FIFA in der Kritik

"Mit einer WM nichts zu tun": Marcel Reif warnt bei Lanz vor Kommerzialisierung des Fußballs

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von Natascha Wittmann

Sportjournalist Marcel Reif erklärte im Gespräch mit Markus Lanz, dass bei Weltmeisterschaften in verschiedenen Ländern am Ende die Identität und Kultur verloren gehe.

Bild: Cornelia Lehmann / ZDF


Bei "Markus Lanz" fand Marcel Reif klare Worte zur Entwicklung des Fußballs. Immer höhere Preise und immer größere Events würden den Sport von seinen Fans entfremden. Besonders bei den Ticketkosten zur WM sah der Sportjournalist eine gefährliche Schieflage.

Mit Blick auf die Fußball-WM in Kanada, USA und Mexiko ging es bei "Markus Lanz" am Mittwochabend (25. Juni) schnell um mehr als Tore, Tabellen und Taktik. Denn ein Turnier dieser Größe wirkt auch außerhalb der Stadien: auf die Stimmung im Land und womöglich sogar auf die Politik. Erst mal stand allerdings die Dimension der diesjährigen Weltmeisterschaft im Fokus.

Sportjournalist Marcel Reif fand dafür klare Worte: "Mir ist das alles zu viel, zu groß, zu gigantomanisch". Auch Fußballexpertin Gaby Papenburg machte keinen Hehl daraus, dass sie mit dem modernen Mega-Event fremdelt. Das Fußballgefühl von früher - etwa bei der WM von 2006 und 2014 - sei für sie "unwiederbringlich verloren" gegangen und komme auch "nicht mehr zurück".

Reif setzte noch einen drauf: Durch die Verteilung über mehrere Länder werde das Turnier für Fans zur Strapaze. Riesige Distanzen, viele Flüge. Das passe für ihn nicht zu dem, was eine WM eigentlich ausmacht. Sein Urteil? "Das hat mit einer WM nichts zu tun. (...) Wo hat das eine eigene Identität noch?" Ein weiterer Punkt in dem Zusammenhang: die Kosten. Gerade bei Ticketpreisen sah Reif eine Entwicklung, die den Fußball langfristig verändern könne - und zwar nicht zum Guten. "Das ist obszön! Das ist Wahnsinn! (...) Unsere Kinder kriegen wir so nicht mehr ins Stadion", zog Reif vom Leder.


Marcel Reif: "Es geht in Dimensionen, die nicht mehr zu greifen sind"

Für ihn stand damit etwas auf dem Spiel, das sich nicht in Zahlen messen lässt. Reif warnte: "Es geht in Dimensionen, die nicht mehr zu greifen sind. (...) Das hat mit irgendeiner Normalität nichts mehr zu tun." Markus Lanz nahm die Kritik als Sprungbrett für die größere Frage: Kann ein starkes Abschneiden der deutschen Nationalelf die Laune im Land drehen und möglicherweise sogar politische Prozesse beeinflussen? Journalist Robin Alexander musste dabei an die WM 2006 im eigenen Land denken. Damals sei "ein Stimmungsumschwung in der Politik" spürbar gewesen.

Doch Alexander bremste: "Jetzt haben wir ja noch gar nicht die Reformen, die werden ja erst - wenn wir Glück haben - in der nächsten Woche beschlossen. (...) Deshalb glaube ich, dass dieser Effekt 1:1 nicht funktioniert." Lanz ließ trotzdem nicht locker und erinnerte an die 2006 beschlossene, "legendäre Steuererhöhung". Seine Frage: "Ist das ein guter Moment, solche Dinge zu beschließen, wenn die Leute abgelenkt sind von Fußball? Und ist das auch sozusagen die direkte Linie, die zu den anstehenden Reformen jetzt führt?"

Robin Alexander über Verbindung zwischen Politik und Fußball: "Das erzählt sich schon zusammen"

Alexander blieb skeptisch: "Man darf das jetzt nicht überstrapazieren." Gleichzeitig räumte er ein, dass aktuell "über die Rentenreform" gesprochen werde. "Das erzählt sich schon zusammen", meinte der Journalist und landete damit beim Zusammenspiel von Sport und Inszenierung. Denn auch ein Anruf von Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Mannschaft kam zur Sprache. Robin Alexanders stichelnder Kommentar dazu? "Das ist eine Popularitätsressource und die wird professionell bewirtschaftet von der Politik."

Papenburg verwies schließlich auf ein Bedürfnis, das in Krisenzeiten besonders wachse: das Gefühl von Einigkeit und eines gemeinsamen Erlebnisses. Viele wünschten sich laut der Fußballexpertin mehr Zusammenhalt, "weil es eben ablenkt (...) von diesen ganzen schlechten Dingen, die da gerade im Moment im Gange sind und auch von dieser Zwietracht und von dieser Uneinigkeit". Ob diese WM das Gefühl liefern könne, dabei zeigte sie sich noch skeptisch.

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