Heiratsbetrugsmasche?
Russland: Frauen sollen Soldaten wegen Entschädigung heiraten
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
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Videoclip • 01:12 Min • Ab 12
In Russland häufen sich Vorwürfe gegen Frauen, die Soldaten kurz vor dem Ukraine-Fronteinsatz heiraten. Stirbt der Mann, erhalten sie als rechtliche Angehörige die staatliche Entschädigung.
Das Wichtigste in Kürze
In Russland sollen immer öfter Frauen Soldaten kurz vor dem Fronteinsatz in der Ukraine ehelichen, um nach deren Tod Entschädigungen zu erhalten.
Die staatlichen Zahlungen beginnen laut CNN bei rund fünf Millionen Rubel; in einzelnen Fällen sollen auch Sicherheitskräfte an den mutmaßlichen Betrugsplänen beteiligt gewesen sein.
Russische Politiker:innen fordern nun besseren Schutz für Familien von Soldat:innen und ein härteres Vorgehen gegen solche Scheinehen.
In Russland sorgen Berichte über sogenannte "schwarze Witwen" für Empörung. Frauen sollen demnach verletzliche Männer kurz vor ihrem Einsatz im Ukraine-Krieg heiraten, um im Todesfall Anspruch auf die staatliche Entschädigung zu erhalten. Darüber berichtet der US-Sender CNN.
Der Fall der 37-jährigen Maria aus Sankt Petersburg zeigt die möglichen Folgen. Ihr 59-jähriger Vater Juri war an die Front gegangen, ohne seiner Tochter davon zu erzählen. Erst nach seinem Tod erfuhr sie, dass er zwei Tage vor dem Einsatz eine 22 Jahre jüngere Frau geheiratet hatte. "Ich stehe immer noch unter Schock und kann es noch immer nicht akzeptieren", sagte Maria laut "CNN".
Millionen für die rechtlichen Angehörigen
Stirbt ein russischer Soldat im Krieg, erhalten seine rechtlichen Angehörigen laut CNN staatliche Zahlungen von mindestens fünf Millionen Rubel, umgerechnet etwa 53.000 Euro. Diese Regelung soll Familien absichern, wird nach Angaben des Senders aber zunehmend ausgenutzt.
Russische Behörden und staatsnahe Medien bezeichnen die mutmaßlichen Täterinnen als "schwarze Witwen". Ihnen wird vorgeworfen, Männer mit Heiratsversprechen zu täuschen und nach deren Tod die Zahlungen zu beantragen. In einem viel beachteten Fall soll eine Krankenschwester fünf verletzte Soldaten geheiratet haben, bevor diese ihren Verletzungen erlagen.
Staat förderte schnelle Eheschließungen
Nach Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 erleichterten die Behörden Soldat:innen die schnelle Eheschließung. Die üblichen Wartezeiten konnten verkürzt werden. Staatsmedien berichteten zudem über Massenhochzeiten, die von lokalen Behörden organisiert wurden. Die Kampagne passte zu Kreml-Machthabers Wladimir Putins Betonung sogenannter traditioneller Werte.
Wie zynisch das Thema teilweise behandelt wurde, zeigte laut CNN ein Podcast aus der sibirischen Stadt Tomsk. Eine Immobilienmaklerin sagte dort auf die Frage, wie sich eine junge Frau eine Wohnung leisten könne: "Finde einen Mann, der an der Spezialoperation teilnimmt, und wenn er getötet wird, bekommst du acht Millionen Rubel." Die beiden Beteiligten wurden später verurteilt und mussten sich öffentlich entschuldigen.
Auch in den News:
Auch Angehörige von Soldaten betroffen
In einem anderen Fall heiratete der Soldat Georgi Kostyrko während eines Heimaturlaubs eine Frau, die er im Internet kennengelernt hatte. Er kam zehn Tage später an die Front zurück und starb im Einsatz, bevor die Scheidung abgeschlossen war. Seine Mutter bezweifelte, dass die Ehefrau ein echtes Interesse an ihm gehabt habe. Die Frau wies die Vorwürfe zurück und erklärte, die Anschuldigungen sollten ihren Ruf beschädigen. Ein Gericht erkannte ihr später den Status als rechtliche Angehörige ab.
Besonders schwer wiegen Berichte über mögliche Beteiligungen von Sicherheitskräften. In der Region Primorje sollen ein Fähnrich, ein Sergeant und ein Militärbuchhalter Männer ohne enge Angehörige gezielt für solche Ehen angeworben und anschließend in besonders gefährliche Einsätze geschickt haben. Öffentliche Informationen über den Stand dieses Falls gibt es laut CNN bislang nicht.
Der russische Abgeordnete Leonid Sluzki forderte besseren Schutz für Familien von Kriegsteilnehmer:innen. Die Fälle erreichten inzwischen "ernste Ausmaße", sagte er. Unterdessen fürchtet Maria, dass nicht nur die Entschädigung, sondern auch die Wohnung ihres Vaters verloren ist. Sie sagt, es sei "unglaublich schmerzhaft", dass von ihm nur noch die Schlüssel zu einer Wohnung geblieben seien, die ihr nicht mehr gehört.
Verwendete Quellen:
CNN: "'Black widows': Women accused of marrying Russian army recruits to claim death payouts"
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