Britisches Königshaus
König Charles' dunkles Erbe: In der Karibik wird der Monarch mit dem Sklavenhandel konfrontiert
Veröffentlicht:
von Christopher Schmitt:newstime
Dianas Bruder packt über König Charles aus (17. September)
Videoclip • 59 Sek • Ab 12
König Charles III. wird beim Commonwealth-Gipfel in der Karibik auch über die Schuld Großbritanniens beim Sklavenhandel sprechen. Ob er sich auch entschuldigen wird?
Das Wichtigste in Kürze
Bis heute ist die Vergangenheit zwischen den karibischen Staaten und dem Vereinigten Königreich durch den Sklavenhandel belastet.
Beim Commonwealth-Gipfel in St. John's auf Antigua und Barbuda soll König Charles III. zum Thema sprechen.
Anteilnahme von Seiten des Königs ist sicher, über eine Entschuldigung und mögliche Reparationen wird heftig gestritten.
Auf den Straßen von Nassau tanzte König Charles III. mit Kuhglocken in der Hand – das Bild hätte heiterer kaum sein können. Aber es konterkariert den Grund der Reise: die offene Wunde des britischen Sklavenhandels, die nach fast 220 Jahren noch immer nicht verheilt ist.
Auch in den News:
Drei Millionen Verschleppte – eine Schuld ohne Begleichung
Die Zahlen sind bestürzend. Zwischen 1640 und 1807 wurden Schätzungen zufolge rund drei Millionen Afrikaner:innen auf englischen Schiffen in die Karibik, nach Nord- und Südamerika sowie in andere Länder transportiert. Wohl nur etwa 2,7 Millionen erreichten ihr Ziel – der Rest starb auf See. Besonders im 18. Jahrhundert dominierte Großbritannien diesen menschenverachtenden Handel. Der Sklavenhandel aus Afrika wurde im damaligen Britischen Empire erst ab dem 1. Mai 1807 verboten; die Sklaverei in den Kolonien selbst endete sogar erst 1834.
Historisch belegt ist auch, dass die britische Krone tief in dieses System verstrickt war: König Charles II. half im 17. Jahrhundert bei der Gründung der Royal African Company, die fast 200.000 versklavte Afrikaner:innen in britische Kolonien brachte. Wenige Jahrzehnte später erhielt König Wilhelm von Oranien Anteile an eben diesem Unternehmen vom Sklavenhändler Edward Colston.
Unter anderem besuchten König Charles und Königin Camilla im Rahmen ihrer Karibikreise ein Stadion in Saint George auf Antigua and Barbuda.
Bild: via REUTERS
Charles III.: Trauer ja – Entschuldigung nein
Beim Commonwealth-Gipfel in St. John's auf Antigua und Barbuda sollte der König am Dienstag (3. November) mit "schonungsloser Ehrlichkeit" und "aufrichtiger Trauer" über das anhaltende Leid des transatlantischen Sklavenhandels sprechen – so kündigte es der Palast an. Eine formelle Entschuldigung war jedoch nicht geplant. Die Begründung: Es wäre "nicht angemessen", wenn der König als Commonwealth-Oberhaupt zu spezifischen politischen Fragen Stellung nähme, die die Haltung der britischen Regierung berühren.
Zu Beginn seiner Reise hatte Charles in Nassau erklärt, es sei folgerichtig, "das große Leid und die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit auf diesen Inseln und darüber hinaus anzuerkennen". Guyanas Präsident Irfaan Ali würdigte das zwar als Anerkennung der "dunkelsten Tage der Menschheitsgeschichte" – betonte aber zugleich, eine Entschuldigung müsse der nächste Schritt sein.
An den Rändern der Paraden in Nassau sprachen die Protestplakate eine deutlichere Sprache: "Zahle, was Du uns schuldest" und "Bedauern ist nicht genug" war dort zu lesen.
Burnham öffnet die Tür einen Spalt
Premierminister Andy Burnham signalisierte beim Gipfel einen möglichen Kurswechsel. Er schrieb im "Guardian", die Bereitschaft zuzuhören, wenn Betroffene eine offizielle Entschuldigung forderten, sei Teil eines strukturierten Dialogs, und er sei dafür offen. Sein Finanzminister John Healey betonte jedoch, dass die Erwägung einer Entschuldigung keineswegs bedeute, dass die Briten von heute die finanzielle Verantwortung für Jahrhunderte zurückliegende Ereignisse übernehmen sollten. Reparationen lehnte Burnham – wie alle seine Vorgänger:innen – ausdrücklich ab.
Opposition fragt provokativ nach
Scharfe Kritik an Burnhams vorsichtiger Öffnung kam von Oppositionsführerin Kemi Badenoch. Sie warnte, bereits eine Entschuldigung würde Forderungen nach Geldzahlungen legitimieren. Sklaverei, so Badenoch, sei ein Unrecht gewesen, an dem Menschen aus allen Kontinenten beteiligt gewesen seien. Sie fragte provokativ, ob karibische Staaten dann auch von Nachfahren afrikanischer Königreiche und Händler eine Entschuldigung verlangen würden. Sollte jeder Commonwealth-Gipfel zu einer Plattform für Forderungen an Großbritannien werden, müsse man den Sinn des Formats hinterfragen, schrieb Badenoch.
Barbados: Worte reichen nicht aus
Die karibische Gemeinschaft Caricom drängt seit Jahren auf Reparationen. Barbados' Regierungschefin Mia Amor Mottley begrüßte Burnhams Worte als Schritt auf einer gemeinsamen Grundlage, machte aber klar: Das Thema Wiedergutmachung bleibe auf der Agenda. Dabei hat die internationale Debatte längst eine neue Dimension erreicht: UN-Expert:innen forderten erst im vergangenen Jahr, Staaten, die am Sklavenhandel beteiligt waren oder davon profitierten, müssten Restitution, Entschädigung und Rehabilitation leisten.
Niederlande als Vorbild fürs Königreich?
Wie eine offizielle Aufarbeitung aussehen kann, zeigt das Nachbarland: Die Niederlande entschuldigten sich 2022 offiziell für die Versklavung von schätzungsweise 600.000 Menschen. König Willem-Alexander bat 2023 persönlich um Vergebung – und bezeichnete Sklaverei als die "am meisten erniedrigende und menschenunwürdige" Form der Unfreiheit. Eine neue Studie, die im Oktober 2026 präsentiert wurde, belegte zudem, dass das Haus Oranien-Nassau fast 576 Millionen Euro am Kolonialismus verdient hatte. König Willem-Alexander nannte die Ergebnisse "erschütternd und konfrontierend".
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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