Nichts geht mehr!
Evakuierungen in Potsdam wegen Weltkriegsbombe: Das müssen Anwohner und Pendler wissen
Aktualisiert:
von Andrea Ege:newstime
So arbeitet die Polizei in Deutschland
Videoclip • 01:46 Min • Ab 12
Nichts geht mehr in großen Teilen der Potsdamer Innenstadt: Am Dienstag (16. Juni) wird dort eine Bombe entschärft. Tausende Menschen sind von den Evakuierungen betroffen. Auch der Hauptbahnhof, die größte Kreuzung und die wichtigste Brücke sind gesperrt. Die wichtigsten Fragen - und Antworten.
Das Wichtigste in Kürze
Der Sperrkreis im Zentrum von Potsdam hat einen Radius von rund 700 Metern.
Für Autofahrer:innen empfiehlt die Stadt eine weiträumige Umfahrung.
Betroffen ebenfalls: der Hauptbahnhof sowie der öffentliche Nahverkehr.
Rund 6.500 Menschen in der Potsdamer Innenstadt müssen am Dienstag (16. Juni) wegen der Entschärfung einer 250 Kilogramm schweren Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg vor 8:30 Uhr ihre Wohnungen verlassen. Für die Aktion werden große Teile des Zentrums geräumt.
Um den Fundort der Bombe wird ein Sperrkreis mit einem Radius von rund 700 Metern eingerichtet. Betroffen von der großräumigen Evakuierung sind auch der Hauptbahnhof, die Landtagsgebäude sowie eine große Kreuzung und eine wichtige Brücke.
Wie lange dauert die Evakuierung?
Die Frage, wann die Evakuierung wieder aufgehoben werden soll, ließ die Stadtverwaltung noch offen. Zwar sagte der beauftragte Sprengmeister Mike Schwitzke, er rechne damit, dass die Entschärfung nur 30 Minuten bis eine Stunde dauern werde. Allerdings hinge die tatsächlich für die Aktion aufgebrachte Zeit auch davon ab, wie effektiv die Einrichtung des Sperrkreises verläuft. Je schneller dies umgesetzt werde, so der Sprengmeister, desto schneller könne die Maßnahme nach getaner Arbeit wieder aufgehoben werden.
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Was sind die Folgen für den öffentlichen Verkehr?
Durch die Sperrung des Hauptbahnhofs müssen sich tausende Pendler:innen auf Verkehrsbeeinträchtigungen einstellen. Die letzte S-Bahn aus Berlin kommt um 8:12 Uhr am Hauptbahnhof Potsdam an, der letzte RE 1 um 8:05 Uhr. Die S-Bahnen Richtung Berlin starten und enden ab 8:30 Uhr am S-Bahnhof Babelsberg.
Während der Entschärfung wird der Zugverkehr komplett eingestellt. Das betrifft auch die Potsdamer Tram-Linien 91, 92, 93 und 96. Die Busse starten und enden am Platz der Einheit, am Rathaus Babelsberg und Zentrum Ost. Sie dürfen nicht in den Sperrkreis fahren.
"Sobald der Sperrkreis wieder aufgehoben wird, laufen auch die Verkehre wieder an", kündigte ein Sprecher der Deutschen Bahn an. Bis dahin ruht der Verkehr an der größten Potsdamer Verkehrsstation. Die Verkehrsbetriebe planen nach Angaben der Stadtwerke ein "auf die Sperrung angepasstes Angebot".
Auch in den News:
Wie sind Autofahrer:innen betroffen?
Tatsächlich werden auch viele Pendler:innen von der Entschärfung betroffen sein. Wichtige Zufahrtsstraßen im Süden von Potsdam sind nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gesperrt. Deshalb rechne die Stadt mit einem deutlich erhöhtem Verkehrsaufkommen.
"Wir empfehlen eine weiträumige Umfahrung des gesamten Gebietes sowie mehr Zeit einzuplanen", hieß es von der Stadtverwaltung. Die Umleitungen seien ausgeschildert. Autofahrer:innen und Pendler:innen, die aus Richtung Süden kommen, werden während der Sperrung über Saarmund und Bergholz-Rehbrücke nach Potsdam geleitet.
Grundsätzlich rät die Stadtverwaltung von Potsdam, das Evakuierungsgebiet in der Innenstadt so weit wie möglich zu umfahren, da auch die vielbefahrene Kreuzung Leipziger Dreieck sowie die Lange Brücke zur Innenstadt von den Maßnahmen betroffen sind.
Wer ist noch von der Sperrung betroffen?
Das beliebte Museum Barberini liegt im Sperrkreis, hat jedoch dienstags Ruhetag. Das Kunsthaus "Das Minsk" bleibt ebenfalls am Dienstag geschlossen. Auch im Landtag, in der Staatskanzlei sowie in mehreren Ministerien steht während der Bombenentschärfung alles still. Die rund 250 bis 300 Mitarbeiter:innen, die normalerweise an einem Dienstag vor den Plenarsitzungen im Landtag anwesend sind, werden laut der Landtagsverwaltung an diesem Tag im Homeoffice arbeiten.
Warum wird ausgerechnet an einem Dienstag entschärft?
Dies beantwortete die Stadt laut dpa nicht eindeutig. Demnach teilte eine Sprecherin auf Nachfrage nur Folgendes mit: "Nach Begutachtung des Fundes sowie des Fundortes durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg wurde gemeinsam mit der Einsatzleitung der konkrete Tag der Entschärfung festgelegt."
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Wie verläuft die Entschärfung der Potsdamer Bombe?
Diese Frage beantwortete Sprengmeister Schwitzke ganz klar: Geplant sei, die Zündkette zu unterbrechen, den Zünder mit der Hand rauszudrehen und dann die Bombe abzutransportieren - ein Eingriff, den er bereits zigmal durchgeführt habe. "Tagesgeschäft", so Schwitzke.
Wird zum ersten Mal eine Bombe in Potsdam entschärft?
Die Bombenentschärfung am Dienstag ist nicht die erste ihrer Art im Herzen von Potsdam. Bereits im Januar 2019 wurde eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe US-amerikanischer Bauart aus dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe des Hauptbahnhofs gefunden. Damals waren rund 5.900 Menschen von der einhergehenden Evakuierung betroffen.
Wie reagieren Kita, Pflegeheime und Geschäfte?
Die Kita Havelblick plant laut dpa, ihre Kinder für die Zeit der Evakuierung in anderen Kitas unterzubringen. Die betroffenen Pflegeheime werden ihre Bewohner:innen ebenfalls auf andere Potsdamer Häuser verteilen. Manche der teils schwerstpflegebedürftigen Menschen werden im Krankenhaus betreut. Extra Versorgungsstationen seien jedoch laut einem Sprecher eines Pflegeheims nicht nötig.
Ab 8:30 Uhr sind laut den Angaben der Betreiber natürlich auch die Geschäfte am Hauptbahnhof geschlossen. Sobald alles vorbei sei, werde der Betrieb zeitnah wieder anlaufen, sagte ein Mitarbeiter des Centermanagements. Manche Bäckereien haben bereits vor der Evakuierung geöffnet und schließen dann. "Meist tritt erstaunlich schnell die Normalität ein."
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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