere Spülmittel mit "gut" bewertet. Viele bekannte Marken kamen allerdings nicht an diese Bewertungen heran. "Gerade die bekannten Marken erreichen oft schlechtere Bewertungen", heißt es im Testbericht. Der Grund liegt häufig weniger in den Inhaltsstoffen als in der tatsächlichen Reinigungsleistung.
Ein Produkt fällt wegen Formaldehyd durch
Besonders schlecht schneidet das Fit Original Spülmittel ab. Es erhielt von Öko-Test die Note "mangelhaft". Im Labor sei "ein höherer Formaldehydgehalt nachgewiesen worden, als er bei abspülbarer Kosmetik erlaubt ist", kritisiert das Magazin. Da Spülmittel – ähnlich wie Duschgel – direkten Hautkontakt haben, bewertet Öko-Test solche Funde streng. Formaldehyd könne "über die Atemluft krebserregend wirken und Allergien auslösen", warnt das Verbrauchermagazin.
Positiv hebt Öko-Test hervor, dass sich die Rezepturen insgesamt verbessert haben. Im Vergleich zu einem früheren Test vor acht Jahren enthalten die meisten Produkte heute deutlich weniger problematische Konservierungsstoffe. Nur ein Produkt enthält noch Methylisothiazolinon (MIT) und wird dafür kritisiert.
Umweltbilanz: Wenig Kritik, aber noch Luft nach oben
Auch die Umweltverträglichkeit spielte eine Rolle. Bei vier Produkten gab es Abzüge, weil sie schwer abbaubare Tenside enthalten, die sich im Klärschlamm anreichern und die Umwelt belasten können. Insgesamt sieht Öko-Test hier aber Fortschritte: In vielen Flaschen steckt inzwischen recycelter Kunststoff, und zahlreiche Hersteller geben Hinweise zum sparsamen Gebrauch.
Das Fazit von Öko-Test: Gute Reinigungsleistung und verträgliche Inhaltsstoffe gibt es auch günstig. Wer seine Hände und die Umwelt schonen will, sollte genau hinschauen – und im Zweifel zu den getesteten "sehr guten" oder "guten" Produkten greifen.
Verwendete Quellen:
Öko-Test: "Spülmittel im Test: Nur 2 von 26 mit Bestnote"
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