Mögliches Kriegsende

Wegen Trump: Israel ändert Iran-Taktik

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

:newstime

Bereitet Trump den finalen Schlag vor?

Videoclip • 01:21 Min • Ab 12


- Anzeige -
- Anzeige -

US-Präsident Trump drängt wohl auf ein schnelles Ende des Iran-Kriegs. Israel, das einen Regimewechsel in Teheran anstrebte, muss seine Ziele laut einem Medienbericht nun zwangsläufig anpassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Israel verlagert laut "Wall Street Journal" ihren Schwerpunkt im Iran-Krieg von einem möglichen Regimewechsel hin zur systematischen Zerstörung militärischer Fähigkeiten.

  • Grund soll das angestrebte baldige Kriegsende durch US-Präsident Trump sein.

  • Die Golfstaaten fürchten in diesem Fall ein Worst-Case-Szenario.

Israel gibt Hoffnung auf Regimewechsel auf

Israel hat nach einem Bericht des US-Magazins "Wall Street Journal" (WSJ) den Schwerpunkt seiner Luftangriffe im Iran verändert. Demnach geht die Regierung von Benjamin Netanjahu davon aus, dass sich das Ende des Krieges nähert – und damit auch die Hoffnung auf einen Regimewechsel in Teheran schwindet. Stattdessen rücken nun erneut konkrete militärische Ziele in den Vordergrund, um die Fähigkeiten des Iran möglichst dauerhaft zu schwächen.

Seit dem 28. Februar sollen die USA und Israel laut WSJ rund 18.000 Ziele im Iran angegriffen haben. Zunächst seien wichtige Teile der iranischen Führung getroffen worden, anschließend rückten Stützpunkte der Sicherheitskräfte in den Fokus. Dem Bericht zufolge wurden Flughäfen, Flugzeuge, Häfen, Schiffe, Waffenlager und Rüstungsfabriken bombardiert, ebenso Standorte des iranischen Atomprogramms. Einige Ziele würden nun erneut attackiert, um den Schaden weiter zu erhöhen.

Trump drängt auf baldiges Kriegsende

In Jerusalem wächst laut WSJ die Überzeugung, dass die US-Regierung ein rasches Ende des Konflikts anstrebt. Der Iran-Krieg sei in der US-Öffentlichkeit unpopulär, heißt es in dem Bericht. Mit der US-Politik vertraute Quellen bestätigen dem Magazin, dass Washington ein baldiges Kriegsende im Blick habe.

US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach erklärt, die USA hätten im Iran "nahezu alle Ziele" erreicht und "schon längst gewonnen". Es fehle nur noch eine Einigung mit Teheran. Konkrete Verhandlungen sind jedoch nicht erkennbar. Nach Angaben des WSJ tauschen Washington und Teheran derzeit nur über Vermittler Nachrichten aus, direkte Gespräche fänden nicht statt.

Für Israel bedeutet das nach Einschätzung des Magazins: Bis zum Ende des Krieges soll so viel militärische Kapazität des Iran wie möglich zerschlagen werden. Das US-Zentralkommando teilte demnach mit, die USA und Israel hätten einen Großteil der Anlagen, mit denen der Iran Raketen, Drohnen und Kriegsschiffe produziere, schwer beschädigt oder zerstört.

- Anzeige -
- Anzeige -

"Sehr systematisch und akribisch"

Der Iran-Experte Farzin Nadimi vom Thinktank Washington Institute beschreibt die neue Linie in deutlichen Worten. Das WSJ zitiert ihn so:

"Es sieht so aus, als würde sich der Fokus von einer Operation, die darauf abzielt, das Regime zu destabilisieren und aus dem Gleichgewicht zu bringen, hin zu einer Operation verlagern, die diese Gelegenheit nutzt, um die militärischen Fähigkeiten des Iran zu schwächen, bevor sie den Vorhang fallen lassen."

Nadimi betont laut WSJ außerdem, fast jede ihm bekannte Fabrik des iranischen militärisch-industriellen Komplexes sei getroffen worden, "die meisten davon mindestens zweimal". In dieser Hinsicht gingen USA und Israel "sehr systematisch und akribisch" vor.

Israelische Sicherheitsbeamte bewerten die Angriffe dem Bericht zufolge als Erfolg – selbst dann, wenn sie jetzt enden würden. Dennoch gibt es Zweifel: Einige ehemalige hochrangige israelische Sicherheitsvertreter:innen zeigen sich laut WSJ deutlich skeptischer.

Golfstaaten fürchten rasches Kriegsende

Denn wichtige politische Ziele seien bislang nicht erreicht. Dem Bericht nach hat der Iran bislang nicht zugestimmt, die Urananreicherung zu stoppen oder Bestände an hoch angereichertem Uran abzugeben. Auch Einschränkungen beim Arsenal an ballistischen Raketen oder bei der Finanzierung verbündeter Milizen im Nahen Osten habe Teheran nicht akzeptiert.

Zusätzlich wächst die Sorge in den arabischen Golfstaaten. Länder, die während des Krieges selbst vom Iran beschossen wurden, fürchten laut WSJ, dass ein rasches Kriegsende die Kontrolle Teherans über die strategisch wichtige Straße von Hormus stärken könnte. Dadurch könnte der Iran stärkeren Einfluss auf die Energieindustrie gewinnen, die für diese Staaten lebenswichtig ist.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken