Mit Verspätung
Strecke Hamburg–Berlin wieder frei: Deutsche Bahn beendet Generalsanierung
Veröffentlicht:
von Fabia Söllner:newstime
Bahn rüstet auf: Bodycams gegen Gewalt
Videoclip • 01:51 Min • Ab 12
Mit dem Ende der Sanierung kehrt auf der Strecke Berlin – Hamburg wieder Normalität ein: Tausende Pendler sparen sich den Bus-Ersatzverkehr, während Fernzüge wieder direkt verkehren können.
Das Wichtigste in Kürze
Die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin wurde wieder freigegeben.
Die geplante Sperrung wurde sechs Wochen überzogen.
Die Deutsche Bahn warnt vor möglichen Verspätungen.
Mit sechs Wochen Verspätung ist die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin wieder in Betrieb gegangen. Der erste Fernverkehrszug verließ den Hamburger Hauptbahnhof am Sonntagmorgen (14. Juni) mit geringer Verspätung um 5.36 Uhr in Richtung Berlin, teilte die Deutsche Bahn mit. "Die Strecke ist wieder freigegeben, zwischen Hamburg und Berlin rollen die ersten Züge", erklärte das Unternehmen.
Bereits am Samstag wurden die ersten Güterzüge über die frisch sanierte Strecke geleitet. Auch Regionalzüge nahmen den Betrieb auf dem Abschnitt früher als geplant wieder auf. Von Berlin aus rollten ebenfalls die ersten Züge über die modernisierte Verbindung in Richtung Hamburg.
Die Deutsche Bahn empfiehlt Reisenden, sich vor Fahrtantritt über die aktuellen Abfahrtszeiten zu informieren. "Bei einer Inbetriebnahme dieses Ausmaßes kann es anfänglich noch zu Anlaufschwierigkeiten kommen", teilte das Unternehmen mit.
Deutsche Bahn: Winter sorgt für Verspätung
Vor allem für Tausende Pendler:innen bedeutet die Wiedereröffnung eine deutliche Entlastung: Sie sind nicht länger auf den Schienenersatzverkehr mit Bussen angewiesen. Während Fernzüge in den vergangenen Monaten über Stendal und Uelzen umgeleitet wurden, ruhte der Regionalverkehr auf der Strecke weitgehend. Einen ersten Abschnitt hatte die Bahn bereits Mitte Mai freigegeben. Seitdem verkehren Züge wieder durchgehend zwischen Hamburg und Schwerin.
Die Bauarbeiten an der wichtigen Verbindung hatten im August vergangenen Jahres begonnen. Ursprünglich sollte die sogenannte Generalsanierung Ende April abgeschlossen sein. Nach Angaben der Deutschen Bahn führten jedoch ein harter Winter und tief gefrorene Böden zu Verzögerungen. Der eingeplante Zeitpuffer habe nicht ausgereicht, um die Arbeiten wie vorgesehen abzuschließen.
Die verspätete Fertigstellung stieß in der Politik auf Kritik – auch wegen der kurzfristigen Kommunikation des Konzerns. Die Bahntochter DB InfraGo bedankte sich bei Fahrgästen, Anwohner:innen und Kommunen für ihre Geduld. "Mit Hamburg–Berlin haben wir die größte Korridorsanierung innerhalb des bis 2036 geplanten Programms nun abgeschlossen", sagte Vorstandschef Philipp Nagl.
Kritik kam unterdessen aus den Reihen der Regierungskoalition. "Für die kommenden Korridorsanierungen brauchen wir verlässliche Zeitpläne und eine transparente Kommunikation", sagte der Unions-Verkehrspolitiker Björn Simon dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Auch in den News:
Züge fahren langsamer als üblich
Seit Sonntag verkehren die Fernzüge auf der Strecke Hamburg–Berlin wieder im gewohnten Halbstundentakt, auch die Regionalzüge sind auf ihren regulären Linien zurück. Bis Ende des Monats müssen Fernverkehrszüge auf einzelnen Abschnitten allerdings noch langsamer fahren, da technische Systeme weiterhin getestet werden.
Nach Angaben der Deutschen Bahn verlängert sich die planmäßige Fahrzeit der ICE-Züge zunächst um zwei Minuten auf 107 Minuten. Die Anpassung gilt ausschließlich für den aktuellen Jahresfahrplan. Eine Bahnsprecherin erklärte, die Züge könnten technisch zwar schneller verkehren. Die längere Fahrzeit sei jedoch notwendig, weil insgesamt mehr Verkehr auf der Strecke abgewickelt werde.
So soll die Zahl der täglichen direkten Fernverkehrsverbindungen mit ICE und Railjet von bisher 38 auf künftig 52 Fahrten steigen. Auch die Städte Büchen in Schleswig-Holstein, Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern und Wittenberge in Brandenburg sind wieder an das Streckennetz angebunden. Die Verbindung Hamburg-Berlin gilt als einer der wichtigsten Eisenbahnkorridore Deutschlands. Sie ist zugleich Teil der internationalen Direktverbindung von Prag über Berlin und Hamburg bis nach Kopenhagen.
Gleise und Bahnhöfe erneuert
Im Zuge der Generalsanierung wurden 165 Kilometer Gleise vollständig erneuert und weitere 61 Kilometer instand gesetzt. Darüber hinaus ließ die Deutsche Bahn 249 Weichen einbauen, tauschte auf 25 Kilometern die Oberleitungen aus und erneuerte sie auf weiteren 22 Kilometern. Insgesamt wurden 28 Bahnhöfe entlang der Strecke modernisiert. In Wittenberge wurde der umfassend sanierte Bahnhof kurz vor der Wiederinbetriebnahme der Verbindung feierlich eröffnet.
Für das Großprojekt waren ursprünglich Kosten von rund 2,2 Milliarden Euro eingeplant. Aufgrund der sechswöchigen Verzögerung gilt eine Überschreitung dieses Budgets jedoch als wahrscheinlich. Eine abschließende Kostenbilanz könne erst nach dem vollständigen Abschluss aller Arbeiten gezogen werden, teilte die Deutsche Bahn mit.
Weitere Großprojekte in Planung
Mit den sogenannten Korridorsanierungen begann die Deutsche Bahn in der zweiten Jahreshälfte 2024. Den Auftakt machte die umfassende Modernisierung der Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt. Die Strecke Hamburg–Berlin galt anschließend als besonderer Belastungstest für das Konzept – nicht zuletzt wegen ihrer Länge von knapp 280 Kilometern und ihrer hohen Bedeutung für den Personen- und Güterverkehr. Vor Beginn der Bauarbeiten nutzten täglich rund 470 Züge die Verbindung. Allein im Fernverkehr wurden nach Angaben der Bahn etwa 30.000 Fahrgäste pro Tag zwischen den beiden Metropolen befördert.
Das Prinzip der Generalsanierung sieht vor, wichtige Strecken über mehrere Monate vollständig zu sperren, um möglichst viele Arbeiten gebündelt durchführen zu können. Bis Mitte der 2030er Jahre sollen auf diese Weise rund 40 zentrale Korridore des deutschen Schienennetzes grundlegend modernisiert werden. Angesichts des vielerorts schlechten Zustands der Infrastruktur gilt das Konzept in der Branche für viele Expert:innen als weitgehend alternativlos.
Während die Arbeiten auf der Strecke Hamburg–Berlin nun abgeschlossen sind, laufen an anderer Stelle bereits die nächsten Großprojekte an. So haben am Sonntag (14. Juni) die Bauarbeiten auf der Verbindung zwischen Obertraubling und Passau begonnen. Die Generalsanierungen der Strecken Hagen–Wuppertal–Köln sowie Nürnberg–Regensburg sollen nach aktuellem Stand im Sommer abgeschlossen werden.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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