Trotz Iran-Krise
Warum ist Gold plötzlich nicht mehr sicher?
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Gold- und Silberpreise im freien Fall
Videoclip • 01:13 Min • Ab 12
Gold gilt eigentlich als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Doch seit dem Iran-Krieg gilt diese Regel offenbar nicht mehr. Was dahinter steckt.
Das Wichtigste in Kürze
Der Goldpreis ist trotz des Iran-Kriegs innerhalb eines Monats um rund 12 Prozent gefallen.
Gründe sind vor allem Gewinnmitnahmen, Verkäufe von Notenbanken, und hoher Liquiditätsbedarf.
Expert:innen raten dennoch von Panikverkäufen ab.
Gold und Krise – das galt lange als feste Verbindung. Wenn es an den Börsen kracht oder politische Konflikte zunehmen, flüchten viele Anleger:innen traditionell in das Edelmetall. Aktuell ist die Lage jedoch anders. Trotz Krieg im Nahen Osten und Unsicherheit an den Finanzmärkten ist der Goldpreis deutlich gefallen. Innerhalb eines Monats hat Gold rund 12 Prozent an Wert verloren und liegt derzeit bei etwa 3.911,53 Euro je Feinunze. Warum funktioniert der "sichere Hafen" plötzlich nicht mehr wie gewohnt?
Gold-Rally ist erstmal vorbei
Gold hatte zuvor eine starke Rally hingelegt. Im vergangenen Jahr stieg der Preis um 35,7 Prozent. Nun kommt es zu einer Gegenbewegung. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski erklärt in der "Bild", derzeit gebe es "Gewinnmitnahmen von Investoren, aber auch Verkäufe durch Notenbanken". Gemeint sind unter anderem Länder wie die Türkei sowie Staaten aus dem Nahen Osten, die vom Iran-Krieg betroffen sind und die zuletzt Teile ihrer Goldreserven verkauft haben. Diese zusätzlichen Mengen am Markt drücken auf den Preis.
"Liquidität schlägt Sicherheit"
In unsicheren Zeiten brauchen viele Marktteilnehmer:innen vor allem eines: Bargeld. Edelmetallexperte Tim Schieferstein fasst in "Bild" zusammen: "Liquidität schlägt Sicherheit." Das bedeutet: Es wird auch das verkauft, was sich schnell zu Geld machen lässt – darunter eben auch Gold. So entsteht Verkaufsdruck, obwohl Gold eigentlich als Schutz in Krisen gilt.
Hinzu kommt eine veränderte Rolle des Edelmetalls an den Märkten. Kapitalmarktstratege Christian W. Röhl sagt dem Blatt: "Gold war in den letzten Monaten kein Sicherheitsanker, sondern ein veritabler Momentum-Trade." Viele Anleger:innen seien also eher dem Trend gefolgt, statt aus Sicherheitsgründen zu kaufen. Bleiben neue Käufer:innen aus, könne es "sehr schnell zu einer Trendwende" kommen. Gleichzeitig machen hohe Zinsen andere Anlageformen attraktiver. Da Gold selbst keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden bringt, verliert es im Vergleich an Reiz.
Kurzfristig volatil, langfristig Absicherung
Wie es mit dem Goldpreis weitergeht, hängt stark von der weiteren Entwicklung an den Börsen und im Nahost-Konflikt ab. "Kurzfristig sind weitere Rücksetzer möglich – mit einem dauerhaften Absturz ist nicht zu rechnen", sagt Schieferstein. Doch er warnt auch: "Panikverkäufe sind in solchen Phasen nicht sinnvoll."
Auch Röhl sieht Risiken für die kommenden Wochen: "Wenn die Lage am Golf weiter eskaliert und es auch an den Aktien- und Anleihemärkten zu stärkeren Kurseinbrüchen kommt, könnte auch Gold kurzfristig darunter leiden." Das heißt: Der Preis kann weiter fallen, muss es aber nicht. Für Anleger:innen bleibt die Situation damit unsicher. ING-Ökonom Brzeski mahnt, dass "Anleger sich wirklich langfristig orientieren sollten". Gold sei kein Instrument für kurzfristige Spekulation, sondern eher ein Baustein für die langfristige Absicherung.
Expert:innen raten: Nicht in Panik verfallen
Viele Privatanleger:innen stehen nun vor der Frage: Aussteigen oder dabeibleiben? Die Expert:innen sind sich einig, dass überstürzte Entscheidungen keine gute Idee sind. "Wer Gold im Portfolio hat (egal ob physisch oder über Wertpapiere), sollte vor allem nicht in Panik verfallen, sondern noch einmal die Gründe reflektieren", rät Röhl in der "Bild". Wer Gold vor allem als Versicherung gegen extreme Krisen oder Inflation gekauft hat, sollte diesen langfristigen Blick behalten. Und auch Schieferstein betont: Panikverkäufe sind selten sinnvoll.
Verwendete Quellen:
Bild: "Kein Krisenanker mehr? Warum Gold plötzlich fällt"
Nachrichtenagentur dpa
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