Nach Buckelwal Timmy
Verletzter Wal vor Wismar: Meeresmuseum äußert sich – droht Hartwin ein neues Rettungsdrama?
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Neuer Buckelwal in der Ostsee gesichtet (23. Juni)
Videoclip • 58 Sek • Ab 12
Droht ein weiterer Timmy-Albtraum? Erneut hat es ein verletzter Wal nach Wismar geschafft. Möglicherweise handelt es sich um den zuvor gesichteten Hartwin. Warum die Ostsee nun häufiger Buckelwal-Besuch bekommen könnte und wie Expert:innen zu einer Rettungsaktion stehen.
Das Wichtigste in Kürze
Im Hafen vor Wismar in Mecklenburg-Vorpommern schwimmt wieder ein Wal.
Sein Körper schimmert weißlich unter der Meeresoberfläche – ähnlich wie der zuvor bei Dänemark und Kiel gesichtete Buckelwal Hartwin.
Ob es sich um denselben Wal handelt, ließe sich laut Deutschem Meeresmuseum nicht eindeutig sagen.
Der mehrmals gestrandete Buckelwal Timmy sorgte wochenlang für Aufruhr vor der Küste Wismars. Nur vier Monate später kommt der nächste Ostsee-Besucher. Das Deutsche Meeresmuseum geht davon aus, dass es sich bei dem Tier um den stark geschwächten Hartwin handelt, der zuvor in Dänemark, der Flensburger Förde und vor Kiel gesichtet wurde. Was das vermehrte Buckelwal-Aufkommen in Deutschland bedeutet und warum ihre Rettung laut einer Expertin "höchstgradig schwierig und problematisch" ist.
Auch in den News:
Scharfe Kritik an privater Rettungsaktion
Im Hafen von Wismar in Mecklenburg-Vorpommern schwimmt ein Buckelwal. Offensichtlich ist es nicht der im offenen Meer ausgesetzte Timmy, denn der wurde kurz darauf tot aufgefunden. Es könnte sich jedoch um einen ebenfalls bereits bekannten Gast handeln.
"Die aktuellen Fotos aus dem Wismarer Hafen lassen aufgrund des weißlichen vorderen Bereichs mit rotbrauner Verfärbung vermuten, dass es der Wal aus Kiel ist", so eine Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Der von Medien Hartwin genannte Wal wirkt auf Expert:innen stark geschwächt. Er drohe zu ertrinken, könnte aber auch, wie sein Vorgänger, stranden. Droht ihm dann eine ähnlich dramatische Rettungsaktion wie die von Timmy?
Bei Timmy habe es sich ja "nicht wirklich um eine Rettung gehandelt", so Tierärztin Alexandra Dörnath gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). "Das war ein Spektakel, eine Verklappung auf hoher See eines moribunden, sterbenden Tieres." Bisher gebe es in Deutschland keinen klaren Ablauf, wie man in so einem Fall agiere. "Andere Länder haben solche Protokolle dahingehend zum Beispiel, dass man sagt: ein Versuch innerhalb von 24 Stunden und das war's."
Klar sei: Das Tier brauche vor allem Ruhe. Demnach befürworte die Tierärztin das Handeln der zuständigen Behörden in Wismar, die die Menschen dazu anhalten, dem Wal fernzubleiben. "Dass niemand diese Tiere belästigt, niemand da mit einem Selfie-Stick auftaucht, das ist schon das Richtige", so Dörnath im MDR-Interview.
Buckelwale in der Ostsee-Falle
Das Buckelwal-Jahr 2026: Woran liegt es, dass es aktuell so viele Sichtungen der Meeressäuger gibt? Alexandra Dörnath sieht hier einen Trend. Das Risiko, dass häufiger Wale in der Ostsee stranden und sterben, steige. "Die flache Ostsee ist zum einen eine Brandungs- und Sackgassenfalle", so die Expertin. Dies sei ein "Hochrisikogebiet" für Großwale.
Auch menschengemachte Faktoren dürften nicht außer Acht gelassen werden, so etwa Unterwasserlärm durch den starken Schiffsverkehr. Für die Tiere sei es leicht, vom offenen Meer über den trichterförmigen Eingang in die dänische Meerenge Skagerrak zu geraten. "Es ist aber schwierig, insbesondere aufgrund des menschengemachten Lärms, dort wieder herauszukommen."
Der Leiter eines Forschungszentrums in Dänemark, Heiko Buch-Illing, gab im Gespräch mit :newstime noch eine andere Erklärung für das hohe Wal-Aufkommen. "Der Population geht es sehr gut", so der Experte. Der Buckelwalbestand wachse und damit auch der Druck der in den populären Lebensräumen lebenden Tiere. Die Wale würden ihr Gebiet damit zunehmend ausweiten. Ob der aktuelle Buckelwal vor Wismar zu diesen Tieren gehört, lässt sich nicht abschließend sagen – ebenso wenig, ob es sich um den bekannten Wal Hartwin handelt.
Wal vor Wismar ist verletzt
"Trotz vergleichbarer Auffälligkeiten bei der Verfärbung und Hautveränderung im Rücken- und Kopfbereich können wir daher zurzeit keine belastbare Aussage dazu treffen, ob es sich tatsächlich um dasselbe Tier handelt", betonte Lisa Klemens, Biologin des Deutschen Meeresmuseums, gegenüber der dpa. Derzeit gebe es keine Aufnahmen, die einen zuverlässigen Abgleich anhand der Rückenflosse oder der Fluke ermöglichten.
Ebenso wenig könne man beurteilen, warum der Wal vor Wismar eine so auffällig helle Haut aufweist. Dennoch seien Wunden im Bereich des Rückens vor der Finne zu erkennen. Auch hier ließe sich nicht feststellen, wodurch diese verursacht wurden. "Für eine verlässliche Einschätzung wären weitere Aufnahmen oder eine Untersuchung des Tieres erforderlich", so die Expertin.
Rettung oder Versagen? Das Drama um Buckelwal Timmy
Das Schauspiel vor Wismar weckt Erinnerungen an das tragische Schicksal um Buckelwal Timmy. Einer regelrechten Achterbahnfahrt gleich strandete das Tier mehrmals vor deutschen Küsten, galt dem Tod geweiht und befreite sich dann doch. Der stets schwächer erscheinende Wal sah sich immer wieder mit verschiedenen Menschen konfrontiert, die sich um eine Rettung von Sorgenkind Timmy bemühten.
Eine private Initiative brachte das Tier dann in einer aufwendigen und umstrittenen Aktion in einer Barge in die Nordsee und setzte es dort frei. Mitte Mai dann die traurige Gewissheit: Timmy ist tot, die See spuckte den Kadaver vor die dänische Insel Anholt. Der massiv aufgeblähte Buckelwalkörper wurde anschließend obduziert. Timmys Überreste sollten zu Biodiesel verarbeitet werden. Die Daumen sind gedrückt, dass Buckelwal Hartwin kein ähnliches Schicksal droht.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
MDR: "Neuer verirrter Wal in Ostsee: 'Das bleibt eine Sackgasse'"
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