Umstrittener Wirtschaftsverband

"Die Familienunternehmer": Das sind die Ziele und Mitglieder des Verbands

Veröffentlicht:

von Claudia Frickel

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"Die Familienunternehmer" ist ein Wirtschaftsverband, der 6.400 Unternehmer:innen vertritt. Alles zur Gründung, zu den politischen Positionen und den Mitgliedern – und zum Streit um den Umgang mit der AfD.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Verband "Die Familienunternehmen" ist ein Wirtschaftsverband, der Lobbyarbeit betreibt.

  • Mitglieder sind die Inhaber:innen familiengeführter Unternehmen – allerdings nur solcher, die bestimmte Kriterien erfüllen.

  • Wegen der Haltung des Verbands zur AfD traten Ende 2025 mehrere prominente Unternehmer:innen aus.

Was sind "Die Familienunternehmer"?

"Die Familienunternehmer" sind ein wirtschaftspolitischer Interessenverband mit Sitz in Berlin. Er vertritt nach eigenen Angaben rund 6.400 Unternehmer:innen. Gegenüber Politik und Öffentlichkeit setzt er sich für "Freiheit, Eigentum, Wettbewerb und Verantwortung" ein.

Der Verband organisiert jährlich rund 500 Veranstaltungen für Familienunternehmer:innen, zum Beispiel Podiumsdiskussionen mit Spitzenpolitiker:innen, Expertenforen und Betriebsbesichtigungen.

Seit 2023 ist die Unternehmerin Marie-Christine Ostermann Präsidentin des Verbandes. Zu "Die Familienunternehmer" gehört auch der Tochterverband "Die Jungen Unternehmer", der sich an Unternehmer:innen unter 40 richtet und nach eigenen Angaben rund 1.500 Mitglieder hat.

Die Lobbygruppierung äußert sich regelmäßig zu politischen und wirtschaftlichen Themen. Sie hat sich in der Vergangenheit unter anderem gegen Vermögenssteuern, höhere Erbschaftssteuern, das Aus für Verbrennermotoren und den Mindestlohn ausgesprochen.

Kritiker:innen werfen dem Verband vor, vorwiegend die Interessen größerer Familienunternehmen zu vertreten und durch Lobbyarbeit starken politischen Einfluss auszuüben. Ende 2025 kam es wegen des Umgangs mit der AfD zu heftigen Kontroversen: Zwar lehnt der Verband eine Zusammenarbeit ab, öffnete sich aber für Gespräche mit der Partei.

Marie-Christine Ostermann ist die Präsidentin des Verbands "Die Familienunternehmer".

Bild: Kay Nietfeld/dpa


Wie und wann entstand die Lobbyorganisation?

Die Geschichte des Verbands der Familienunternehmer reicht bis ins Jahr 1949 zurück. Ein kleiner Kreis von Unternehmer:innen aus dem Rhein‑Main‑Gebiet wollte sich für die Soziale Marktwirtschaft einsetzen.

Sie gründeten in Wiesbaden die Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer (ASU). Diese wollte laut "Die Familienunternehmer" das "Sprachrohr der selbstständigen Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland sein, das Bild des Unternehmers in der Öffentlichkeit verbessern und Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen".

Zu den Gründer:innen zählten nach Angaben des Verbands unter anderem Hans Bahlsen (Bahlsen), Otto Henkell (Sektkellerei Henkell) sowie Karl und Fritz Merck (Chemische Fabrik E. Merck, heute Merck KGaA).

2007 benannte sich die Organisation in "Die Familienunternehmer – ASU" um. Seit 2016 trägt sie den heutigen Namen.

Bereits 1950 entstand mit "Die Jungen Unternehmer" ein eigener Verband für die jüngere Unternehmergeneration.

Welche politischen Ziele verfolgt der Verband?

Zu den politischen Positionen und Forderungen von "Die Familienunternehmer" gehören unter anderem:

  • Arbeitsmarkt: weniger staatliche Vorgaben, flexiblere Arbeitszeiten und kein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn

  • Sozialpolitik: mehr Eigenverantwortung bei der sozialen Absicherung, höheres Renteneintrittsalter

  • Steuern: keine Vermögensteuer und möglichst geringe steuerliche Belastungen bei der Übergabe von Familienunternehmen

  • Bürokratie: weniger staatliche Vorgaben und Berichtspflichten, damit Unternehmen schneller und eigenständiger handeln können

  • Energie und Klima: Ablehnung von Verboten und Instrumenten zur Senkung von CO₂‑Emissionen – abgesehen vom CO₂-Emissionshandel, Fokus auf Technologieoffenheit, Senkung der Stromsteuer zur Sicherung bezahlbarer Energiepreise

  • Europa: Eigenverantwortung der EU-Staaten für ihre Finanzen sowie Ablehnung von gemeinsamen Staatsschulden und dauerhaften Finanztransfers innerhalb der EU

Wie viel Einfluss hat der Verband der Familienunternehmer auf die Politik?

Wie groß der direkte Einfluss von "Die Familienunternehmer" auf politische Entscheidungen ist, lässt sich nicht in Zahlen messen.

Der Verein ist im Lobbyregister des Deutschen Bundestages eingetragen. Die dort veröffentlichten Informationen zeigen, dass der Verband intensive Lobbyarbeit betreibt. Im Geschäftsjahr 2025 gab die Organisation demnach rund zwei Millionen Euro für die Vertretung ihrer Interessen aus.

Zehn Vollzeitbeschäftigte kümmern sich darum, Stellungnahmen und Positionspapiere zu verfassen sowie mit Abgeordneten, Regierungsvertreter:innen und anderen Entscheidungsträger:innen zu sprechen.

Im Register sind für 2025 insgesamt 34 Stellungnahmen und Gutachten dokumentiert, beispielsweise zum Haushalt, zum Jahressteuergesetz sowie zur Energie- und Finanzpolitik.

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Wie finanziert sich der Wirtschaftsverband?

"Die Familienunternehmer" finanzieren sich nach eigenen Angaben vor allem über Mitgliedsbeiträge. 2025 nahm der Verband knapp 8,4 Millionen Euro ein, heißt es im Lobbyregister des Deutschen Bundestages. Als weitere "Finanzierungsquelle" sind dort "Wirtschaftliche Tätigkeiten" aufgeführt, ohne diese genauer zu benennen.

Staatliche Zuschüsse von mehr als 10.000 Euro erhielt der Verband 2025 nach eigenen Angaben nicht.

Wer sind die Mitglieder von "Die Familienunternehmer"?

Die Mitglieder des Familienunternehmer-Verbands sind Inhaber:innen familiengeführter Unternehmen – nicht die Firmen selbst. Auch Angehörige einer Unternehmerfamilie können laut Satzung beitreten.

Für eine Mitgliedschaft gelten bestimmte Voraussetzungen: Das entsprechende Unternehmen muss zehn oder mehr Mitarbeiter:innen haben, mindestens eine Million Euro Jahresumsatz erzielen und im Handelsregister oder in der Handwerksrolle eingetragen sein. Zudem müssen die Unternehmer:innen mindestens 40 Jahre alt sein.

Wer genau dazugehört, ist nicht bekannt: Der Verband veröffentlicht keine vollständige Liste. Einige Unternehmen haben sich jedoch zu ihrer Mitgliedschaft geäußert, oder diese wird im Lobbyregister des Bundestages erwähnt. Dazu zählen Vertreter:innen unter anderem von Deichmann, Melitta, Sixt, Trumpf und Miele.

Der Verband verlor nach der Debatte über seinen Umgang mit der AfD mehrere prominente Mitglieder: Rossmann, Vorwerk, Fritz-Kola und Christ Juweliere zogen sich zurück. Auch Verantwortliche der dm-Drogeriekette und Bahlsen waren früher Mitglieder, sind aber nicht mehr dabei.

AfD, Großunternehmer: Warum stehen die Familienunternehmer in der Kritik?

Nach einer Schätzung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn gibt es in Deutschland rund 3,2 Millionen Familienunternehmen. Gemessen daran ist der Verband mit rund 6.400 Mitgliedern vergleichsweise klein: Er verkörpert "nur rund 0,2 Prozent" der Gesamtgruppe, schreibt "Die Zeit". Kritiker:innen werfen dem Verband vor, vor allem die Interessen großer und vermögender Familienunternehmen zu vertreten.

In einem anderen Beitrag der "Zeit" heißt es, dass der Verband ein Zusammenschluss "relativ weniger, dafür aber umso mächtigerer Großunternehmer" sei. Und die unabhängige Plattform "Abgeordnetenwatch" schreibt: "'Familienunternehmer', das klingt nach Dorfbäckerei, Fleischereibetrieb oder einem hochspezialisierten Maschinenbauer. Doch hinter dem Namen verbirgt sich einer der einflussreichsten Lobbyverbände des Landes."

Heftigen Streit gab es im Herbst 2025 wegen des Umgangs des Familienunternehmer-Verbands mit der AfD. Der Verbandsvorstand hatte einen "Fachaustausch" mit Vertreter:innen der Partei aufgenommen – und lud sie zu einem Parlamentarischen Abend ein. Damit gab der Verband seine bisherige Linie auf, nicht mit AfD-Politiker:innen zu sprechen.

Präsidentin Marie-Christine Ostermann begründete den Kurs damit, dass die AfD inhaltlich gestellt werden solle. "Empörung allein hat sich als politische Strategie erschöpft", sagte sie. Andererseits betonte der Verband, dass das Weltbild der AfD nicht "zu unserer freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Grundüberzeugung" passe.

Das Vorgehen löste jedoch heftige Kritik aus und mehrere Unternehmer:innen zogen ihre Mitgliedschaft zurück (siehe oben). Ende November 2025 ruderte die Verbandsführung zurück und bezeichnete die Einladung der AfD‑Vertreter:innen als Fehler.

FAQ: "Die Familienunternehmer"

"Die Familienunternehmer" ist ein eingetragener Verein und eine Lobbyorganisation. Nach eigener Aussage vertritt der Verband die Interessen von 180.000 Familienunternehmen in Deutschland – als "starke Stimme des verantwortungsvollen Unternehmertums". Als Mitglieder führt er jedoch nur 6.400 Unternehmen.

Der Verband der Familienunternehmer hat rund 6.400 Mitglieder. Die Organisation macht keine Angaben dazu, wer genau dazugehört. Einige Unternehmen sind jedoch bekannt, weil sie ihre Mitgliedschaft selbst öffentlich gemacht haben.

Die Präsidentin des Verbands "Die Familienunternehmer" heißt Marie‑Christine Ostermann. Das Amt hat die 1978 geborene Unternehmerin seit 2023 inne. Sie führt den Lebensmittelgroßhändler Rullko in Hamm, den ihr Urgroßvater gegründet hatte. Die Firma beliefert Großküchen in Krankenhäusern und Altenheimen.


Verwendete Quellen:

Webseite des Verbands "Die Familienunternehmer"

Lobbyregister des Bundestags mit Eintrag zu "Die Familienunternehmer"

Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM)

ZDF heute: "Wirtschaftsverband nach AfD-Debatte: Wer noch den Hut nimmt"

Manager-Magazin: "Wie sich Unternehmen von Marie-Christine Ostermann überrumpelt fühlten"

Abgeordnetenwatch: "Die Lobbymacht der "Familienunternehmer"

Die Zeit: "Deutsche Bank kündigt Vertrag mit Familienunternehmern wegen AfD"

Die Zeit: "Die heimliche Rückschrittslobby"

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