"Verstehe, dass mein Name genannt wird"
WM-Debakel: Wird jetzt Klopp der Nachfolger von Nagelsmann?
Aktualisiert:
von Joachim Vonderthann:newstime
WM-Aus: DFB-Team enttäuscht gegen Paraguay
Videoclip • 02:51 Min • Ab 12
Trotz der peinlichen WM-Pleite gegen Paraguay denkt Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht an Rücktritt. Dabei wird der Name Jürgen Klopp immer lauter gefordert. Der 59-jährige Erfolgscoach äußerte sich bereits zur Diskussion um seine Person.
2018, 2022, 2026 - die einst stolze Fußball-Nation Deutschland ist bei der dritten Weltmeisterschaft in Folge kläglich gescheitert. 2018 und 2022 schon in der Vorrunde, jetzt - kaum besser - im Sechszehntelfinale gegen Paraguay und damit gegen eine der schlechtesten Mannschaften der Vorrunde. Wieder wurden Millionen von Fußballfans in Deutschland enttäuscht, wieder ist ein Turnier, auf das sich die Menschen im Land freuten, vorzeitig beendet für die DFB-Auswahl. Seit dem WM-Titel von 2014 kam nicht mehr viel Erfreuliches von der Nationalmannschaft. Eine ganze Generation von jugendlichen Nachwuchs-Kickern kennt mit Blick auf das DFB-Team nur ein Gefühl: Enttäuschung.
Die Gründe für das Scheitern gegen Paraguay mit 3:4 im Elfmeterschießen sind vielschichtig. Doch im Mittelpunkt steht der Bundestrainer. Julian Nagelsmann hat es nicht geschafft, aus den Spielern um Joshua Kimmich, Florian Wirtz und Co. ein Team zu bilden, das spielerisch überzeugen kann. Auch sein Auftreten und seine Entscheidungen vor und während der WM (Torwart-Diskussion um Manuel Neuer, Hickhack um Deniz-Undav-Einsatz) trugen nicht dazu bei, die Fußball-Nation komplett hinter der Nationalelf zu vereinen.
Nagelsmann will trotz WM-Aus von Rücktritt nichts wissen
Dass nach dem peinlichen Aus beim WM-Turnier die Trainerfrage gestellt wird, ist logisch – und zwingend. MagentaTV-Experte Mats Hummels wurde direkt nach der Niederlage deutlich und forderte personelle Veränderungen. "Es schreit nach Konsequenzen. Die Heim-EM wird mir immer noch zu gut geredet. Deswegen muss das ein Thema sein, sowohl glaube ich vom Bundestrainer selbst aus als auch vom Verband." ZDF-Experte Per Mertesacker sagte mit Blick auf das von Nagelsmann einst ausgegebene Ziel WM-Titel: "Vor zwei Jahren wurde geflachst, wir müssen nur zwei Jahre warten, bis wir Weltmeister werden. Die Aussage können wir total vergessen. Wir müssen uns einiges wieder hart erarbeiten."
Ex-Nationalspieler Didi Hamann attackierte Nagelsmann direkt. "Ich glaube, Herz kommt von Teamspirit, vom Zusammensein, vom Vertrauen, dass deine Teamkollegen da sind, wenn du sie brauchst. Ich habe das Gefühl, unter diesem Trainer war das nie der Fall", sagte der Ex-Nationalspieler beim irischen Sender RTÉ Sport. Zudem warf er dem Bundestrainer vor, sich schlecht auf die WM vorbereitet zu haben, sich zu wenige Spiele live in den Stadien anzuschauen. "Deswegen habe ich keine Sympathie für ihn. Ich glaube, er und das Team haben bekommen, was sie verdient haben", so Hamanns knallhartes Urteil.
Nagelsmann selbst will von einem Rücktritt (noch) nichts wissen. Der 38-Jährige erklärte noch im Stadion von Foxborough nach der Niederlage seine Bereitschaft, im Amt zu bleiben. "Ich möchte es weitermachen. Ich stehe bereit, wenn man das möchte. Und wenn man das nicht möchte, muss man das sagen", erklärte Nagelsmann bei MagentaTV. Sein Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund läuft noch bis nach der EM 2028. "Ich stehe zur Verfügung. Ich bin keiner, der wegläuft. Das ist ausgeschlossen", sagte Nagelsmann im ZDF nach dem enttäuschenden Auftritt im Sechzehntelfinale.
Ob dem ehemaligen Bundesliga-Trainer (TSG Hoffenheim, RB Leipzig, FC Bayern München), der seit September 2023 im Amt ist, jemand sagt, dass man nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten möchte, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. DFB-Sportdirektor Rudi Völler, Nagelsmanns wichtigster Ansprechpartner im Verband, stellte sich nach dem WM-Aus noch hinter den Bundestrainer. "Ich bin immer noch überzeugt davon, dass er der Richtige ist", sagte der Weltmeister von 1990. "Wenn man in so einer Form ausgeschieden ist, werden es viele nicht verstehen", so Völler und bekräftigte: "Ich finde immer noch, er ist ein absoluter Toptrainer."
Klopp: "Verstehe, dass mein Name genannt wird"
Ob das die gesamte DFB-Spitze so sieht? Ein Name, der immer wieder als möglicher Nagelsmann-Nachfolger genannt wird, ist Jürgen Klopp. Der einstige Erfolgscoach von Dortmund und Liverpool gilt vielen als idealer Bundestrainer. Pikanterweise ist der 59-Jährige bei der WM auch Experte bei MagentaTV und analysiert vom Spielfeldrand aus die Spiele der deutschen Nationalmannschaft. So auch die Pleite gegen Paraguay.
"Wir waren Fußball-Deutschland. Um wieder Fußball-Deutschland zu werden, müssen wir jetzt ran an die Nummer, und zwar richtig", sagte Klopp . Gegen eine Bundestrainer-Debatte um seine Person wehrte er sich unmittelbar nach dem WM-Aus. "Ich verstehe, dass mein Name genannt wird. Aber es ist nicht der Moment. Es gibt dazu nichts zu sagen."
Klopp ist aktuell Head of Global Soccer bei Red Bull. "Ich habe einen Job, den ich sehr gern mache", betonte er. Das sei kein Halbtagsjob. "Es ist kein Tag, wo ich über die Personalie Jürgen Klopp nachdenke", ergänzte Klopp. Möglicherweise dachte der Meistertrainer aber doch schon darüber nach.
Vor dem ersten deutschen WM-Spiel hatte Klopp für Aufsehen gesorgt mit einem Satz – und besonders einem Wort. "Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf – noch." Für den dringend nötigen Neuaufbau des Trümmerhaufens Nationalelf wäre es wohl tatsächlich besser, Klopp würde die Mannschaft aufstellen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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