Leihmutterschaft
Kritik an Jens Spahn: Bischof spricht von "Skandal"
Aktualisiert:
von Michael Reimers:newstime
Baby von Jens Spahn löst Debatte aus
Videoclip • 03:07 Min • Ab 12
Jens Spahn und sein Mann sind mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Väter geworden. Hierzulande ist Leihmutterschaft verboten; die CDU ist strikt gegen eine Legalisierung. Kritik kommt nicht nur aus der Politik.
Das Wichtigste in Kürze
Nach dem Bekanntwerden, dass Jens Spahn und sein Mann per Leihmutterschaft in den USA Väter wurden, hagelt es Kritik.
Sowohl der evangelische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl als auch der katholische Bischof Stefan Oster werfen Spahn Doppelmoral vor.
Aus den eigenen Reihen gibt es bereits Rücktrittsforderungen.
Die Kritik an Unionsfraktionschef Jens Spahn weitet sich aus. Nachdem bekannt wurde, dass der CDU-Politiker und sein Mann mithilfe einer Leihmutter Väter geworden sind, meldet sich nun auch die Kirche zu Wort. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Der württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl verwies auf das in Deutschland geltende Verbot der Leihmutterschaft. "Wenn nun ausgerechnet ein Politiker öffentlich macht, dass er im Ausland Leihmutterschaft in Anspruch genommen hat, geht es auch um Doppelmoral und Glaubwürdigkeit."
CDU klar gegen Legalisierung der Leihmutterschaft
Auch in der katholischen Kirche regt sich Unmut. Der Passauer Bischof Stefan Oster erklärte, er halte es für "einen echten Skandal", wenn "ein prominenter CDU-Politiker in Sachen Leihmutterschaft zur Erfüllung eigener Wünsche gegen die Gesetze des Landes und gegen die Grundlinien der eigenen Partei in dieser für unser Menschenbild so wichtigen Sache bewusst verstößt und damit auch noch positiv werbend für Leihmutterschaft eintritt". Zuerst hatte die Katholische Nachrichten-Agentur darüber berichtet.
Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte das Baby zur Welt. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Die CDU spricht sich gegen eine Legalisierung aus. Spahn selbst hatte sich in der Vergangenheit ebenfalls dagegen positioniert.
CDU-Mitglieder fordern Rücktritt von Jens Spahn
Aus den eigenen Reihen gab es bereits am Freitag (17. Juli) Rücktrittsforderungen: "Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten", sagte Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Chef Daniel Peters der "Bild". Spahn selbst legte die Entscheidung über seine politische Zukunft im Amt in die Hand der Abgeordneten von CDU und CSU. "Ich werde die Frage, wie es weitergeht, mit der Fraktion natürlich erörtern, wenn wir uns im September wiedersehen", sagte er der "Bild".
Die erste reguläre Fraktionssitzung nach der parlamentarischen Sommerpause findet am 8. September statt. Bereits am Montag kommt jedoch das CDU-Präsidium zu seiner nächsten regulären Sitzung zusammen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte auf einer Pressekonferenz angekündigt, dass sich das Spitzengremium der Partei mit dem Thema befassen werde.
Auch in den News:
CDU-Politiker spricht von "Zumutung"
In der CDU wird das Thema nach wie vor kontrovers diskutiert. Michael Brand, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, sagte der "Fuldaer Zeitung": "Was Jens Spahn hier getan hat, ist eine echte Zumutung und unglaubwürdig, das muss man so klar sagen." Spahn habe "zwar nicht formal, aber moralisch klaren Rechtsbruch begangen". Das sei umso dramatischer, weil gerade beim Recht gleiche Maßstäbe für alle gelten müssten.
Auch aus der Opposition schlägt Spahn scharfe Kritik entgegen. Die stellvertretende Vorsitzende der Linken im Bundestag, Kathrin Gebel, sagte der "Rheinischen Post": Wenn Frauen eine Notfallverhütung bräuchten oder eine Schwangerschaft beenden wollten, begegne Jens Spahn ihnen mit Strafrecht und Misstrauen. "Für den eigenen Kinderwunsch nimmt er die Schwangerschaft einer anderen Person in Anspruch und nutzt seine finanziellen Möglichkeiten, um ins Ausland auszuweichen." Reproduktive Rechte dürften "aber weder von bigotter Moral noch vom Geldbeutel abhängig sein".
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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