Gefährliche Infektion

Säugling in Berlin stirbt an Meningokokken – was Eltern jetzt wissen müssen

Veröffentlicht:

von Jana Wejkum

Eine Meningokokken-Impfung wird von der STIKO empfohlen.

Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa


Meningokokken sind Bakterien, die zu Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung führen können. Ein drei Monate alter Säugling ist in Berlin daran gestorben. So beugen Eltern einer Infektion vor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein drei Monate alter Säugling verstarb in Berlin an einer schweren Blutvergiftung infolge einer Meningokokken-Infektion.

  • Meningokokken sind eine potenziell tödliche Krankheit, die bei schweren Verläufen in bis zu einem Drittel der Fälle tödlich verläuft - in manchen Fällen kommt es zu erheblichen Folgeschäden.

  • Die STIKO empfiehlt daher eine Impfung für Jugendliche von zwölf bis 14 Jahren, weil diese besonders stark von Meningokokken gefährdet sind.

In Berlin ist ein Baby im Alter von drei Monaten an den Folgen einer Meningokokken-Infektion gestorben. Der Säugling kam am 24. Januar mit einem Hautausschlag und Bewusstseinsstörung in die Notaufnahme, so ein Bericht zu Infektionskrankheiten des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso).

"Er entwickelte ein Waterhouse-Friderichsen-Syndrom und verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus", heißt es. Mit dem Waterhouse-Friderichsen-Syndrom ist eine besonders tödliche Form des septischen Schocks gemeint. Zuvor berichtete die "B.Z." über den Todesfall.

Was sind Meningokokken und wie schützen Eltern ihre Kinder vor einer Infektion? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was sind Meningokokken?

Das RKI erklärt, dass eine Meningokokken-Infektion eine weltweit auftretende Erkrankung ist, die durch das Bakterium Neisseria meningitidis ausgelöst wird. Sie siedeln sich im Nasen-Rache-Raum des Menschen an. Man unterscheidet dabei zwischen zwölf verschiedenen, durch Buchstaben gekennzeichnete sogenannten Serogruppen. Die meisten Infektionen werden durch Erreger der Serogruppen A, B, C, W, X und Y verursacht.

Meningokokken werden durch engen Kontakt mit erkrankten Personen übertragen, etwa durch Tröpfchen beim Husten oder Niesen.

Welche Symptome löst eine Meningokokken-Infektion aus?

Nach der Ansteckung vergehen in der Regel drei bis vier, manchmal zwei bis zehn Tage, bis sich die ersten Symptome zeigen. Das RKI zählt folgende Beschwerden auf:

  • Kopfschmerzen

  • Fieber

  • Schüttelfrost

  • Schwindel mit schwerstem Krankheitsgefühl

  • großflächige Hauteinblutungen

  • Erbrechen

  • Nackensteifigkeit

  • neurologische Symptome (Schläfrigkeit, Krampfanfälle bis hin zum Koma)

  • Blutdruckabfall

Die Krankheit wird im Labor mit einer Analyse des Blutes oder des Nervenwassers (Liquor) diagnostiziert.

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Wie gefährlich sind Meningokokken?

In Deutschland wurde laut RKI seit 2004 ein Rückgang der Meningokokken-Erkrankungen verzeichnet. Die Inzidenz liegt bei unter 0,4 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner:innen.

Menschen jeden Alters können sich infizieren, jedoch sind meistens Babys im Alter von ein oder zwei Jahren sowie Jugendliche von 15 bis 19 Jahren betroffen.

Bei einer Meningitis, also einer Hirnhautentzündung, geht das RKI von einer einprozentigen Sterbewahrscheinlichkeit (Letalität) aus. Kommt es zu einer Sepsis (Blutvergiftung) ist eine 13-prozentige Letalität zu erwarten. Eine Sepsis mit Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom führt in etwa einem Drittel der Fälle zum Tod.

Etwa zehn bis zwanzig Prozent aller Fälle bringen Komplikationen mit sich, die schwere bleibende Schädigungen, wie etwa Taubheit, Einschränkungen des Intellekts, Amputationen und schwere Behinderungen nach sich ziehen können. Auch Epilepsie, chronisches Nierenversagen oder psychische Störungen können auftreten.

Wie werden Meningokokken behandelt?

Die Krankheit gilt als meldepflichtig. Patient:innen mit Meningokokken müssen laut RKI so schnell wie möglich ins Krankenhaus.

Liegt ein begründeter Verdacht auf eine Meningokokken-Infektion vor, rät das RKI zu einer sofortigen Antibiotika-Therapie mit dafür geeigneten Medikamenten. Bei einer Sepsis wird zudem das Kreislaufversagen behandelt. Intensivmedizinische Behandlung und chirurgische Eingriffe können bei schweren Verläufen notwendig sein.

Wie kann man sich vor Meningokokken schützen?

Wie das "Ärzteblatt" im November berichtete, empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO ab sofort eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY) für alle Jugendlichen im Alter von zwölf bis 14 Jahren.

Damit will die STIKO erreichen, dass Jugendliche in einer besonders gefährdeten Lebensphase vor Meningokokken geschützt werden. Für Kleinkinder ab zwölf Monaten entfällt die allgemeine Impfempfehlung - es sei denn, das Kind hat ein erhöhtes Risiko, etwa durch Immundefizienz.

Die Impfung im Jugendalter lässt sich mit anderen Standardimpfungen kombinieren. Zudem weist das RKI darauf hin, dass auch Personen, die im Labor arbeiten oder die einen Auslandsaufenthalt planen, unter Umständen für eine Impfung infrage kommen.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

RKI: "Meningokokken, invasive Erkrankungen (Neisseria meningitidis)"

Deutsches Ärzteblatt: "Neue STIKO-Empfehlungen zur Meningokokken-Impfung"

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