Blackout-Gefahr
Wochenlange Stromausfälle? Bundesnetzagentur bereitet geheimen Notfallplan vor
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Bundesnetzagentur plant Plattform für Strom-Engpässe
Videoclip • 01:34 Min • Ab 12
Die Bundesnetzagentur baut eine digitale Plattform auf, mit der große Stromverbraucher im Krisenfall erfasst und gesteuert werden können. Bereitet sich Deutschland auf lang anhaltende Blackouts vor?
Das Wichtigste in Kürze
Still und heimlich installiert die Bundesnetzagentur seit 2024 eine "Sicherheitsplattform Strom".
Darüber könnten Medienberichten zufolge im Notfall Strom gedrosselt oder Anlagen abgeschaltet werden.
Während die Industrie beunruhigt ist, versucht die Behörde zu beruhigen.
Seit 2024 arbeitet die Bundesnetzagentur an einem Projekt, das in der Öffentlichkeit bislang kaum bekannt ist: einer "Sicherheitsplattform Strom". Über dieses System sollen große Stromverbraucher im Fall einer länger anhaltenden Strom-Mangellage zentral erfasst und gesteuert werden können. Zunächst hatte darüber "Apollo News" berichtet. Anschließend bestätigte die Behörde auf Nachfrage der "Welt" wesentliche Punkte.
Demnach müssen sich Unternehmen mit besonders hohem Stromverbrauch auf der Plattform registrieren. Im Krisenfall könnten sie mit einigen Tagen Vorlauf angewiesen werden, ihren Verbrauch zu senken oder zeitweise komplett zu stoppen. Die Bundesnetzagentur würde im Ernstfall die verfügbaren Strommengen zentral zuteilen. Das Konzept ähnelt Instrumenten, die bereits im Gasbereich genutzt werden.
Die "Welt" spricht in diesem Zusammenhang von einer Reaktion des Bundes auf die Gefahr "struktureller Mangellagen" und langer Blackouts.
Auch in den News:
Industrie beklagt "katastrophales Signal"
Die Bundesnetzagentur betont den Berichten zufolge allerdings, dass die Stromversorgung in Deutschland sehr sicher sei. Großflächige Störungen seien weiterhin sehr unwahrscheinlich. Die Plattform diene ausschließlich der Vorsorge für einen Ausnahmefall.
Dennoch sorgt das Vorhaben in der Industrie für Unruhe. Der "Welt" zufolge wird die angekündigte mehrtägige Vorwarnzeit dort eher als Hinweis auf länger anhaltende Engpässe verstanden denn als Vorbereitung auf plötzliche Netzstörungen. Auch die zusätzlichen Meldepflichten für Unternehmen werden kritisch gesehen. Ein Industrie-Vertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte der Zeitung: "Was sagt das über unser Stromsystem und die Qualität unseres Industriestandortes aus?“ Dies sende doch "ein katastrophales Signal" aus.
Doch genügend Strom in Deutschland vorhanden?
Die Debatte um mögliche Strom-Mangellagen steht laut "Focus" im Kontrast zur aktuellen Lage. Deutschland habe im ersten Halbjahr 2026 aus wirtschaftlichen Gründen so viel erneuerbaren Strom wie nie zuvor vom Markt genommen. Einer Analyse des Energieinformationsdienstes Montel zufolge wurden von Januar bis Juni rund 1.463 Gigawattstunden kommerziell abgeregelt – etwa 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Die Gründe: Betreiber schalteten ihre Anlagen bei niedrigen oder negativen Börsenpreisen freiwillig ab, weil sich die Einspeisung nicht mehr lohnte. Gleichzeitig sank die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen laut "Focus" von 389 auf 299.
Als Ursache nennt Montel im "Focus" vor allem das Solarspitzengesetz von 2025, durch das die Förderung für neue Anlagen bei Preisen unter null entfällt. Gleichzeitig stieg die Produktion von Solar- und Windstrom weiter an. Für das Gesamtjahr 2026 wird ein neuer Höchstwert von rund 1.985 Gigawattstunden abgeregeltem Strom erwartet.
Verwendete Quellen:
Welt: "Geheime Planungen – Bundesnetzagentur bereitet Deutschland auf lang anhaltende Stromausfälle vor"
Focus: "Netzagentur bereitet Notfall-Plan für Strommangel vor"
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