Hybrider Angriff
Nach Drohnen-Vorfall: Das spricht gegen Beteiligung Russlands
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Wie sicher ist Deutschlands Drohnenabwehr?
Videoclip • 01:57 Min • Ab 12
Während Bundeskanzler Friedrich Merz im vergangenen Jahr nach Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen noch auf Russland zeigte, ist diesmal einiges anders.
Das Wichtigste in Kürze:
Einige Expert:innen sehen Russland als Drahtzieher hinter dem Drohnen-Vorfall in Leipzig.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht zurückhaltender von einem "hybriden" Angriff "fremder Mächte".
Die russische Botschaft in Berlin sieht eine gegen Moskau gerichtete "Provokation" Kiews.
Noch voriges Jahr behauptete Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei Drohnensichtungen auf Flughäfen, dass Kremlchef Wladimir Putin so Deutschland testen wolle. Einige Expert:innen zeigen nach dem Fund einer Drohne mit Sprengstoff - ohne intakten Zünder - auf dem Flughafen Halle/Leipzig nun auch wieder schnell auf Russland als Tatverdächtigen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) spricht allerdings zurückhaltender von einem "hybriden" Angriff "fremder Mächte".
Einige Expert:innen beschuldigten prompt Russland
Für eine Beteiligung Moskaus spräche, dass Russland eine entwickelte Drohnentechnologie hat und auch mehr oder weniger unverhohlen mit einer Reaktion auf die Waffenlieferungen des Westens an die Ukraine gedroht hat. So veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium auch Adressen deutscher und anderer europäischer Rüstungsfirmen. Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew, der als Vizechef des nationalen Sicherheitsrats weiter Einfluss hat, bezeichnete die aufgeführten Unternehmen als "Liste potenzieller Ziele für die russischen Streitkräfte".
"Auf den ersten Blick spricht manches dafür, dass möglicherweise russische Geheimdienste verwickelt sind", sagt der Russland- und Militär-Experte Matthias Uhl. Der russische Militärgeheimdienst GRU werde für eine Vielzahl an Operationen im Westen verantwortlich gemacht. Allerdings sei es für Russland schwierig, gegenwärtig eine solche Operation durchzuziehen, weil seine Agenten im Westen unter strenger Beobachtung stünden.
Auch in den News:
Was spräche gegen eine Beteiligung Russlands?
Kremlchef Wladimir Putin hat Vorwürfe, dass Russland ein Nato-Mitgliedsstaat angreifen wolle, immer wieder kategorisch als "Blödsinn" zurückgewiesen. Er sagte auch nach den Drohnensichtungen an Flughäfen voriges Jahr, dass die Anschuldigungen gegen Russland wohl dazu dienen sollen, die Lage weiter anzuheizen und Europa dazu zu bringen, seine Verteidigungsausgaben zu erhöhen und von anderen Problemen abzulenken.
Ex-Kremlchef Medwedew sprach von unterschiedlichen Erklärungen für die Herkunft der Drohnen. Als Beispiele nannte er Provokationen von Ukrainern, die so Europa in einen Krieg hineinziehen wollten. Er räumte aber ein, dass es sich um Aktivitäten einer prorussischen Untergrundbewegung in den Ländern handeln könne mit dem Ziel, das Leben in der EU zu destabilisieren. Möglich seien nicht zuletzt auch Spielchen von Rowdys, die ihre Behörden ärgern wollten. Und er orakelte: "Das Wichtigste ist, dass die kurzsichtigen Europäer am eigenen Leib erfahren, was die Gefahr eines Krieges bedeutet."
Welche Reaktionen gibt es aus Moskau zum aktuellen Fall?
Die russische Botschaft in Berlin spricht von einer gegen Moskau gerichteten "Provokation" Kiews, um antirussische Hysterien zu schüren in Deutschland. Ziel der Ukraine und der europäischen Militaristen sei es, die Gesellschaft auf einen Krieg gegen Russland vorzubereiten, hieß es. Von einer billigen Inszenierung eines Sabotageaktes sprach der bei vielen Russ:innen wegen seiner Analysen beliebte Telegram-Kanal "Maester". "Ob dies das Werk der Ukrainer oder der deutschen (europäischen) Falken ist, spielt keine wesentliche Rolle. Klar ist nur der Trend zur Eskalation des Konflikts seitens Kiews und der EU."
Welche "fremden Mächte" kämen denn noch infrage?
Moskaus Auslandsgeheimdienst SWR warnte schon mehrfach davor, dass ukrainische Geheimdienste antirussische Provokationen planten, um das dem Kreml in die Schuhe zu schieben. Saboteure wollten mit Anschlägen auf Infrastruktureinrichtungen in Europa und so bezeichneten False-Flag-Aktionen – Operationen unter falscher Flagge - Russland in Verruf bringen.
Auch der Experte Uhl hält einen Anschlagsversuch unter "falscher Flagge", der vielleicht die Aufmerksamkeit in Richtung Russland lenken soll, für möglich. "Für eine solche These spricht, dass sich die offiziellen deutschen Stellen bislang ausdrücklich mit Schuldzuweisungen an Moskau zurückhalten", sagt er.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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