Schüsse in Mutter-Kind-Wohngruppe
Stade unter Schock: Ermittlungen laufen, die Stadt trauert
Aktualisiert:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Stade: Das ist über die Bluttat bekannt
Videoclip • 24 Sek • Ab 12
Sechs Menschen sind nach Schüssen in einer Stader Jugendeinrichtung verstorben. Am Tatort arbeiten die Ermittler:innen auf Hochtouren, während Menschen ihr Beileid bekunden.
Das Wichtigste in Kürze
Nachdem am Montag (29. Juni) im niedersächsischen Stade bei Schüssen in einer Mutter-Kind-Wohngruppe sechs Menschen getötet wurden, herrscht Trauer.
Noch heute entscheidet sich, ob der Tatverdächtige in Untersuchungshaft kommt.
Auch die Fahrerin des Wagens, mit dem der Mann fliehen wollte, wurde vernommen – Beamt:innen hatten auf die Reifen geschossen.
Bei Schüssen in der Innenstadt von Stade westlich von Hamburg sind am Montag (29. Juni) sechs Menschen gestorben. Inzwischen läuft die Spurensicherung am Tatort auf Hochtouren, Menschen legen vor Ort Blumen ab und stellen Kerzen auf. Niedersachsens Landesbeauftragter für Opferschutz, Thomas Pfleiderer, bietet Betroffenen Unterstützung an und lässt über ein kostenloses Beratungstelefon akute Hilfe durch psychosoziale Berater:innen vermitteln.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die sich auf die Aussage einer Polizeisprecherin beruft, sind unter den Opfern vier Frauen und zwei Männer. Die Tat ereignete sich gegen 12:10 Uhr in einer Jugendeinrichtung, in der auch Mutter-Kind-Wohngruppen untergebracht sind. Neben Beschäftigten der Einrichtung wurden auch drei Mitarbeitende des Jugendamts der Region Hannover getötet.
Kurz nach der Tat hatte die Polizei den tatverdächtigen Türken festgenommen. Er versuchte, mit einem Auto zu fliehen. Eine 65-Jährige saß am Steuer, Beamt:innen feuerten auf die Reifen des Pkws. Dem derzeitigen Erkenntnisstand zufolge hat die Frau eine enge Verbindung zur Familie des Tatverdächtigen. Behördenangaben zufolge wurde sie ebenfalls vernommen. Ob die 65-Jährige weiter in Gewahrsam ist, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) nicht.
Kommt der Mann in Untersuchungshaft?
Im Laufe des Tages entscheidet sich, ob die Staatsanwaltschaft – wie erwartet – Haftbefehl beantragt. Noch am Dienstag (30. Juni) trifft das Amtsgericht Stade die Entscheidung, ob er in Untersuchungshaft kommt.
Entgegen entsprechenden Gerüchten erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage der dpa: "Wir haben derzeit keine Hinweise dafür, dass eine Clanzugehörigkeit besteht», sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft der dpa auf Anfrage."
Neue Details bekannt – Sorgerechtsstreit führte zu tödlicher Attacke in Stade
Wie die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol auf einer Pressekonferenz am Montagabend sagte, war der Hintergrund der Tat vermutlich ein Sorgerechtsstreit.
Der Tatverdächtige hatte laut Schuol in der Einrichtung einen Termin – bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter –, so wie viele seiner Opfer. Laut Polizei waren die getöteten Frauen und Männer alle in der Jugendhilfeeinrichtung beschäftigt. Die Mutter des Kindes, eine 34 Jahre alte Frau, sowie das drei Monate alte Kind zählen nicht zu den Todesopfern.
Informationen von NDR und WDR zufolge war die Tochter aus der Familie genommen worden. Unter Auflagen habe das Kind zurück zur Mutter gedurft, aber nicht an deren Wohnort in Hannover, sondern in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade.
Mann galt bislang nicht als "absolut gewalttätig"
Gegen den Mann lägen polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem aus dem Bereich der Bedrohung, führte Schuol am Abend aus. Sie betonte aber, er habe bislang nicht als "absolut gewalttätig" im polizeilichen System gegolten. Die Polizei hatte den mutmaßlichen Schützen bereits am Nachmittag festgenommen.
Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wurde bisher kein Haftbefehl für den Mann erlassen. Es sei noch offen, wie es mit dem Hauptverdächtigen weitergehe, den die Polizei kurz nach der Tat festnahm. Ob ein Haftbefehl beantragt und der Mann in Untersuchungshaft genommen wird, muss noch geklärt werden, sagte Oberstaatsanwalt Burkhard Vonnahme, der Leiter der Staatsanwaltschaft Stade, am Montagabend (29. Juni).
Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet. Über eine Website können Zeug:innen Hinweise sowie Fotos oder Videos direkt an die Ermittler:innen übermitteln, wie die Polizei mitteilte. "Jeder Hinweis kann für die laufenden Ermittlungen von Bedeutung sein."
Auch in den News:
Das ist bekannt:
Tote: Sechs Erwachsene sind laut Polizei gestorben.
Verletzte: Mehrere Menschen wurden verletzt, zum Teil schwer.
Täter: Ein 45-jähriger Mann mit türkischen Wurzeln wurde festgenommen.
Motiv: Die Ermitter:innen gehen von einem Sorgerechtsstreit als Hintergrund der Bluttat aus.
Tatort: Die Schüsse fielen einer Polizei-Sprecherin zufolge in einer Jugendeinrichtung in Stade, einer Stadt in Niedersachsen westlich von Hamburg.
Insgesamt sind nach der Gewalttat sechs Erwachsene tot. Vier der Toten fanden die Einsatzkräfte in der Einrichtung, eine weitere Person sei vor dem Haus reanimiert worden – ohne Erfolg. Eine sechste Person erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Unter den Opfern sind laut Schuol vier Frauen und zwei Männer. Weitere Menschen wurden verletzt, zum Teil schwer.
Die Tatwaffe sei von der Polizei sichergestellt worden, erklärte Schuol. Unklar ist noch, wie der mutmaßliche Täter an die Waffe gekommen ist. Er habe jedenfalls keine waffenrechtliche Erlaubnis zum Führen der Waffe gehabt, so die Polizeipräsidentin.
Kita und Grundschule neben dem Tatort
Außer der Jugendhilfeeinrichtung befinden sich um den Tatort eine Kindertagesstätte sowie eine Grundschule. Dort seien die Schüsse ebenfalls zu hören gewesen, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Man habe umgehend den Kontakt zu den Einrichtungen gesucht. Die Kinder der Kita seien zum Tatzeitpunkt im Gebäude gewesen. Eltern konnten ihre Schulkinder inzwischen abholen.
"Wir sind froh, dass es unseren Mitarbeitenden und den Kindern in Kita und Grundschule gut geht, und ich bedanke mich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz in dieser unübersichtlichen Lage", so Stades Stadtrat Carsten Brokelmann in einer Mitteilung. Gleichzeitig betonte er seine Anteilnahme und sein "tiefes Mitgefühl" den Opfern und Hinterbliebenen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
welt.de: "Sechs Tote nach Schüssen in Stade – neue Details zum Sorgerechtsstreit werden bekannt"
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