"Kampagne gefahren"
Bas greift nach Rücktritt Merz und die SPD an
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Bärbel Bas rechnet mit Merz ab
Videoclip • 01:15 Min • Ab 12
Bärbel Bas hat erstmals ausführlich über die Gründe für ihren Rücktritt als Arbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende gesprochen. Neben der Trauer um ihre Stieftochter nennt sie Angriffe aus der Union. Aber auch ihre eigene Partei kommt nicht ungeschoren davon.
Das Wichtigste in Kürze
Bärbel Bas begründet ihren Rücktritt mit der Trauer um ihre Stieftochter und der Belastung durch politische Angriffe.
Sie wirft der Union vor, mit Kritik an ihrer Arbeit eine Kampagne gegen sie und die SPD geführt zu haben.
Die Ex-SPD-Chefin kritisiert aber auch ihre eigenen Partei-Genoss:innen.
Bärbel Bas hat in ihrem ersten ausführlichen Interview nach ihrem Rücktritt auch Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert.
Bild: REUTERS
Bärbel Bas hat im Oktober ihre Ämter als Bundesarbeitsministerin und Co-Vorsitzende der SPD niedergelegt - und danach die schwarz-rote Koalition in eine Krise gestürzt. In einem Interview mit dem WDR sprach sie jetzt erstmals ausführlich über die persönlichen und politischen Gründe. Der Rücktritt habe mit dem Tod ihrer Stieftochter zu tun gehabt, aber auch mit öffentlichen Angriffen aus der Union - und mangelnder Unterstützung aus ihrer SPD.
Bas bedauert, dass ihre Rücktrittserklärung Streit in der Koalition ausgelöst hat. Hätte sie die Folgen vorausgesehen, hätte sie auf die Kritik am Koalitionspartner verzichtet, sagte sie in der Sendung "Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Bärbel Bas", die als Kurzfassung am Montagabend (2. November) um 21.45 Uhr im Ersten zu sehen ist. An ihrer Einschätzung der Angriffe hält sie jedoch fest. Ihr sei wichtig gewesen, diese öffentlich zu benennen: "Weil ich will, dass es besser wird."
Auch in den News:
Bas zu Rücktritt: Trauer und fehlende Zeit für die Verarbeitung
Gut zwei Wochen vor Bas’ Rücktritt starb ihre Stieftochter im Hospiz an Krebs. Die beiden hätten sich lange gekannt und seien eng verbunden gewesen. "Das war natürlich eine Freundin", sagte Bas im WDR-Interview. Die Begleitung in der letzten Lebensphase habe ihr viel Kraft genommen.
Bas sagt, sie habe nach dem Verlust Zeit gebraucht, um die Trauer zu verarbeiten. In ihren politischen Spitzenämtern habe sie aber nicht damit rechnen können, diese Zeit zu bekommen. "Aber ich brauche Zeit dafür", sagt sie in dem Interview. Im September habe sie sich zunehmend erschöpft gefühlt und gemerkt, dass ihr die Kraft ausgehe.
Kritik an Angriffen aus der Union
Neben der persönlichen Belastung standen wiederholte Vorwürfe aus der Union. Unionsmitglieder hatten Bas vorgehalten, Reformen bei Arbeit und Rente zu verzögern. Bas widerspricht: Die Koalitionsspitzen hätten vereinbart, den Entwurf zur Rentenreform erst nach den Landtagswahlen Ende September vorzulegen. "Das war die Absprache", betont sie.
Besonders deutlich kritisiert Bas Äußerungen des CDU-Politikers Christian von Stetten, der sie als Ministerin für "nicht mehr tragbar" bezeichnet hatte. "So was sagt man nicht als Koalitionspartner über eine eigene Ministerin", sagt sie im Gespräch. Sie habe den Eindruck gehabt, die Kritik richte sich nicht nur gegen sie, sondern solle die SPD als Bremsklotz darstellen: "Da wurde eine Kampagne gefahren."
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Bas vermisste Rückhalt in Koalition und SPD
Bas sagt, sie habe Kanzler Friedrich Merz (CDU) über ihre private Situation und die Angriffe informiert. Er habe ihr signalisiert, sie solle sich die nötige Zeit nehmen, und versprochen, sich um die Kritik zu kümmern. Bei ihr sei davon jedoch wenig angekommen. "Er hat mir auch versichert, er kümmert sich. Es hat aber keinen Anklang gefunden."
Auch aus der SPD hätte sie sich nach eigener Aussage mehr Unterstützung gewünscht. "Auch aus meiner Partei hätte ich mir manchmal mehr Unterstützung gewünscht. Die Kritik aus den eigenen Reihen, die kam ja auch schon über die Sommerpause.“
Der mangelnde Rückhalt und die Kritik aus der Union seien nach Bas’ Darstellung allerdings nicht die einzigen Gründe für den Rücktritt gewesen. Sie räumt ein, dass sie ihre Ämter aus persönlichen Gründen wahrscheinlich auch ohne die öffentlichen Angriffe niedergelegt hätte. Den Schritt nennt sie im WDR einen radikalen, aber notwendigen Schnitt.
Verwendete Quellen:
WDR: ""Da wurde eine Kampagne gefahren"
Bild: "Bärbel Bas: Da wurde eine Kampagne gefahren!"
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