Geförderte Altersvorsorge
Finanzexperte Tenhagen zur Frühstartrente: "Eltern, kümmert euch darum!"
Aktualisiert:
von Christopher Schmitt:newstime
Bundestag beschließt Frühstartrente: Was jetzt gilt
Videoclip • 01:21 Min • Ab 12
Schon die Kleinen sollen mit der Frühstartrente fürs Alter sparen. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen ordnet ein, ob die Zahlen des Finanzministeriums realistisch sind.
Das Wichtigste in Kürze
Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen betont den pädagogischen Aspekt der Frühstartrente.
Es sei wichtig, mit dem eigenen Kind über Geld und Anlagen zu sprechen.
Tenhagen unterstreicht, dass es mit den zehn Euro im Monat nicht getan ist.
"Früher haben wir eine Spardose gehabt, da haben wir dann einen Euro reingesteckt, einen eigenen oder den von der Oma", beschreibt Hermann-Josef Tenhagen im exklusiven :newstime-Interview, wie Kinder früher gespart haben.
"Heute macht man das beim Wertpapiersparen", fügt der Chefredakteur und Geschäftsführer von "Finanztip" an. Dies sollten Kinder mit der Frühstartrente, die der Bundestag am Freitag (16. Oktober) beschlossen hat, lernen. "Das ist auf jeden Fall sinnvoll", unterstreicht Tenhagen den Bildungsaspekt des Projekts von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD).
"All die Gespräche über Geld, die auch oft in Deutschland nicht stattfinden, die sollten stattfinden", findet der Finanzexperte. Seiner Ansicht nach ist die Frühstartrente ein guter Anlass, genau das zu tun. Eltern seien jetzt gefordert, das Konto einzurichten und sich anschließend mit den Kindern darüber zu unterhalten, "was da passiert, warum es sich vermehrt hat, wenn die Börse gut gelaufen ist, warum es sich vielleicht mal vermindert hat, wenn die Börse mal schlecht gelaufen ist".
Falls Eltern sich gegen einen eigenen Vertrag entscheiden, erfolgt eine kollektive Anlage in einem Sondervermögen, welches von der Bundesbank verwaltet wird. Deshalb richtet der Finanzexperte einen Appell an die Erziehungsberechtigten: "Kümmert euch darum, weil im Augenblick ist nicht gewährleistet, dass die Bundesbank sich auch um den pädagogischen Aspekt kümmert."
Auch in den News:
So realistisch sind die versprochenen 53.000 Euro
Etwa 53.000 Euro können laut Regierungsangaben bis zum 65. Lebensjahr gesammelt werden – eine realistische Summe? Über 60 Jahre könne man das realistisch nicht gut berechnen, stellt der Finanzexperte klar.
"Man kann sagen: Was hat denn in der Vergangenheit wie funktioniert? Und wenn man die letzten 50 Jahre anschaut, dann konnte man mit Wertpapiersparen tatsächlich im Jahr sechs bis acht Prozent Rendite haben im Schnitt." Wenn man die ganze Zeit immer mit diesen Renditen anlege, "kommen da schon ordentliche Summen heraus. Wie groß die genau sein werden, weiß man nicht."
Allerdings schränkt Tenhagen ein: "Wichtig ist aber auch: Diese ordentliche Summe würde einem nicht helfen. Mit den zehn Euro allein kommt man nicht weiter." Denn wenn man heute in die Rente einzahle, zahlten Arbeitnehmer:innen jeden Monat 400 bis 500 Euro in die Rente ein und ihre Arbeitgeber noch mal 400 bis 500 Euro. "Man sieht schon aus dem Verhältnis von zehn Euro zu 400 Euro: Mit den zehn Euro ist es nicht getan", hält Tenhagen fest.
Wie hoch sind die Risiken am Finanzmarkt?
Tenhagen unterstreicht im :newstime-Gespräch, dass Risiken, wenn man über Jahrzehnte in ETFs investiere, "sehr, sehr klein" seien. "Sie sind vernachlässigbar." Er fügt an: "Das Risiko ist einfach, dass das hinterher alleine natürlich zu wenig wäre für eine private Altersvorsorge zusätzlich zu dem, was man aus der gesetzlichen Rente rauskriegt." Schließlich sei die Rente aktuell für viele ältere Menschen 70 bis 90 Prozent ihres Alterseinkommens.
"Finanzdienstleister wollen unser Geld"
Tenhagen betont einerseits: "Wir alle brauchen Finanzdienstleister." Andererseits unterstreicht er auch, dass es sich nicht um Wohltätigkeitsveranstaltungen handele. Heißt: "Finanzdienstleister wollen unser Geld." Es sei besonders wichtig, dass die Kinder früh lernten, dass man mit diesen Finanzdienstleistern Geld vermehren könne, diese aber auch an Anleger:innen verdienten. Die entscheidende Frage: "Wie sorge ich denn dafür, dass ich vor allen Dingen was davon habe und nicht vor allem der Finanzdienstleister."
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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