Die Lage im Überblick

Krieg um Hormus: Experte warnt vor totalem Krieg

Veröffentlicht:

von Damian Rausch

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USA erhöhen Druck auf Iran: Trump droht mit weiteren Angriffen

Videoclip • 01:06 Min • Ab 12


Die Kämpfe zwischen den USA und dem Iran nehmen weiter an Intensität zu. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus bricht ein, beide Seiten weiten ihre Angriffe aus und Expertinnen und Experten warnen vor einer Eskalation mit Folgen für die gesamte Region.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die USA und der Iran haben ihre gegenseitigen Angriffe in der siebten Nacht in Folge fortgesetzt.

  • Durch die Straße von Hormus fuhren zuletzt nur noch acht Schiffe – so wenige wie seit drei Wochen nicht mehr.

  • Die Huthi-Miliz und pakistanische Diplomaten warnen vor einer Ausweitung des Konflikts auf weitere Staaten im Nahen Osten.

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran um die Straße von Hormus eskaliert weiter. Bereits in der siebten Nacht in Folge griffen die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben iranische Überwachungsanlagen, unterirdische Waffenlager und weitere militärische Einrichtungen an. Aus Teheran hieß es hingegen erneut, die Angriffe hätten zivile Infrastruktur getroffen.

Der Iran reagierte erneut mit Vergeltungsschlägen. Dabei gerieten Kuwait und Bahrain wieder unter Beschuss. Zudem wurden Explosionen aus Saudi-Arabien und Jordanien gemeldet. Beide Staaten beherbergen US-Militärstützpunkte.

Das US-Militär nannte zunächst keine konkreten Ziele der Angriffe. Der iranische Staatssender Irib berichtete unterdessen von Explosionen nahe Sirik an der Straße von Hormus sowie in der Hafenstadt Bandar Abbas. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars wurden außerdem erneut Brücken in der südlichen Provinz Hormusgan angegriffen. Der regierungsnahe Sender Press TV sprach von mindestens drei getöteten Zivilisten und acht weiteren Verletzten.

Noch vor dem Ende der jüngsten Angriffswelle meldete Press TV unter Berufung auf die Revolutionsgarden den Abschuss einer US-Drohne im Raum Buschehr. Außerdem sollen zwei Öltanker südlich der Straße von Hormus in Brand geraten sein. Das US-Zentralkommando Centcom wies die Berichte auf X zurück und erklärte, die Behauptung, zwei Tanker seien dort explodiert, entspreche nicht den Tatsachen.


Teheran richtet Warnung an Feinde

Bereits in der Nacht zuvor soll das US-Militär nach iranischen Angaben Brücken sowie weitere zivile Infrastruktur angegriffen haben. Außenamtssprecher Ismail Baghai erklärte auf X, das iranische Volk sei nun entschlossener denn je, seine Feinde die "verbrecherische Aggression bitter bereuen zu lassen".

Mit scharfen Drohungen reagierte auch Mohsen Rezaei, Berater des obersten Führers Ali Chamenei. Sollten die US-Angriffe noch zwei oder drei Tage andauern, werde der Iran in eine "Phase umfassender Offensiv- und Zerstörungsoperationen" eintreten. Das Land werde sich dann nicht länger auf Vergeltungsschläge beschränken, zitierte der arabische Sender Al Jazeera Rezaei aus einem Interview mit dem iranischen Staatssender Irib.

Unterdessen berichtete das "Wall Street Journal", das US-Militär nehme inzwischen eine größere Zahl unterschiedlicher Ziele im Iran ins Visier und verlege weitere Kampfflugzeuge aus Europa in den Nahen Osten. Das US-Portal "Axios" meldete zudem unter Berufung auf drei US-amerikanische und israelische Regierungsvertreter, Washington habe Israel über die geplante Entsendung Dutzender zusätzlicher Tankflugzeuge informiert. Diese dienten der Vorbereitung auf eine mögliche Ausweitung der Militäreinsätze gegen den Iran.

Experte: Gefahr eines totalen Krieges wächst

Mit Angriffen auf Brücken und weitere Ziele im Landesinneren wollen die USA den Druck auf den Iran erhöhen und Teheran dazu bewegen, die Angriffe auf die Schifffahrt in der Straße von Hormus einzustellen. Das berichtete das "Wall Street Journal". Der Iran reagiere darauf mit einer Ausweitung seiner Gegenangriffe.

Der Konflikt drohe zunehmend zu eskalieren. "Diese Eskalation verschärft sich rapide und gerät außer Kontrolle", sagte der Experte für iranische Sicherheitsfragen Saeid Golkar von der University of Tennessee der Zeitung. Es bestehe die Gefahr, "dass wir in einen totalen Krieg zurückfallen, auch wenn keine der beiden Seiten dies will".

Eigentlich sollte die Straße von Hormus nach dem vor einem Monat geschlossenen Rahmenabkommen wieder vollständig für die internationale Schifffahrt geöffnet werden. Der Iran vertritt jedoch die Auffassung, die Vereinbarung räume ihm das Recht ein, den Schiffsverkehr durch die Meerenge zu kontrollieren. Teheran verlangt deshalb, dass Schiffe die nördliche Route entlang der iranischen Küste nutzen. Mit neuen Angriffen auf Schiffe will die Führung nach eigenen Angaben verhindern, dass die USA den Verkehr stattdessen über die Küste Omans durch die Meerenge leiten.

Schiffsverkehr in Straße von Hormus bricht ein

Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist nach dem Wiederaufflammen der Kämpfe zwischen den USA und dem Iran nahezu zum Stillstand gekommen. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler vom Freitag passierten am Donnerstag nur noch acht Schiffe die Meerenge. Das sei der niedrigste Wert seit drei Wochen, teilte Kpler auf X mit.

Gleichzeitig wachsen die Befürchtungen, dass sich der Konflikt auf weitere Staaten der Region ausweiten könnte. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen drohte dem US-Verbündeten Saudi-Arabien mit einer "Belagerung". Man sei bereit, das Prinzip "Belagerung gegen Belagerung, Flughafen gegen Flughafen und Hafen gegen Hafen" umzusetzen, zitierte die jemenitische Nachrichtenagentur Saba den Huthi-Verteidigungsminister Mohammed al-Atafi.

Hintergrund der Drohung ist offenbar ein Luftangriff auf den Flughafen der jemenitischen Hauptstadt Sanaa zu Wochenbeginn. Für den Angriff macht die Miliz das Königreich Saudi-Arabien verantwortlich.

Auch in den News:

Pakistan warnt vor regionaler Eskalation

Die Huthi-Miliz zählt zu den wichtigsten nichtstaatlichen Verbündeten des Irans. Sollte der Krieg zwischen Washington und Teheran weiter eskalieren, könnte sie erneut den Schiffsverkehr am Eingang zum Roten Meer ins Visier nehmen. Mit Angriffen und Drohungen könnte sie die wichtige Handelsroute durch den Suezkanal erneut erheblich beeinträchtigen. Die Folgen wären weit über die Region hinaus im internationalen Handel spürbar.

Auch eine Ausweitung des Konflikts auf Saudi-Arabien gilt als möglich. Sollten die Kämpfe zwischen dem Königreich und den Huthi wieder aufflammen, könnte dies nach Einschätzung pakistanischer Diplomaten die Vermittlungsbemühungen Islamabads zwischen den USA und dem Iran erschweren. Pakistan unterhält seit dem vergangenen Jahr ein Militärbündnis mit Saudi-Arabien. In einem solchen Szenario könnte das Land "gezwungen sein, in den Konflikt einzusteigen", sagte ein pakistanischer Diplomat der Nachrichtenagentur dpa.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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