Zweite Insolvenz des Unternehmens

Jung Papier GmbH stellt erneut Insolvenzantrag in Düsseldorf

Veröffentlicht:

von Jacqueline Bittl

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Insolvenz: Was bedeutet das für Unternehmen?

Videoclip • 01:15 Min • Ab 12


Steigende Kosten, ausbleibende Investoren: Der frühere Hakle-Produzent Jung Papier GmbH ist wieder zahlungsunfähig. Wie es für das Werk in Düsseldorf und seine 155 Beschäftigten weitergehen könnte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Düsseldorfer Toilettenpapier-Hersteller Jung Papier hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre Insolvenz angemeldet. Als Gründe nennt das Unternehmen steigende Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal.

  • Weil Gespräche mit internationalen Investoren bislang erfolglos geblieben seien, wolle es sich nun in Eigenverwaltung sanieren.

  • Die Produktion solle weiterlaufen, und die Löhne der 155 Beschäftigten seien laut Unternehmen bis einschließlich Januar 2027 über Insolvenzgeld vorfinanziert.

Der Toilettenpapier-Hersteller Jung Papier GmbH, der früher unter dem Namen Hakle bekannt war, hat nach Berichten von "T-Online" unter Berufung auf die "Lebensmittel Zeitung" (LZ) einen Insolvenzantrag gestellt. Wie "T-Online" berichtet, beruft sich die Fachzeitung auf ein Schreiben an Geschäftspartner, das Inhaber Volker Jung unterzeichnet haben soll. Auch die "Lebensmittel Praxis" berichtet über den Schritt. Demnach habe das Unternehmen das Verfahren beim Amtsgericht Düsseldorf beantragt und das Gericht habe dem Antrag stattgegeben. Es ist die zweite Insolvenz des Unternehmens innerhalb weniger Jahre.

Auch in den News:

Grund für die erneute Insolvenz: Hohe Kosten und ein Ausfall bei den Zulieferern

Als Ursache nenne Jung Papier GmbH die stark gestiegenen Ausgaben für Energie, Rohstoffe und Personal. Sie belasteten die kapitalintensive Produktion erheblich. Zusätzlich habe die Pleite eines Papiermaschinen-Herstellers das Unternehmen getroffen, heißt es in der Mitteilung. Gespräche mit internationalen Investoren hätten bislang keinen Durchbruch gebracht. Deshalb wolle die Firma ihre Sanierungsmaßnahmen nun in einem gerichtlichen Verfahren in Eigenverwaltung umsetzen.

Wie geht es bei der Jung Papier GmbH nun weiter?

Der Betrieb laufe nach Firmenangaben uneingeschränkt weiter und sei auf absehbare Zeit durchfinanziert. Die Löhne und Gehälter der 155 Beschäftigten seien über das Insolvenzgeld bis einschließlich Januar 2027 vorfinanziert. Dieses Geld zahlt die Bundesagentur für Arbeit für bis zu drei Monate, wenn ein Arbeitgeber zahlungsunfähig ist.

Jung Papier will die Gespräche mit Investoren fortsetzen und den Verkaufsprozess auch für weitere Interessenten öffnen. "Die Eigenverwaltung gibt uns die Möglichkeit, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Gespräche mit Investoren gezielt fortzuführen. Unser Ziel ist es, für den Standort, unsere Beschäftigten und unsere Kunden eine langfristige Perspektive zu schaffen", zitiert die "Lebensmittel Praxis" den Geschäftsführer.


Vom Traditionsnamen zur Handelsmarke – doch der Umsatz lässt zu wünschen übrig

Die Vorgeschichte reicht bis ins Jahr 2022. Damals meldete die Hakle GmbH erstmals Insolvenz in Eigenverwaltung an. Die Rettung gelang 2023: Der italienische Hygienepapierkonzern Sofidel übernahm die Gesellschaft mit den Markenrechten, darunter Hakle und "Dick & Durstig". Das Werk in Düsseldorf-Reisholz machte unter neuem Namen und mit derselben Geschäftsführung weiter. Bis Ende 2024 war es mit Aufträgen von Sofidel ausgelastet, damals arbeiteten dort rund 200 Menschen. Danach verlagerte Sofidel die Hakle-Produktion in eigene Werke.

Die Marke hat Geschichte: Hakle brachte 1928 als erster Hersteller in Deutschland Toilettenpapier auf Rollen auf den Markt. 1977 folgte mit "Hakle Feucht" das erste feuchte Toilettenpapier des Landes.

Seit der Trennung von Hakle produziert Jung Papier laut "T-Online" unter Berufung auf Angaben der "LZ" vor allem Handelsmarken, also Produkte, die Supermärkte und Drogerien unter eigenem Namen verkaufen. Das Sortiment reicht von Toilettenpapier über Küchenrollen und Taschentücher bis zu feuchtem Toilettenpapier. Dazu kommen sogenannte Mutterrollen, große Papierrollen, die andere Firmen weiterverarbeiten. Die eigene Marke "The Papermakers" habe sich nach Unternehmensangaben in den vergangenen drei Jahren im Handel etabliert. Die "LZ" hingegen schreibt, sie tauche vor allem bei Aktionsangeboten auf und habe sich nicht in der Breite durchgesetzt.

Auch die Zahlen blieben hinter den Plänen zurück. Nach der Sanierung peilte das Unternehmen rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz an. Laut dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss 2024 waren es 67,5 Millionen Euro, bei einem Verlust von knapp 320.000 Euro. Für 2025 nennt Jung Papier einen vorläufigen Umsatz von rund 70 Millionen Euro.

Mit dem Kostendruck steht Jung Papier nicht allein. Auch größere Hersteller klagen darüber, und die gesamte Branche leidet laut "T-Online" unter Überkapazitäten. Ob sich Investor:innen finden, die das Düsseldorfer Werk und seine 155 Arbeitsplätze langfristig sichern, ist offen.


Verwendete Quellen:

T-Online: "Toilettenpapierhersteller erneut insolvent"

Lebensmittel Praxis: "Jung Papier beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung"

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