Bundesrechnungshof übt scharfe Kritik

Boris Pistorius unter Druck: Neue Kampfhubschrauber können vorerst nicht schießen

Veröffentlicht:

von Nadine von Parseval

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Rund 2,5 Milliarden Euro investiert die Bundeswehr in neue Kampfhubschrauber. Doch ausgerechnet bei der Bewaffnung gibt es erhebliche Probleme. Ein vertraulicher Bericht des Bundesrechnungshofs offenbart laut "Spiegel" gravierende Planungsfehler.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die neuen Kampfhubschrauber der Bundeswehr können zunächst nur für Ausbildungszwecke eingesetzt werden.

  • Der Bundesrechnungshof kritisiert Planungsfehler und technische Probleme bei der Bewaffnung.

  • Die Verzögerungen könnten Deutschlands Zusagen an die Nato gefährden.

Neue Kampfhubschrauber für mehrere Milliarden Euro – doch schießen können sie vorerst nicht. Bei einem wichtigen Rüstungsprojekt der Bundeswehr gibt es offenbar erhebliche Probleme. Der Bundesrechnungshof wirft dem Verteidigungsministerium unter Boris Pistorius (SPD) gravierende Fehler bei der Planung vor.

Wie der "Spiegel" unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht für den Bundestag berichtet, werden die 2023 bestellten Leichten Kampfhubschrauber (LKH) voraussichtlich erst mehrere Jahre später als ursprünglich vorgesehen vollständig einsatzbereit sein. Die Prüfer:innen sprechen von einem Projekt "auf einem kritischen Pfad". Besonders brisant: Die neuen Maschinen sollen zunächst zwar fliegen können, für Kampfeinsätze aber nicht geeignet sein.

Die neuen Kampfhubschrauber vom Typ H145M sollen die Bundeswehr stärken. Doch technische Probleme bei der Bewaffnung verzögern offenbar ihre vollständige Einsatzbereitschaft. (Symbolbild)

Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa


Bundeswehr investiert 2,5 Milliarden Euro in neue Kampfhubschrauber

Eigentlich sollte die Beschaffung der Helikopter zeigen, wie sich die Bundeswehr schneller und effizienter ausrüsten lässt. Für rund 2,5 Milliarden Euro wurde Airbus beauftragt, bis Ende 2028 Militärvarianten des Hubschraubers H145M zu liefern. Das Modell basiert auf einem zivilen Helikopter, der unter anderem als Rettungshubschrauber beim ADAC zum Einsatz kommt.

Der Vorteil: Statt einen vollständig neuen Kampfhubschrauber entwickeln zu lassen, wollte das Verteidigungsministerium auf ein bereits verfügbares Modell zurückgreifen. Doch die Umrüstung gestaltet sich offenbar schwieriger als erwartet. "Die Bundeswehr hat den notwendigen Aufwand unterschätzt, ein marktverfügbares ziviles Basishubschraubermuster zu einem militärischen Kampfhubschrauber umzurüsten", kritisiert der Bundesrechnungshof laut "Spiegel".

Die Folge: Die Bundeswehr erhalte zunächst Hubschrauber in "vorläufiger Konfiguration", mit denen sie "nicht kämpfen, sondern lediglich ausbilden" könne.


Munition für neue Kampfhubschrauber bereitet Probleme

Eine der größten Schwierigkeiten betrifft die Bewaffnung. Die für die Bordkanone vorgesehenen Geschosse wurden bislang nicht von der Bundeswehr getestet. Die entsprechenden Prüfungen stehen dem Bericht zufolge bereits seit Sommer 2020 aus.

Hinzu kommt ein Sicherheitsproblem bei der verfügbaren 20-Millimeter-Munition. Wegen "einer elektrostatischen Empfindlichkeit des Anzündhütchens" könne diese derzeit nicht als sicher eingestuft werden. Wann der Hersteller den Mangel beheben kann, ist laut dem Bericht unklar. Damit fehlt weiterhin eine wichtige Voraussetzung für den bewaffneten Einsatz der neuen Helikopter.


Auch Panzerabwehrraketen machen Schwierigkeiten

Neben der Bordkanone bereiten offenbar auch die geplanten Panzerabwehrraketen Probleme. Erste Schussversuche im Mai 2025 mussten wegen technischer Schwierigkeiten bei der Steuerung abgebrochen werden. Ob sich die Mängel vollständig beheben lassen, ist bislang offen.

Trotzdem plant das Verteidigungsministerium laut dem Bericht, weitere Lenkflugkörper im Wert von 384 Millionen Euro zu beschaffen – noch bevor ihre Einsatzfähigkeit abschließend nachgewiesen wurde. Der Bundesrechnungshof warnt deshalb vor dem Risiko, "dass der Lenkflugkörper die Einsatzprüfung nicht besteht" und für die "Bundeswehr im Einsatz nicht nutzbar" wäre.

Die Lieferung der Raketen ist ab Ende 2027 vorgesehen. Anschließend müssen sie umfangreiche Tests durchlaufen. Selbst das Ministerium bezeichnet den Zeitplan laut "Spiegel" als "sehr ambitioniert".


Bundeswehr könnte wichtige Nato-Zusagen verfehlen

Die Schwierigkeiten könnten auch Auswirkungen auf Deutschlands Verpflichtungen gegenüber der Nato haben. Die Bundesregierung hatte zugesagt, dem Verteidigungsbündnis bis 2029 zunächst zwölf einsatzbereite Kampfhubschrauber zur Verfügung zu stellen. Ab 2032 sollen es insgesamt 72 sein.

Nach Einschätzung des Bundesrechnungshofs ist jedoch fraglich, ob diese Termine eingehalten werden können. Das Verteidigungsministerium weist entsprechende Befürchtungen laut dem Bericht zurück. Zugleich erklärte das Ressort, die Kritikpunkte der Prüfer genauer untersuchen zu wollen.

Auch in den News:

Rechnungshof fordert Stopp weiterer Bestellungen

Angesichts der Probleme empfiehlt der Bundesrechnungshof, das gesamte Beschaffungsprojekt zu überprüfen. Außerdem sollen zusätzliche Hubschrauber vorerst nicht bestellt werden. Weitere Anschaffungen seien erst dann sinnvoll, wenn sichergestellt sei, dass Airbus die vertraglich vereinbarten Leistungen tatsächlich erbringen könne.

In dem Bericht heißt es dazu, eine weitere Beschaffung sei derzeit "weder angezeigt noch notwendig". Für Verteidigungsminister Boris Pistorius kommt die Kritik zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Schließlich hatte er die Beschaffung der H145M-Hubschrauber zuvor als Beispiel für eine beschleunigte Modernisierung der Bundeswehr präsentiert.

Bei der Übergabe des ersten Modells erklärte der SPD-Politiker, man habe die "Drehzahl der Beschaffung deutlich erhöht". Er sprach von "gelebter Zeitenwende". Ob die Bundeswehr die technischen Schwierigkeiten rechtzeitig lösen und ihre geplanten Einsatztermine einhalten kann, bleibt offen.


Verwendete Quellen:

Bild: "Pistorius droht Millarden-Debakel"

ntv: "Neue Bundeswehr-Kampfhubschrauber können wohl noch nicht kämpfen"

Spiegel: "Die neuen Kampfhubschrauber der Bundeswehr können fliegen, aber "auf absehbare Zeit" nicht schießen"

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