Erhöhte Gefährdungslage
Rheinmetall-Chef denkt nicht ans Aufhören: "Kneifen gilt nicht"
Veröffentlicht:
von Damian Rausch:newstime
Rheinmetall droht Millionenstrafe
Videoclip • 01:13 Min • Ab 12
Anschlagsrisiken, Polizeischutz und ein abgebranntes Gartenhaus: Rheinmetall-Chef Armin Papperger lebt mit einer außergewöhnlichen Bedrohungslage. Ans Aufhören denkt der 63-Jährige trotzdem nicht.
Das Wichtigste in Kürze
Rheinmetall-Chef Armin Papperger steht wegen möglicher russischer Anschlagspläne unter einem mit dem Bundeskanzler vergleichbaren Schutz.
Trotz eines abgebrannten Gartenhauses und Demonstrationen vor seinem Wohnhaus will sich der 63-Jährige nicht einschüchtern lassen.
An einen baldigen Ruhestand denkt Papperger nicht – sein Vertrag läuft noch dreieinhalb Jahre.
Trotz möglicher Anschlagspläne gegen seine Person will sich Armin Papperger nicht einschüchtern lassen. Der 63-Jährige gehört zu den am stärksten geschützten Persönlichkeiten Deutschlands und wird seit längerer Zeit von Personenschützern begleitet. Hintergrund sind Berichte über mögliche russische Mordpläne gegen den Manager.
"Kneifen gilt nicht in dem Bereich", sagte der Chef des Rüstungskonzerns Rheinmetall der Deutschen Presse-Agentur. "Die Jobs müssen gemacht werden, und wer einknickt, der gehört nicht in so einen Job."
Auch in der Düsseldorfer Konzernzentrale sind Personenschützer ständig an Pappergers Seite. Die Sicherheitsmaßnahmen sind außergewöhnlich umfangreich: Das Schutzniveau des Rheinmetall-Chefs ist mit dem eines Bundeskanzlers vergleichbar.
Gartenhaus in Flammen, Proteste vor seinem Haus
Die Bedrohung gegen Papperger zeigte sich nach seinen Angaben bereits mehrfach ganz konkret. "Es ist bekannt, dass man mein Gartenhäuschen abgebrannt hat und dass es Demonstrationen vor meinem Haus gab", sagte der Rüstungsmanager. "Wenn das eine Bedrohung ist, ja – dann müsste ich mich vielleicht bedroht fühlen." Gleichzeitig werde er vom Staat so umfassend geschützt, wie es möglich sei. "Aber in einem anderen Job hätte ich sicherlich eine geringere Bedrohungslage", so Papperger.
Der Konzern spielt eine wichtige Rolle bei der militärischen Unterstützung der Ukraine und liefert umfangreich Waffen an das von Russland angegriffene Land. Zudem errichtet Rheinmetall Produktionsstätten in der Ukraine.
Vor möglichen Gefahren für die Rüstungsindustrie hatte zuletzt auch das Bundesamt für Verfassungsschutz gewarnt. Beschäftigte der Branche wurden zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Nach Einschätzung der Behörde besteht ein erhöhtes Risiko russischer Spionage- und Sabotageaktionen gegen Unternehmen. Abhängig von der weiteren Entwicklung des Ukraine-Krieges seien zudem gezielte Angriffe auf einzelne Beschäftigte nicht auszuschließen – insbesondere auf Personen in Führungspositionen.
Auch in den News:
Rente für Papperger noch kein Thema
An einen baldigen Rückzug denkt Papperger trotz seiner 63 Jahre nicht. Sein Vertrag an der Spitze des Konzerns läuft noch dreieinhalb Jahre. "Da wird noch sehr, sehr viel Wasser den Rhein runterlaufen", sagte er. Derzeit sehe er ohnehin keinen Grund aufzuhören: "Im Augenblick fühle ich mich jung, gesund und habe sehr viel Spaß, mit viel jüngeren Menschen zu arbeiten."
Papperger ist seit Jahrzehnten eng mit dem Unternehmen verbunden. Der diplomierte Ingenieur begann 1990 bei Rheinmetall und übernahm nach verschiedenen Stationen 2013 den Vorstandsvorsitz. "Rheinmetall ist für mich meine zweite Familie", sagte er.
Auch nach dem Ende seiner Zeit als Konzernchef kann er sich einen vollständigen Ruhestand nicht vorstellen. Papperger verwies auf mehrere eigene Firmen, mit denen er sich weiterhin beschäftigen könne. Zugleich könnte dann die Familie stärker in den Mittelpunkt rücken. "Vielleicht ist es auch mal Zeit, sich ein bisschen mehr mit den Enkelkindern zu beschäftigen", sagte er. Bis dahin sei es allerdings "noch ein bisschen hin".
Geschäfte mit 120 Regierungen weltweit
Technisches Know-how allein reicht aus Pappergers Sicht für die Führung eines Rüstungskonzerns nicht aus. Wer an der Spitze eines solchen Unternehmens stehe, müsse außerdem strategisch denken und dürfe den Umgang mit der Politik nicht scheuen.
Dass er selbst engen Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern hält, betrachtet Papperger als Teil seines Geschäfts. "Das ist ja der Kunde. Ich glaube, es ist immer vernünftig, einen vernünftigen Draht zum Kunden zu haben."
Die Besonderheit der Rüstungsbranche zeige sich vor allem an der überschaubaren Zahl möglicher Abnehmer. "Würde ich Autos verkaufen, hätte ich natürlich Millionen von Kunden. Ich habe vielleicht 120 Kunden auf der Welt. Es sind letztendlich 120 Regierungen, mit denen wir sprechen", sagte Papperger.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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