Umfrage
Immer mehr Deutsche sehen steigende Kriegsgefahr
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt stark an
Videoclip • 01:24 Min • Ab 12
Viele Bundesbürger:innen halten eine Kriegsbeteiligung Deutschlands innerhalb der nächsten fünf Jahre für möglich. Das ergab eine Umfrage unter 2.500 Menschen. Die Bedrohungslage schätzen fast alle Befragten als erhöht ein.
Das Wichtigste in Kürze
Eine große Mehrheit der Deutschen nimmt die militärische Bedrohungslage als gestiegen wahr.
Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 2.500 Menschen.
Ein Großteil der Befragten schließt auch einen Krieg mit deutscher Beteiligung in den nächsten Jahren nicht aus.
Mehr als ein Drittel der Deutschen hält eine direkte Kriegsbeteiligung der Bundesrepublik in den kommenden fünf Jahren für denkbar. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage, die am Mittwoch (15. Juli) erschien und dem "Tagesspiegel" vorliegt. Die Befragung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey ergab demnach, dass viele Deutsche ein gesteigertes Bewusstsein für die Bedrohungslage haben.
Rund 86 Prozent der 2.500 Befragten geben in der Umfrage an, die Gefahr durch hybride Angriffe wie Cyberattacken, Desinformation und Spionage sei angestiegen. Aus diesem Grund befürworteten viele eine größere Unabhängigkeit Europas auch in Verteidigungsfragen. Mehr als die Hälfte (52,3 Prozent) halten dem Bericht zufolge zur Finanzierung höherer Rüstungsausgaben Einsparungen in anderen Bereichen für berechtigt.
Auch in den News:
Mehrheit skeptisch in Bezug auf führende Rolle der Bundeswehr
Fast 70 Prozent der Befragten schließen demnach auch die Beschaffung europäischer Atombomben zur Verteidigung nicht mehr aus. "Deutschland könnte sich an einem europäischen Schirm finanziell beteiligen, ohne die Führung zu übernehmen", hatte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) gesagt. "Fachleute gehen von einer Entwicklungszeit von etwa fünf Jahren aus.
Dass die Bundeswehr bis 2035 jedoch die stärkste konventionelle Streitmacht in Europa wird, halten mehr als 75 Prozent der Befragten für unwahrscheinlich. Dieses im Mai 2025 von Bundeskanzler Merz erklärte Ziel schätzen lediglich 19 Prozent als realistisch ein.
Deutsche stellen Militär-Beistand der USA infrage
Wie es weiter heißt, würden auch die USA zunehmend nicht mehr als verlässlicher Partner gesehen. Nur jede:r zweite Befragte nimmt an, dass die Vereinigten Staaten ihren europäischen Partnern in einem Kriegsfall militärisch zur Seite stehen. "Die Mehrheit der Deutschen möchte eine stärkere Unabhängigkeit von den USA und verlangt nach mehr Europa", zitiert der "Tagesspiegel" Wolfgang Zink, Partner Public Sector Consulting bei PwC Deutschland. Stärkere Eigenverantwortung sei nach Ansicht der Mehrheit der Befragten wünschenswert.
PwC zufolge zeigt die Umfrage zudem, dass immer mehr Bürger:innen hohe Erwartungen an den Staat stellen: Zwei Drittel der Befragten äußertn die Meinung, dass der Katastrophen- und Zivilschutz schlecht aufgestellt ist. Fast 87 Prozent sprachen sich dafür aus, mehr zu investieren. Zugleich habe nur knapp die Hälfte der deutschen Haushalte Vorräte zu Hause. "Die Deutschen haben verstanden, dass sich die Zeiten geändert haben – und sie verlangen nach mehr Schutz", so Zink. Der Unterschied zwischen Erwartungen an die öffentlichen Stellen und dem eigenen Handeln bleibe jedoch bestehen.
Verwendete Quellen:
Tagesspiegel.de: "Bewusstsein für Bedrohungslage wächst: Mehr als ein Drittel der Deutschen hält Kriegsbeteiligung binnen fünf Jahren für möglich"
Sueddeutsche.de: "Sorge um US-Schutz: Braucht Deutschland die Bombe?"
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