Sechs Milliarden im Schlussspurt

Hat VW seinen Cashflow schöngerechnet? Bosse in Erklärungsnot

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

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Ärger um VW-Boni: Vorstand unter Druck

Videoclip • 01:34 Min • Ab 12


Volkswagen hat seinen eigenen Cashflow-Ausblick überraschend deutlich übertroffen: Statt erwarteter null Euro meldet der Konzern zum Jahresende sechs Milliarden Euro Barmittel. Für den Vorstand bedeutet das Millionen-Boni – der Betriebsrat fordert nun Aufklärung.

Das Wichtigste in Kürze

  • VW meldet für 2025 überraschend einen Netto-Cashflow von sechs Milliarden Euro statt der zuvor prognostizierten null – Betriebsrat und Teile des Aufsichtsrats wurden davon offenbar kalt erwischt.

  • Laut Konzernkreisen wurden Ausgaben verschoben, Lagerbestände reduziert und Rückstellungen aufgelöst, dadurch wird die höchste Bonus-Stufe erreicht, mit bis zu 1,75 Millionen Euro Extra-Zahlung pro Vorstandsmitglied.

  • Der Betriebsrat fordert jetzt Transparenz über die genauen Maßnahmen, die Folgen für das laufende Jahr sowie die Auswirkungen auf Vorstandsboni und Dividende – ein Spitzengespräch mit dem Vorstand ist angekündigt.

Beim Autobauer Volkswagen sorgt ein unerwarteter Geldsegen für Unruhe. Finanzchef Arno Antlitz hatte noch im Herbst 2025 einen Netto-Cashflow von 0 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Ende Januar meldete der Konzern dann plötzlich einen Barmittelzufluss von sechs Milliarden Euro – und überschritt damit die eigene Prognose deutlich. Der Betriebsrat kritisiert vor allem, wie diese Zahl kommuniziert wurde. "Wir teilen die Kritik an der bisherigen Informationspolitik des Konzerns", sagte ein Sprecher der Arbeitnehmervertretung laut "Bild". Noch in dieser Woche soll es ein Spitzengespräch mit dem Vorstand geben.

Brisant ist der Effekt auf die Vergütung der Konzernspitze: Bei einem Cashflow von null hätten die Vorständ:innen auf große Teile ihres Jahresbonus verzichten müssen. Mit den nun gemeldeten sechs Milliarden wird laut Medienberichten die höchste Bonus-Stufe erreicht – diese greift ab 5,6 Milliarden Euro. Das kann pro Vorstandsmitglied bis zu 1,75 Millionen Euro zusätzlich bedeuten. Auch Investor:innen und Teile des Aufsichtsrats seien von der Pflichtmitteilung überrascht worden, berichten Insider:innen aus dem Konzern.


Überraschender Geldschub nach schwachem Jahr

Noch im Oktober hatte Antlitz ein deutlich schwächeres Jahr angekündigt. Zwar lag der Umsatz in den ersten neun Monaten 2025 bei stabilen 238,7 Milliarden Euro, doch das operative Ergebnis brach durch hohe Kosten und Sondereffekte laut Konzernangaben um 58 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro ein. Die operative Rendite sank auf nur 2,3 Prozent. Zusätzlich belasteten 7,5 Milliarden Euro etwa durch erhöhte Zölle, Anpassungen der Produktstrategie bei Porsche und Abschreibungen.

Umso stärker fällt nun der Blick auf den sprunghaften Anstieg des Netto-Cashflows am Jahresende. Die sechs Milliarden Euro wurden Ende Januar als vorläufiger Wert veröffentlicht. Detaillierte Erläuterungen sollen nach Unternehmensangaben zur Jahrespressekonferenz am 10. März 2026 folgen. Genau diese Erklärung fordert der Betriebsrat nun schon vorher ein.

VW-Werk in Wolfsburg

Der Betriebsrat verlangt klare Antworten vom deutschen Autoriesen Volkswagen.

Bild: Moritz Frankenberg/dpa


Wie VW die 6 Milliarden Euro zusammenbekam

Aus Konzernkreisen heißt es, Antlitz habe den Cashflow mit einem Bündel von Maßnahmen nach oben getrieben. Demnach wurden Ausgaben für Entwicklung in das Jahr 2026 verschoben, Lagerbestände etwa bei Stahl und Halbleitern abgebaut und Rückstellungen aufgelöst. Alles sei rechtlich zulässig, betonen Insider:innen. Kritiker:innen im Unternehmen sprechen dennoch von einem "Schlussspurt", der das Bild für 2025 aufhübsche.

Denn klar ist: Rechnungen lassen sich zwar schieben, bezahlt werden müssen sie trotzdem – nur eben später. Der Betriebsrat will daher wissen, welche Folgen der Eingriff in Budgets und Rückstellungen für das gerade laufende Geschäftsjahr hat. Auch mögliche Auswirkungen auf Investitionen, Beschäftigung und Dividende stehen auf der Liste der Fragen.

Auch in den News:

Betriebsrat fordert Transparenz bei Boni und Dividende

Die Arbeitnehmervertretung stört sich nicht nur am Inhalt, sondern auch an der Überraschung für Belegschaft und Kapitalmarkt. Noch drei Wochen vor der Mitteilung sei intern ein Cashflow von null genannt worden, berichten Medien unter Berufung auf Konzernkreise. Dass dann kurzfristig sechs Milliarden Euro gemeldet wurden, ohne vorherige Information an Betriebsrat und Gremien, sorgt nun für Misstrauen.

Der Betriebsrat verlangt deshalb klare Antworten: Wie genau kamen die sechs Milliarden Euro zusammen? Welche Teile des Konzerns sind besonders betroffen? Und wie verändern die Maßnahmen die Bonus-Zahlungen an den Vorstand sowie die zu erwartende Dividende für Aktionär:innen? Ein Sprecher betonte, man wolle die Vorgänge "zeitnah und umfassend" aufarbeiten. Die Presseabteilung des VW-Konzerns hat Anfragen zu dem Thema bislang nicht beantwortet.


Verwendete Quellen:

Bild: "VW-Bosse müssen Betriebsrat ihr Bonus-Wunder erklären"

Welt: "VW-Vorstand erhält überraschend Millionen-Bonus – Mitarbeiter fordern Aufklärung zu Buchungs-Trick"

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