Zwei-Klassen-Altersvorsorge

Warum Pensionen deutlich höher sind als Renten

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

:newstime

Umfrage: Deutsche glauben nicht an Rente

Videoclip • 01:11 Min • Ab 12


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Beamte bekommen im Ruhestand im Schnitt deutlich mehr Geld als Rentner:innen. Zahlen des Statistischen Bundesamts und unterschiedliche Berechnungssysteme zeigen, wie groß die Lücke wirklich ist – und was das für die soziale Gerechtigkeit bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Durchschnittliche Pensionen liegen mit rund 3.170 Euro deutlich über den durchschnittlichen Renten von etwa 1.600 Euro bei Vollerwerbsbiografien.

  • Ursache sind unterschiedliche Systeme: Renten ersetzen etwa 48 Prozent des Einkommens, Pensionen bis rund 71,75 Prozent des letzten Gehalts.

  • Die wachsenden Pensionskosten belasten die öffentlichen Haushalte, eine echte Reform der Beamtenversorgung gilt jedoch als politisch kaum durchsetzbar.

Im Januar 2022 lag die durchschnittliche Pension für Beamt:innen in Deutschland bei 3.170 Euro brutto im Monat, so das Statistische Bundesamt. Ein Jahr zuvor waren es 3.160 Euro. Entscheidend ist der Dienstgrad: Im mittleren und einfachen Dienst erhielten Pensionär:innen im Schnitt 2.318 Euro, im gehobenen Dienst 3.339 Euro und im höheren Dienst sogar 4.973 Euro – jeweils vor Steuern und Krankenversicherungsbeiträgen.

Auch zwischen Männern und Frauen gibt es deutliche Unterschiede. 2022 bekamen männliche Pensionäre im Schnitt 3.320 Euro brutto, Pensionärinnen nur 2.840 Euro. Die Lücke von etwa 17 Prozent wird vor allem mit Teilzeit und kürzeren Erwerbsbiografien von Frauen erklärt.

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Renten deutlich niedriger als Pensionen

Ganz anders sieht es bei der gesetzlichen Rente aus. Wer 45 Jahre gearbeitet hat und 2021 in Rente ging, bekam im Schnitt etwa 1.600 Euro brutto monatlich. Viele erreichen diese 45 Beitragsjahre aber gar nicht. Nach Abzügen müssen zahlreiche Rentner:innen mit weniger als 1.000 Euro auskommen.

Frauen erhielten im Durchschnitt 856,05 Euro netto, Männer 1.203,53 Euro. In den alten Bundesländern war die Kluft besonders groß: Männer kamen dort auf 1.218 Euro, Frauen nur auf 809 Euro. Die Folge: Ein großer Teil der Rentner:innen ist von Altersarmut bedroht, während viele Beamt:innen vergleichsweise komfortabel leben.

Unterschiedliche Systeme, unterschiedliche Ergebnisse

Der Kern des Problems liegt in den Berechnungsregeln. Die gesetzliche Rente basiert auf Entgeltpunkten, die man im Laufe des Arbeitslebens sammelt. Das Rentenniveau liegt derzeit bei etwa 48 Prozent des durchschnittlichen Erwerbseinkommens.

Beamte beziehen ihre Altersversorgung hingegen direkt vom Staat. Je nach Dienstzeit und Laufbahn erhalten sie etwa 67 bis maximal rund 71,75 Prozent ihres letzten Gehalts als Pension. Da viele Beamt:innen nicht im Niedriglohnsektor gearbeitet haben, fallen die Beträge entsprechend höher aus. Finanziert wird das nicht aus Beiträgen, sondern aus Steuermitteln.

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Milliardenkosten für den Staat

Die Pensionslasten sind erheblich. 2022 erhielten Pensionär:innen im Schnitt 3.240 Euro pro Monat. Insgesamt zahlte der Staat rund 53,4 Milliarden Euro für Pensionen plus 8,4 Milliarden Euro für Hinterbliebenenversorgung. Zusammen entspricht das etwa 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Weil die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, werden diese Kosten weiter steigen. Besonders Bundesländer und Kommunen stehen unter Druck, da sie oft keine ausreichenden Rücklagen gebildet haben. Der Bund hat zwar einen Pensionsfonds eingerichtet, der kann den Anstieg aber nur abmildern.

Politisch heikles Thema

Eine Angleichung von Renten und Pensionen gilt als politisch extrem schwierig. Eine solche Reform würde Milliarden kosten – und träfe auch viele Entscheidungsträger:innen, die selbst pensionsberechtigt sind. Stattdessen werden eher kleinere Stellschrauben diskutiert, etwa höheres Pensionseintrittsalter oder geringere Versorgungssätze. Für Arbeitnehmer:innen ohne Beamtenstatus bedeutet das: Die Kluft zwischen Rente und Pension dürfte bestehen bleiben. Wer im Alter mehr als das Existenzminimum möchte, muss zusätzlich privat vorsorgen – etwa über betriebliche Vorsorge, geförderte Produkte oder eigene Geldanlagen.


Verwendete Quellen:

Statistisches Bundesamt

Business Punk: "Pension: Warum Beamte im Alter viel mehr kassieren als Rentner"

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