Abgeordnetenhauswahl in Berlin

Kann Evers die CDU noch retten?

Veröffentlicht:

von Damian Rausch

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CDU hofft auf Evers-Effekt

Videoclip • 57 Sek • Ab 12


Nach dem Rückzug von Kai Wegner braucht die Berliner CDU einen neuen Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl. Die Kreisvorsitzenden der Hauptstadt haben sich auf einen Namen verständigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Berliner CDU will mit Finanzsenator Stefan Evers in den Wahlkampf ziehen.

  • Kai Wegner zog nach anhaltender Kritik und mehreren Widersprüchen die Konsequenzen.

  • Mit Evers hofft die CDU, bis zur Wahl wieder deutlich an Zustimmung zu gewinnen.

Zwei Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus stellt die CDU ihre Wahlkampfspitze neu auf. Nach dem Rückzug von Kai Wegner soll künftig Finanzsenator Stefan Evers die Partei als Spitzenkandidat anführen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Darauf verständigten sich die Kreisvorsitzenden der Berliner CDU am Freitagabend. Das bestätigte Fraktionschef Dirk Stettner nach dem Treffen.

Wegner hatte zuvor überraschend erklärt, nicht mehr als Spitzenkandidat antreten zu wollen. Vorausgegangen waren monatelange Debatten über seine unterschiedlichen Darstellungen zum Krisenmanagement während des großflächigen Stromausfalls in Berlin zu Jahresbeginn.

Nach Angaben Stettners sprach sich die Runde der Kreisvorsitzenden geschlossen für Evers aus. Der Landesvorstand soll die Empfehlung nun zeitnah bestätigen und über das weitere Vorgehen entscheiden. Die CDU will den Wahlkampf nach eigenen Angaben ab sofort mit Stefan Evers an der Spitze fortsetzen.

Auch in den News:

Zustimmung aus anderen Bundesländern

Stefan Evers erhält auch Unterstützung aus anderen Bundesländern. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bezeichnete ihn im "Tagesspiegel" als "die perfekte Wahl für Berlin". Evers könne Menschen zusammenführen und zugleich Führungsverantwortung übernehmen. Wüst traue ihm zu, die Hauptstadt als Regierender Bürgermeister langfristig erfolgreich zu gestalten.

Auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) stellte sich hinter den Finanzsenator. Evers sei der richtige Kandidat, um einen erfolgreichen und zügigen Wahlkampf zu führen. Zudem verwies Rhein darauf, dass Berlin unter Evers als Finanzsenator nach dem Wahlchaos der rot-rot-grünen Vorgängerregierung wieder auf Kurs gekommen sei.


Stefan Evers soll die Berliner CDU aus dem Umfragetief führen.

Stefan Evers gilt innerhalb der Berliner CDU als vielseitiger Politiker. Der 46-Jährige ist seit 2023 Finanzsenator und führt seit dem Rücktritt von Sarah Wedl-Wilson Ende April zusätzlich die Kulturverwaltung. Viele Parteimitglieder setzen nun auf ihn, um die CDU nach zuletzt schwachen Umfragewerten wieder in die Erfolgsspur zu führen.

Kai Wegner begründete seinen Rückzug damit, dass die anhaltende Debatte um seine Person die politischen Inhalte überlagere. Eigene kommunikative Fehler räumte er ein. Bei der Wahl im September will er erneut für das Abgeordnetenhaus kandidieren, ein Senatorenamt in einer möglichen neuen CDU-geführten Regierung schließt er jedoch aus. Bis zur Bildung einer neuen Landesregierung bleibt Wegner Regierender Bürgermeister. Seit dem Stromausfall Anfang Januar, von dem rund 100.000 Berliner betroffen waren, stand er wegen seines Krisenmanagements zunehmend unter Druck.

Wegner hielt Tennismatch geheim

Besonders belastend für Wegner waren die anhaltenden Widersprüche rund um sein Verhalten während des großflächigen Stromausfalls Anfang Januar. Zunächst hatte er verschwiegen, am ersten Krisentag eine Stunde Tennis gespielt zu haben. Später kamen weitere Unstimmigkeiten zu seinem Tagesablauf ans Licht.

So berichtete der "Tagesspiegel", die Senatskanzlei habe erklärt, Wegner habe vor 12.45 Uhr keine dienstlichen Telefonate zum Blackout geführt. Zuvor hatte der Regierende Bürgermeister jedoch angegeben, bereits kurz nach 8 Uhr mit Krisenstäben und dem Stromnetzbetreiber telefoniert zu haben. Außerdem widersprach das Bundeskanzleramt einer Aussage Wegners, wonach er während des Stromausfalls mit Bundeskanzler Friedrich Merz gesprochen habe. Insgesamt sorgten mehrere nachträglich widerlegte Angaben für anhaltende Kritik.

Kritik wurde immer lauter

Nach den neuen Enthüllungen wurden die Rücktrittsforderungen lauter. FDP und AfD forderten Konsequenzen, auch innerhalb der CDU wuchs der Druck auf Kai Wegner. Während die Parteiführung zunächst an ihm festhielt, mehrten sich zuletzt die Stimmen, die einen personellen Neuanfang verlangten. Auch Koalitionspartner SPD distanzierte sich zunehmend. Spitzenkandidat Steffen Krach schloss eine weitere Zusammenarbeit mit Wegner nach der Wahl ausdrücklich aus.

Trotz seiner Wahl zum CDU-Spitzenkandidaten mit knapp 93 Prozent im Juni geriet Wegner politisch immer stärker unter Druck. Parallel fielen die Umfragewerte der CDU deutlich. In einer aktuellen Infratest-dimap-Erhebung lag die Partei nur noch bei 17 Prozent und damit hinter Linken, Grünen und AfD. Nun setzt die CDU auf Stefan Evers, um bis zur Wahl wieder deutlich an Zustimmung zu gewinnen.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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