Winter-Spekulationen

Droht uns ein langer Winter? Diese Bauernregel macht stutzig

Aktualisiert:

von Nadine von Parseval

Sat.1 NRW

Herbstzeit heißt Einbruchszeit: Wie kann man sich am besten schützen?

Videoclip • 02:32 Min


Zahlreiche Bäume haben ihr Herbstlaub noch nicht vollständig abgeworfen. Eine bekannte Bauernregel sieht darin ein schlechtes Zeichen für die kommenden Wintermonate. Doch lässt sich daraus tatsächlich eine Wetterprognose ableiten?

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Blattfall verzögert sich im Herbst 2026 offenbar gegenüber dem langjährigen Durchschnitt.

  • Eine alte Bauernregel verbindet spät fallendes Laub mit einem langen Winter.

  • Wissenschaftlich lässt sich aus dem Zeitpunkt des Blattfalls keine verlässliche Winterprognose ableiten.

Der November ist da, doch an vielen Bäumen hängen noch immer zahlreiche Blätter. Eigentlich sollten sich die Laubbäume allmählich auf ihre winterliche Ruhephase vorbereiten. In diesem Jahr scheint sich die Natur damit allerdings etwas mehr Zeit zu lassen. Das könnte nach einer alten Bauernregel unangenehme Folgen haben. Denn die besagt: "Hängt das Laub bis in den November hinein, wird der Winter lange sein."

Stehen uns also besonders viele kalte Winterwochen bevor? Tatsächlich zeigen Beobachtungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), dass sich die herbstliche Blattverfärbung 2026 verzögert hat. Ob das allerdings etwas über den kommenden Winter aussagt, ist eine andere Frage.

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Auch Anfang November tragen viele Bäume noch ihr Herbstlaub. Eine alte Bauernregel sieht darin einen Hinweis auf einen langen Winter.

Bild: Helmut Fricke/dpa


DWD beobachtet verspätete Blattverfärbung

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war die Blattverfärbung der Stieleiche Mitte Oktober noch nicht vollständig abgeschlossen. Im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2025 endet diese Phase normalerweise um den 19. Oktober.

Auch beim anschließenden Blattfall rechneten die Wetterexpert:innen deshalb mit einer Verzögerung. Ein möglicher Grund: Im bisherigen Herbst gab es vergleichsweise wenige kalte Nächte. Denn wie schnell sich die Blätter verfärben und schließlich abfallen, hängt nicht nur von der Jahreszeit ab. Auch die Witterung spielt eine entscheidende Rolle.


Warum verlieren Bäume im Herbst ihre Blätter?

Für Laubbäume ist der Blattfall eine wichtige Schutzmaßnahme. Sobald die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, verändert sich ihr Stoffwechsel. Die Blätter benötigen Sonnenlicht, um durch Fotosynthese Energie zu gewinnen. Im Winter steht davon deutlich weniger zur Verfügung. Gleichzeitig verdunstet über die Blattoberflächen Wasser, das bei gefrorenem Boden nur schwer ersetzt werden kann.

Um sich darauf vorzubereiten, bauen die Bäume den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll ab und ziehen wichtige Nährstoffe zurück. Dadurch werden andere Farbstoffe sichtbar, die das Laub gelb, orange oder rot erscheinen lassen. Schließlich bildet sich zwischen Blatt und Zweig eine Trennschicht. Die Verbindung löst sich, und das Blatt fällt zu Boden.


Mildes Herbstwetter kann Blattfall verzögern

Wann die Bäume ihr Laub verlieren, wird vor allem durch die kürzer werdenden Tage beeinflusst. Sie sind für die Pflanzen ein zuverlässiges Signal, dass der Winter näher rückt. Zusätzlich wirken sich die Temperaturen auf den Ablauf aus. Während milde Herbstnächte die Blattalterung hinauszögern können, beschleunigen mehrere kalte Nächte häufig die Verfärbung.

Auch längere Trockenperioden haben Einfluss. Sie können dazu führen, dass Blätter früher altern und abgeworfen werden. Ein später Blattfall ist deshalb nicht automatisch ungewöhnlich. Er kann schlicht eine Folge der Witterungsverhältnisse der vergangenen Wochen sein.

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Bauernregel: Bedeutet spätes Laub einen langen Winter?

So einprägsam die alte Wetterweisheit auch klingt: Einen wissenschaftlichen Beleg für ihren Zusammenhang mit der Dauer des Winters gibt es nicht. Bäume reagieren auf die Bedingungen, denen sie bereits ausgesetzt waren oder aktuell ausgesetzt sind. Wie sich das Wetter in den kommenden Monaten entwickelt, können sie dagegen nicht vorhersagen.

Ein vergleichsweise warmer Oktober kann dafür sorgen, dass die Blätter länger an den Zweigen bleiben. Daraus lässt sich aber weder auf einen besonders strengen noch auf einen außergewöhnlich milden Winter schließen. Entscheidend für das Winterwetter sind großräumige atmosphärische Entwicklungen. Diese lassen sich nicht am Zustand des Herbstlaubs ablesen.


Klimawandel beeinflusst den Rhythmus der Bäume

Langfristig könnte sich der Zeitpunkt des Blattfalls allerdings verändern. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass steigende Temperaturen die Blattalterung bei vielen Laubbaumarten verzögern können. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt unter anderem von der Baumart und den jeweiligen Wetterbedingungen ab.

Dass Anfang November noch zahlreiche Blätter an den Bäumen hängen, ist somit kein verlässliches Warnsignal für einen langen Winter. Es zeigt vielmehr, wie die Natur auf die bisherigen Bedingungen des Herbstes reagiert.



Verwendete Quellen:

daswetter.com: ""Hängt das Laub bis in den November hinein, wird der Winter lange sein": Droht uns nun ein langer Winter?"

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