Arbeitszeitreform unter Druck

Dulger fordert flexiblere Arbeitszeit statt Acht-Stunden-Tag

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

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Wirtschaftsverbände warnen vor AfD-Plänen

Videoclip • 01:34 Min • Ab 12


Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger drängt auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes soll mehr Flexibilität ermöglichen – Gewerkschaften warnen jedoch vor einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tags.

Das Wichtigste in Kürze

  • Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert eine wöchentliche Höchstarbeitszeit und damit mehr Flexibilität statt der bisherigen täglichen Obergrenze.

  • Gewerkschaften warnen, eine solche Reform könne den Acht-Stunden-Tag und den Arbeitsschutz schwächen; ein Gesetzentwurf soll im Herbst kommen.

  • Dulger unterstützt außerdem strengere Regeln bei Krankschreibungen und verlangt eine Bescheinigung grundsätzlich ab dem ersten Krankheitstag.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert die Bundesregierung auf, die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes voranzutreiben. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte er, Deutschland müsse die Möglichkeiten der europäischen Arbeitszeitrichtlinie stärker nutzen.

"Die Spielräume der europäischen Arbeitszeitrichtlinie werden fast überall genutzt, nur bei uns nicht", sagte Dulger laut dpa. Er plädiert dafür, die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Obergrenze zu ersetzen. Seiner Ansicht nach würde das mehr Flexibilität für Beschäftigte und Unternehmen schaffen.


Streit um das Ende des Acht-Stunden-Tags

Nach dem geltenden deutschen Arbeitszeitgesetz darf die tägliche Arbeitszeit grundsätzlich acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb eines halben Jahres ein Ausgleich erfolgt. Die europäische Richtlinie sieht dagegen eine durchschnittliche wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden vor.

Dulger verweist auf Länder wie Belgien und Italien, in denen der europäische Spielraum stärker genutzt werde. "Wenn eine wöchentliche Höchstarbeitszeit so gefährlich wäre, müssten Arbeitnehmer in Belgien und Italien reihenweise krank im Bett liegen", sagte er laut dpa. Tatsächlich seien die Krankheitsquoten dort niedriger als in Deutschland.

Reform seit Jahren angekündigt

Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ermöglichen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bei seiner Sommerpressekonferenz Mitte Juli erklärt, er erwarte im Herbst einen Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD).

Gewerkschaften warnen jedoch davor, dass eine solche Reform den Schutz durch den Acht-Stunden-Tag schwächen könnte. Dulger hält dagegen, das bisherige Gesetz stamme "aus der Ära von Telex und Wählscheibe" und berücksichtige weder moderne Arbeitsmittel noch veränderte Lebensrealitäten wie Kita-Öffnungszeiten.

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Arbeitgeber fordern strengere Regeln bei Krankheit

Zusätzlich verlangt Dulger Änderungen bei der Arbeitsunfähigkeit. Wer krank sei, solle keinen finanziellen Nachteil haben. Das System dürfe aber nicht von Menschen ausgenutzt werden, sagte der Arbeitgeberpräsident.

Union und SPD haben bereits vereinbart, die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung abzuschaffen. Außerdem soll künftig grundsätzlich ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt werden müssen. Bisher gilt diese Pflicht normalerweise erst ab dem vierten Tag.

Dulger verteidigt die Pläne: "Die von der Koalition vereinbarten Änderungen schützen die, die wirklich krank sind. So wird das System vor Missbrauch geschützt." Er betont zugleich, er vertraue seinen Beschäftigten. Gesetze seien aber für Ausnahmefälle da und könnten nicht allein auf gegenseitigem Vertrauen beruhen.

Insgesamt vermisst Dulger bei der Bundesregierung derzeit eine überzeugende Erklärung für ihre Reformen. Der Regierung fehle eine "gelungene Erzählung", sagte er laut dpa. Sie verlange den Menschen Veränderungen ab, erkläre aber zu wenig, welchem Ziel diese dienen sollten.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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