Wirtschaftsader
Straße von Hormus: Wie eine Meerenge die ganze Welt erpressbar macht
Aktualisiert:
von Michael Reimers:newstime
Was passiert, wenn Iran die Straße von Hormus vermint?
Videoclip • 01:17 Min • Ab 12
Im aktuellen Iran-Krieg zeigt sich: Die Straße von Hormus ist die verwundbarste Ader der globalen Wirtschaft – und Deutschland ist direkt betroffen. Wieso die Meerenge so wichtig für die ganze Welt ist.
Das Wichtigste in Kürze
Durch die Straße von Hormus fließen 30 Prozent des globalen Öltransports.
Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Schiffsverkehr um 90 Prozent eingebrochen.
Auch Deutschland spürt die Folgen über steigende Energiepreise.
Die Straße von Hormus ist mehr als nur eine Meerenge. Sie ist die Lebensader der Weltwirtschaft – und aktuell eine der gefährlichsten Wasserstraßen des Planeten.
An ihrer engsten Stelle misst die Passage zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman gerade einmal 50 Kilometer. Die schiffbaren Kanäle in beide Richtungen: nur etwa drei Kilometer breit. Was macht aber diese Meerenge so wertvoll für den gesamten Globus? Ein Überblick.
Essenziell für Energiesektor
Durch dieses maritime Nadelöhr fließt ein erheblicher Teil der globalen Energieversorgung:
30 Prozent des weltweiten Öltransports – rund 20 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl pro Tag, etwa ein Fünftel des weltweiten Bedarfs
20 Prozent des globalen Flüssiggashandels
Der Großteil davon geht nach China, Indien und andere asiatische Länder.
"Jede Unterbrechung der Ströme durch die Meerenge hätte erhebliche Auswirkungen auf die Weltölmärkte", warnt die Internationale Energie-Agentur (IEA).
Auch in den News:
Kriegsschauplatz statt Handelsroute
Seit Beginn des Iran-Kriegs vor rund zweieinhalb Wochen ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge praktisch zum Erliegen gekommen. Die iranischen Revolutionsgarden haben den Schiffsverkehr massiv eingeschränkt und drohen offen mit Angriffen.
"Wir werden niemals zulassen, dass auch nur ein Liter Öl zugunsten der USA, der Zionisten und ihrer Partner durch die Straße von Hormus transportiert wird", erklärte ein Militärsprecher des iranischen Hauptquartiers. Mehrere Schiffe wurden bereits unter Beschuss genommen, ein Containerschiff von einem Geschoss getroffen, was ein Feuer im Maschinenraum auslöste.
Nach Einschätzung von US-Kriegsbeobachter:innen ist der Schiffsverkehr um etwa 90 Prozent zurückgegangen. Mindestens 25 Schiffe sitzen in den Gewässern des Persischen Golfs fest, darunter zwei Kreuzfahrtschiffe mit zusammen etwa 7.000 Passagier:innen an Bord.
Warum Deutschland betroffen ist
"Obwohl deutsche Ölimporte nicht direkt über die Straße von Hormus kommen, wäre eine Blockade über den Weltmarktmechanismus spürbar", betonte Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.
Besonders betroffen wären:
die chemische Industrie
der Transportsektor
die Verbraucher:innen über steigende Spritpreise
Eine neue Verwundbarkeit gibt es beim Flüssiggas: Deutschland deckt seit dem Verzicht auf russisches Gas einen kleinen Teil seines Bedarfs mit Flüssiggas aus Katar – das durch die Straße von Hormus transportiert wird.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat simuliert, dass höhere Ölpreise auch in Deutschland zweistellige Milliardenschäden anrichten könnten. Als Reaktion will Deutschland der IEA-Bitte nachkommen und 19,51 Millionen Barrel aus strategischen Ölreserven freigeben.
Keine echten Alternativen
Es gibt zwar Pipelines, etwa durch Saudi-Arabien zum Roten Meer und eine der Vereinigten Arabischen Emirate zum Golf von Oman. Doch diese könnten laut IEA im Fall einer Blockade nur etwa ein Viertel der durchschnittlichen Ölmenge aufnehmen, die sonst in Tankern den Golf verlassen würde.
"Die schiere Menge an Öl, die über die Straße von Hormus exportiert wird, und die begrenzten Möglichkeiten, sie zu umgehen, bedeuten, dass jede Unterbrechung der Ölströme enorme Folgen für die weltweiten Ölmärkte hätte", warnt die IEA.
Mehr zum Iran-Krieg:
Internationale Bemühungen – und deutsche Zurückhaltung
Die G7-Staaten wollen die Straße von Hormus wieder für die Handelsschifffahrt befahrbar machen, indem sie Öltanker und Frachtschiffe von Kriegsschiffen begleiten lassen. Doch die Umsetzung ist komplex und umstritten.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat einer deutschen militärischen Beteiligung eine klare Absage erteilt. Solange der Krieg andauere, werde sich Deutschland nicht daran beteiligen, in der Straße von Hormus mit militärischen Mitteln eine freie Schifffahrt zu gewährleisten. Die NATO sei ein Verteidigungsbündnis und kein Interventionsbündnis, betonte Merz.
Auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) sieht "für diese Frage einer sicheren Passage durch die Straße von Hormus am Ende des Tages nur eine diplomatische Lösung und keine militärische".
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron arbeitet zwar an einer Initiative zum Geleit von Schiffen, betonte aber: "Frankreich wird im aktuellen Kontext niemals an einer Operation zur Öffnung oder Befreiung der Straße von Hormus teilnehmen". Dies könne erst geschehen, wenn die Bombardierungen weitestgehend vorbei seien.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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