Die Lage im Überblick
Iran sperrt Hormus nach US-Angriffen
Veröffentlicht:
von dpa:newstime
Atomdeal mit Iran vor dem Aus?
Videoclip • 01:06 Min • Ab 12
Nach neuen Angriffen der USA und des Irans spitzt sich die Lage am Persischen Golf weiter zu. Die Hoffnung auf eine schnelle Entspannung schwindet.
Das Wichtigste in Kürze
Das US-Militär griff erneut Ziele im Iran an, nachdem die Revolutionsgarden ein Containerschiff in der Straße von Hormus attackiert hatten.
Der Iran kündigte an, die Straße von Hormus bis auf Weiteres zu sperren und drohte den USA mit weiteren Angriffen.
Nach der Bestattung von Ajatollah Ali Chamenei schwor die iranische Führung Vergeltung, während Spekulationen über seinen Nachfolger Modschtaba Chamenei anhalten.
Zum dritten Mal innerhalb einer Woche haben die USA nach eigenen Angaben Ziele im Iran bombardiert. Das US-Regionalkommando Centcom erklärte auf X, der Einsatz sei eine Reaktion auf einen Vorfall in der Straße von Hormus. Dort hätten die Iranischen Revolutionsgarden das unter zyprischer Flagge fahrende Containerschiff "GFS Galaxy"angegriffen. Teheran sprach hingegen lediglich von Warnschüssen. Mehrere Schiffe hätten eine nicht genehmigte Route genutzt und Anweisungen der Revolutionsgarden missachtet. Der Iran kündigte der daraufhin an, die Straße von Hormus bis auf Weiteres für die Schifffahrt zu sperren, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Zugleich drohte Teheran mit weiteren Angriffen auf US-Stützpunkte in der Region, sollte Washington seine Militärschläge fortsetzen. Eine schnelle Einigung über die Sicherheit des Schiffsverkehrs gilt damit vorerst als unwahrscheinlich. Von einer Entspannung der Lage am Persischen Golf ist derzeit keine Rede.
Brand auf Containerschiff – Besatzungsmitglied vermisst
Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom wird ein ziviles Besatzungsmitglied der "GFS Galaxy" vermisst. Das Containerschiff könne seine Fahrt wegen eines Brandes an Bord und schwerer Schäden im Maschinenraum nicht fortsetzen. Auch die britische Seefahrtsbehörde UKMTO berichtete von einem beschädigten Containerschiff in der Straße von Hormus östlich des Omans, auf dem ein Feuer ausgebrochen sei. Die Hintergründe würden derzeit untersucht. Ob es sich dabei um die "GFS Galaxy" handelt, war zunächst nicht bestätigt.
Centcom: Teheran bricht Abkommen
Nach Darstellung des US-Regionalkommandos Centcom hat der Iran mit dem Angriff auf das Schiff gegen das Mitte Juni mit Washington vereinbarte Rahmenabkommen verstoßen. Teheran habe damit eine weitere Chance ungenutzt gelassen, sich an die Vereinbarung zu halten. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte auf X, der Iran habe eine folgenschwere Entscheidung getroffen und müsse nun die Konsequenzen tragen. Iranische Staatsmedien berichteten unterdessen von Explosionen in der Hafenstadt Buschehr sowie weiteren Orten an der Küste des Persischen Golfs. Das im Juni erzielte Rahmenabkommen sollte innerhalb von 60 Tagen in einen endgültigen Friedensdeal münden und sah unter anderem die freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus vor. Trotz einer seit Anfang April geltenden Waffenruhe kam es jedoch wiederholt zu militärischen Zwischenfällen.
USA verlangten Zusage zur Hormus-Öffnung
Die USA hatten dem Iran Medienberichten zufolge bis Samstag Zeit gegeben, sich öffentlich zur freien und sicheren Schifffahrt in der Straße von Hormus zu bekennen. Nach Informationen von "Axios" und dem "Wall Street Journal" sollte Teheran zusichern, die Meerenge offenzuhalten und keine Handelsschiffe mehr anzugreifen. Nach den jüngsten Entwicklungen gilt dieses Vorhaben jedoch als gescheitert. Bereits in den vergangenen Tagen hatten Angriffe auf Frachtschiffe die Spannungen zwischen Washington und Teheran weiter verschärft. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran zuletzt mit Konsequenzen, signalisierte zugleich aber weiterhin Gesprächsbereitschaft.
Berichte: Oman schlägt freie Durchfahrt vor
Der Oman hatte zuletzt einen Kompromiss für den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus vorgeschlagen. Nach Informationen von CNN sollte die südliche Fahrrinne wie vor dem Krieg wieder frei befahrbar sein. Auch der Axios-Journalist Barak Ravid berichtete über den Vorschlag. Für die nördliche Route entlang der iranischen Küste wären demnach zwar Genehmigungen aus Teheran erforderlich, Gebühren sollten jedoch ebenfalls nicht erhoben werden. Über eine entsprechende Regelung hatten Vertreter des Irans und Omans zuvor in der Hauptstadt Maskat verhandelt. Die Gespräche wurden auf omanischer Seite von Außenminister Badr al-Busaidi und auf iranischer Seite von Außenminister Abbas Araghtschi geführt.
Auch in den News:
Gespräche Teil des Rahmenabkommens
Das omanische Außenministerium teilte mit, die Gespräche würden auf technischer und politischer Ebene weiterlaufen. Angaben zu dem Vorschlag machte der Oman nicht. Laut dem Reporter Ravid stand eine Zusage des Irans noch aus. Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran sieht vor, dass Teheran sich mit dem Oman in Abstimmung mit den Anrainerstaaten über die künftige Verwaltung der Meerenge einigen soll. US-Präsident Trump hatte eine Maut dabei mehrfach als inakzeptabel bezeichnet.
Teheran schwört Vergeltung für Chamenei
Die iranische Führung hat nach der Beisetzung des getöteten Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei Vergeltung angekündigt. In einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung, die seinem Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei zugeschrieben wurde, hieß es, Rache entspreche dem Willen des iranischen Volkes und werde erfolgen. Chamenei war am 28. Februar bei einem israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran ums Leben gekommen. Anschließend lieferten sich die USA und Israel mehr als fünf Wochen lang einen Krieg mit dem Iran, der erst mit der Anfang April vereinbarten Waffenruhe vorläufig endete.
Rätsel um Modschtaba Chamenei
Seit seiner Ernennung zum neuen obersten Führer des Irans vor mehr als vier Monaten ist Modschtaba Chamenei nicht mehr öffentlich aufgetreten. Sein Aufenthaltsort und sein Gesundheitszustand sind seither Gegenstand zahlreicher Spekulationen. US-Medien zufolge soll er bei dem israelischen Luftangriff, bei dem sein Vater ums Leben kam, schwer verletzt worden sein. Das iranische Staatsfernsehen bezeichnete ihn bereits vor Monaten als "Kriegsversehrten", ohne nähere Angaben zu machen. Zwar werden weiterhin Erklärungen über seine offiziellen Kanäle veröffentlicht, persönliche Video- oder Audiobotschaften des neuen Revolutionsführers gibt es bislang jedoch nicht.
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Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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