Angebliche Vermittlerrolle
Diese Kriege will Donald Trump beendet haben: Wo hat er Frieden gebracht?
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Iran: "Trump sendet widersprüchliche Signale“
Videoclip • 02:44 Min • Ab 12
Das US-Militär hat den Iran angegriffen. Doch ginge es nach dem US-Präsidenten, hätte er längst den Friedensnobelpreis erhalten. Wo hat Trump wirklich etwas bewegt?
Das Wichtigste in Kürze
US-Präsident Trump ist fest davon überzeugt, dass seine Administration seit ihrem Amtsantritt zahlreiche Kriege beendet hat.
Manche Expert:innen bewerten den Beitrag Trumps aber anders als der US-Präsident selbst – und mittlerweile sind Kriege wieder aufgeflammt.
Vom Nahen Osten bis Südostasien: Ein Überblick über die Kriege, die Trump befriedet haben will.
Der Friedensnobelpreis 2025 blieb Donald Trump verwehrt. Offenbar ließen weder das fragliche Trostpflaster "FIFA-Friedenspreis" noch die Medaille der Preisträgerin María Corina Machado diese Wunde heilen. Obwohl er "acht Kriege Plus beendet" habe, sei er nicht ausgezeichnet worden, schrieb er Medienberichten zufolge an Norwegens Ministerpräsidenten Støre. Vor dem Hintergrund des Grönland-Konflikts erklärte Trump, er fühle sich nun "nicht mehr verpflichtet, ausschließlich an Frieden zu denken".
Wenige Monate später hat die USA im Verbund mit Israel die Führung des Iran angegriffen, die Region schwankt zwischen Hoffen und Bangen. Dabei zählt der Konflikt zwischen den beiden Erzfeinden im Nahen Osten zu den Konflikten, die Trump selbst gelöst haben will. Ohnehin bildete sich Trump stets viel ein auf seine angebliche Vermittlerrolle. Auch, wenn er bei Wladimir Putins Ukraine-Krieg trotz "Friedensplan" noch auf Granit beißt.
Gelegentlich springt bei seinen Friedensbemühungen auch noch ein guter Deal für die USA heraus. Anfang Dezember wurde im – entsprechend umbenannten – Donald-J.-Trump-Friedensinstitut in Washington wieder ein Abkommen geschlossen, zuletzt hatte sich der "Friedensrat" für Gaza formiert. Doch andere Konflikte flammten bereits wieder auf.
Welche Konflikte Trump gelöst haben will, und wie es wirklich um den Frieden in diesen Regionen steht:
Iran und Israel: Zwei Kriege in Trumps Amtszeit
Es herrscht wieder Krieg im Nahen Osten: Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran zum Atomprogramm sind gescheitert – am Samstagmorgen (28. Februar) hatten Israel und die USA den Iran angegriffen und unter anderem Atomanlagen und Regierungsgebäudeins Visier genommen. Es folgten iranische Vergeltungsschläge, das Mullah-Regime nahm sowohl Israel als auch US-Militärbasen in der Region unter Beschuss.
Trump rief im Zuge der Operation "Gewaltiger Zorn" ebenso die Iraner:innen zu einem Sturz der islamistischen Führung auf wie Israels Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz. Nachdem das Mullah-Regime Proteste im Iran blutig niederschlagen ließ, gab es tausende Tote. Netanjahu erklärte damals, er sei "tief beeindruckt" vom Freiheitskampf der Iraner:innen. Der nun wieder entbrannte Krieg zählt zu denen, die Trump vor kurzem noch als von ihm höchstselbst befriedet wertete.
Denn bereits im Juni 2025 war der jahrzehntelange Schattenkrieg zwischen Israel und dem Iran in offene Kampfhandlungen eskaliert. Nachdem Israel iranische Atomanlagen angegriffen hatte, griffen auch die USA – auf Trumps Befehl – drei iranische Nuklearstandorte an. Trump sprach danach vom "verhinderten Weltkrieg" und forderte öffentlich den Rückzug israelischer Kampfjets. Zwei Tage später verkündete er einen Waffenstillstand. Die Feuerpause kam auch dank Katar zustande.
Trotz dieses diplomatischen Erfolgs blieb der Grundkonflikt um das iranische Atomprogramm ungelöst. Analyst:innen wiesen damals bereits darauf hin, dass die Waffenruhe zwar halte, ein umfassender Frieden aber nicht in Sicht sei – sie sollten Recht behalten.
Naher Osten: Komplizierte Phase 2
Für viele Expert:innen und Staats- und Regierungschef:innen war es ein diplomatischer Erfolg, der Trump zu verdanken ist: das Gaza-Abkommen zwischen der Hamas und Israel. Beide Parteien hatten sich im Oktober 2025 auf einen 20-Punkte-Plan der US-Administration geeinigt.
Beobachter:innen zufolge brachte Trumps Team alle in den Krieg involvierten Parteien dazu, den bewaffneten Konflikt vorerst auf Eis zu legen und nach über zwei Jahren die Rückkehr der israelischen Geiseln im Gazastreifen nach Israel zu ermöglichen.
Allerdings gilt die Waffenruhe immer noch als brüchig, beide Seiten werfen sich Verstöße vor. Während die Hamas eine Entwaffnung nach wie vor ablehnt, hat Israel die sogenannte gelbe Linie schärfer gezogen – und die Fläche des Gazastreifens de facto weiter verkleinert.
Später hatte der US-Präsident "offiziell" den Eintritt in die zweite Phase des Plans verkündet, obwohl sich die sterblichen Überreste einer Geisel noch im Gazastreifen befunden hatten. Mittlerweile sind wirklich alle toten Geiseln wieder in Israel, das seinerseits tote Palästinenser übergeben hat. Damit ist die zweite Phase auch laut Plan erreicht: Diese umfasst die Entwaffnung der Hamas, die Einsetzung einer technokratischen Übergangsregierung und den Beginn des Wiederaufbaus des Gazastreifens, für den Trumps "Friedensrat" eine Milliardenhilfe versprochen hat. Eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) soll ebenfalls aufgestellt werden.
Kambodscha und Thailand: Dauerstreit über Grenzfragen
Keine zwei Monate nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens war der Konflikt in der Grenzregion von Thailand und Kambodscha Anfang Dezember vergangenen Jahres erneut eskaliert – bereits das zweite Mal nach einem Zwischenfall im November 2025. Seit dem 27. Dezember gilt eine Waffenruhe. Beide Seiten beteuerten nach Gesprächen in China, auf eine Entspannung des Konflikts hinarbeiten zu wollen. Dabei tritt Peking als Vermittler auf.
Die Nachbarländer hatten sich zuvor gegenseitig beschuldigt, die damals geltende Waffenruhe verletzt zu haben. Nach mutmaßlichen kambodschanischen Raketenbeschüssen und Luftangriffen von thailändischer Seite waren in beiden Ländern Opfer zu beklagen und Tausende Menschen auf der Flucht.
Bereits Ende Juli 2025 war es zu schweren Gefechten an der thailändisch-kambodschanischen Grenze gekommen. Trump hatte sich damals per Telefon eingeschaltet und drohte beiden Seiten mit dem Abbruch laufender Handelsverhandlungen: "Wir wollen mit keinem der beiden Länder einen Deal schließen, wenn sie kämpfen."
Wenig später vereinbarten die Konfliktparteien eine erste Waffenruhe. Kambodschas Premier Hun Manet nominierte Trump für den Friedensnobelpreis. Allerdings hatte auch Malaysia aktiv vermittelt. Expert:innen sahen Trumps Beitrag ohnehin eher in Form der Nutzung von Druckmitteln, als strategischer Vermittler sei er eher nicht aufgetreten. Fazit: Sein Frieden war nicht von Dauer, jetzt ist China am Zug.
Kongo und Ruanda: Ein langjähriger Konflikt in Afrika
Für den Friedensvertrag zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo ließ sich Trump im Dezember ebenfalls feiern. Das Abkommen soll den seit mehr als 30 Jahren währenden blutigen Konflikt im rohstoffreichen Ostkongo beenden – und nebenbei auch lukrative Deals ermöglichen. Mit beiden Ländern werde die USA laut Trump bilaterale Abkommen über den Abbau seltener Erden unterzeichnen. Einige der bedeutendsten US-Unternehmen sollen nach Ruanda und in den Kongo entsendet werden. Kommentar Trump: "Alle werden viel Geld verdienen."
Bereits im Juni 2025 hatte Trump ein Abkommen zwischen den beiden afrikanischen Ländern vermittelt. Doch auf dem Boden war die Lage weiter eskaliert. Die M23-Miliz war nicht Teil der Verhandlungen in den USA. Die UNO hatte gewarnt, die Gewalt sei "völlig losgelöst von den Gesprächen". Richard Moncrieff von der International Crisis Group urteilte: "(Trump) hat absolut nichts beendet." Zwar hatte der US-Präsident Bewegung in die diplomatische Ebene gebracht, doch der Konflikt im Osten Kongos blieb eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt.
Auch weiterhin? Die Zukunft wird zeigen, ob mit dem neuen Friedensvertrag Besserung einkehrt. Während der ruandische Präsident Paul Kagame Trump in seiner Rede lobte, sprach Félix Tshisekedi, der Präsident der Demokratischen Republik Kongo, von einem langen, schwierigen Weg. Während der Zeremonie würdigten sich die Staatschefs kaum eines Blickes, auf den Handschlag verzichteten sie gleich ganz.
Ägypten und Äthiopien: Wortgefecht um den Nil
Der jahrzehntelange Konflikt um die Wasserrechte des Nils zwischen Ägypten und Äthiopien eskalierte im vergangenen Jahr erneut mit der Einweihung eines Staudamms. Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit versucht, zu vermitteln, setzte Wirtschaftshilfen aus und brachte die Parteien an den Verhandlungstisch. Ein Durchbruch gelang ihm nicht.
Obwohl das Weiße Haus den Streit für beigelegt erklärte, bleibt der Konflikt ungelöst. "Sie waren in einem bitteren Krieg der Worte", sagte der Sicherheitsexperte Moses Chrispus Okello gegenüber der US-Zeitung "The Hill". Echte Kampfhandlungen hätten aber nie stattgefunden. Trumps Rolle in dem Konflikt scheint begrenzt zu sein – und ein echter Friedensschluss steht aus.
Armenien und Aserbaidschan: Ein jahrzehntelanger Konflikt
Im August 2025 kamen Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan und Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev im Weißen Haus zusammen – mit Trump als Gastgeber. Unterzeichnet wurde ein Abkommen über den Bau einer neuen Handelsstraße, der "Trump Route for International Peace and Prosperity" (TRIPP). Eine Handelsstraße, die Aserbaidschan Zugang zu Nachitschewan gewähren soll, ohne Armeniens Souveränität zu verletzen.
Trump erklärte: "Wir haben es endlich geschafft, Frieden zu schließen." Marcel Röthig von der Friedrich-Ebert-Stiftung betonte aber gegenüber dem ZDF: "Es ist ein Schritt, keine Frage, aber es ist eben noch nicht der finale Punkt unter dem Konflikt." Der Konflikt gilt als abgekühlt, aber nicht endgültig gelöst.
Jedoch haben sich die Beziehungen der lange verfeindeten Republiken im Südkaukasus nach Trumps Initiative anscheinend spürbar verbessert. Armenien hat den aserbaidschanischen Präsidenten, Ilham Aliyev, zum Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) 2026 in Eriwan eingeladen.
Indien und Pakistan: Streit um Rolle Trumps
Nach heftigen Gefechten im Mai 2025, bei denen Dutzende Menschen auf beiden Seiten starben, verkündete Trump über Truth Social eine Waffenruhe zwischen den Atommächten Indien und Pakistan. Er schrieb dies einer "langen Nacht der Verhandlungen" unter US-Vermittlung zu verdanken. Während Pakistan ihn daraufhin für den Friedensnobelpreis vorschlug, wies Indien jede Rolle Washingtons zurück.
Die Lage zwischen den Erzrivalen bleibt angespannt. Indiens Premierminister Modi sagte nach der Vereinbarung, das militärische Vorgehen gegen Pakistan nur ausgesetzt zu haben. Im Fall von Terrorattacken werde man Vergeltung üben. Das pakistanische Außenministerium erklärte daraufhin, Indien betreibe eine "gefährliche Eskalation, basierend auf Desinformation, politischem Opportunismus und einer eklatanten Missachtung des Völkerrechts".
Kosovo und Serbien: Frieden ohne Krieg?
Trump verweist zudem gerne auf seine Rolle im Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo, dabei gab es keine Kampfhandlungen. Bereits 2020 vermittelte er ein Wirtschaftsabkommen, das vor allem den bilateralen Handel fördern sollte. Trump behauptet, ein "großer Krieg" sei durch seine Drohungen gegen Serbien verhindert worden.
Doch NATO-Diplomat:innen bleiben skeptisch – konkrete Belege für eine bevorstehende Eskalation fehlen. Der Statuskonflikt bleibt bestehen: Serbien erkennt den unabhängigen Kosovo weiterhin nicht an.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Handelsblatt: US-Präsident Trump erhält erstmals vergebenen Fifa-Friedenspreis
The Hill: "Did Trump end 7 wars? What to know ahead of Nobel Peace Prize announcement"
ZDF heute: "Wie stehen Trumps Chancen auf den Friedensnobelpreis?"
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