Debatte um Mehrarbeit
Kehrt Mercedes-Benz zur 40-Stunden-Woche zurück?
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
VDA fordert Reformen für den Autostandort Deutschland
Videoclip • 01:25 Min • Ab 12
Mercedes-Benz hat eine Diskussion über längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich angestoßen, um die Kosten an seinen deutschen Produktionsstandorten weiter zu senken. Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden, verlangte der Vorstand des Autoherstellers.
Das Wichtigste in Kürze
Bei Mercedes-Benz soll künftig eventuell wieder länger gearbeitet werden.
Aktuell gilt an deutschen Standorten des Autobauers die 35-Stunden-Woche.
Sie soll nach Plänen des Konzernvorstands ohne Lohnausgleich auf 40 Stunden ausgeweitet werden.
"Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten": Das hat der Vorstand des Autobauers Mercedes-Benz seinen etwa 108.000 Beschäftigten in Deutschland angekündigt. Mit der Arbeitnehmervertretung werde man in den nächsten Wochen und Monaten darüber sprechen, wie man die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens in Deutschland sichern könne, meldet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) weiter.
Der Standort Deutschland habe neben weltweiten Einschränkungen beim Freihandel und dem chinesischen Markt stark an Wettbewerbsfähigkeit verloren, heißt es in dem Schreiben des Vorstands. Deshalb müsse Mercedes handeln: "Der Erfolg unserer Produktoffensive droht zu verpuffen, wenn zu hohe Kosten die Erträge auffressen.". Trotz aller Anstrengungen sei die Situation heute in Deutschland dramatisch. Jede Vergabe neuer Produkte und jede Zuweisung von Aufgaben an deutsche Standorte verschlechterten die relative Kostenposition.
Ricarda Lang: "Nichts anderes als eine Lohnkürzung"
Die ehemalige Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang kritisierte die Überlegung, die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich einzuführen. "Das ist nichts anderes als eine Lohnkürzung", sagte Lang in der Sendung "Frühstart" des Fernsehsenders ntv. Wenn für die Mitarbeiter bei gleichem Lohn die Arbeitszeit steige, hätten sie einen geringeren Stundenlohn. "Dann soll man es bitte auch als solches benennen."
Als Sofortmaßnahme strich Mercedes dpa zufolge bereits eine tarifliche Sonderzahlung an 90.000 Mitarbeiter:innen, die eigentlich im Juli ausgezahlt werden sollte. Diese werde auf das kommende Jahr verschoben,, so der Vorstand. Bei der Sonderzahlung handelt es sich um den jährlichen "Transformationsbaustein". Dieser beträgt laut dpa 18,4 Prozent vom regelmäßigen individuellen Monatsentgelt. Die IG Metall schreibt auf ihrer Website, dass Unternehmen in wirtschaftlichen Krisen die Sonderzahlung verschieben oder aussetzen könnten.
Auch in den News:
Gesamtbetriebsrat kritisiert Pläne für Mehrarbeit
Der Gesamtbetriebsrat des Stuttgarter Autoherstellers bezeichnete die Verschiebung der Sonderzahlung als "einseitige Entscheidung des Unternehmen". Die Ursachen der aktuellen Herausforderungen lägen nicht bei den Beschäftigten, dennoch sollten jetzt erneut die Beschäftigten einen erheblichen Teil der Last tragen.
Auch die angestoßene Debatte über längere Arbeitszeiten bei identischem Entgelt sieht der Gesamtbetriebsrat kritisch. Insbesondere vor dem Hintergrund einer teilweise geringeren Auslastung an den deutschen Standorten sei das kein überzeugendes Zukunftskonzept. "Wer Wettbewerbsfähigkeit in erster Linie über unbezahlte längere Arbeitszeiten definiert, macht es sich zu einfach", so der Gesamtbetriebsrat.
Gewinneinbrüche machen Mercedes-Konzern zu schaffen
Mercedes hat seit Längerem mit Rückschlägen zu kämpfen, schreibt dpa weiter. Im ersten Quartal dieses Jahres sank das Konzernergebnis um 17,2 Prozent. 2025 war der Gewinn um knapp die Hälfte von 10,4 Milliarden Euro auf 5,3 Milliarden Euro eingebrochen, nachdem es schon 2024 schlechter gelaufen war. Als Gründe dafür wurden Zölle, negative Wechselkurseffekte und der intensive Wettbewerb in China angegeben. Rückläufig entwickelten sich auch Absatz und Umsatz., weshalb der Konzern vor etwas mehr als einem Jahr ein Sparprogramm aufgelegt hatte.
In der deutschen Autoindustrie ist bei den tarifgebundenen Unternehmen die 35-Stunden-Woche Standard, auch bei Mercedes-Benz. Gesetzlich verpflichtend sei sie nicht. In anderen Berufen sind Arbeitszeiten von 38 bis 40 Stunden pro Woche üblich. Die Höhe des Gehalts bleibt bei einer verkürzten Arbeitszeit meistens gleich. Bei vollem Lohnausgleich muss weniger gearbeitet werden. Angesichts der aktuellen Krise der deutschen Autobranche ist die Debatte um eine längere Arbeitszeit wieder neu entbrannt.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
tagesschau.de: "Debatte über Wochenarbeitszeit: Zurück zur 40-Stunden-Woche?"
n-tv.de: "Grüne Lang kritisiert Autobauer: "40-Stunden-Woche ist Lohnkürzung""
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