"Wir müssen fleißiger werden"
Arbeitsmoral: "Schraubenkönig" Reinhold Würth sieht Deutschland nah am "Niedergang"
Veröffentlicht:
von Jana Wejkum"Schraubenkönig" Reinhold Würth ist 90 Jahre alt. (Archivbild)
Bild: Marijan Murat/dpa
Der 90-jährige Unternehmer erklärt in einem Interview, wie seiner Meinung nach die deutsche Wirtschaft gerettet werden könne. Dabei kommt die junge Generation nicht gut weg.
Das Wichtigste in Kürze
Würth fordert, dass in Deutschland wieder fleißiger und länger gearbeitet werden soll - mehr Freizeit lehnt er ab.
Laut Würth sei Deutschland nicht weit weg vom "Niedergang", auch weil jüngere Beschäftigte verwöhnt seien.
Statistiken zur Arbeitsleistung in Deutschland liefern keine eindeutigen Belege für die Behauptungen Würths.
Der Unternehmer Reinhold Würth, der durch sein Schrauben-Handelsunternehmen Würth zum Milliardär geworden ist, hat ein Problem mit der deutschen Arbeitsmoral.
"Wir müssen wieder mehr schaffen in Deutschland. Wir müssen fleißiger werden", sagte der 90-Jährige im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen". Insbesondere bemängelt der "Schraubenkönig" die Forderung von Gewerkschaften, Feiertage die auf ein Wochenende fallen, nachzuholen. Das sei eine "verrückte Idee", so Würth: "Wer so etwas fordert, muss der Meinung sein, das Geld falle wie Schneeflocken vom Himmel."
Zudem ist Würth der Meinung, dass die Deutschen zu wenig arbeiteten und im Vergleich zu anderen Industrieländern zu häufig krank seien. "Da kann einem Angst und Bange um Deutschland werden: In anderen Ländern wird bei deutlich niedrigeren Stundenlöhnen länger gearbeitet." Würth gibt an, dies sei durch Statistiken klar ersichtlich.
"Niedergang" durch Verwöhntheit
Der Unternehmer spricht im Interview davon, dass die Forderung nach mehr "Work-Life-Balance" dazu führe, dass der Wohlstand und die Freiheit Deutschlands in Gefahr seien Jüngere Beschäftigte seien "von ihren Eltern, die aus der Generation der Babyboomer stammen, wahnsinnig verwöhnt" worden. Seiner Meinung nach sei "Deutschland an der Kante vom Sein zum Vergehen angekommen" und befände sich in "einer Phase, in der der Niedergang nicht weit ist".
Auch in den News:
Würth habe Orden seiner Smartwatch verliehen bekommen
Sich selbst stellt der 90-Jährige als Positivbeispiel dar. "So diktiere ich manchmal um 21:30 Uhr abends zuhause noch Briefe und gehe immer wieder ins Büro", sagte Würth der Zeitung. "Und ich schwimme jeden Tag eine halbe Stunde."
Besonders stolz zeigt er sich über eine Auszeichnung seiner Smartwatch: "Von meiner Apple-Uhr habe ich unlängst einen Orden verliehen bekommen", so Würth. Er habe sich über sechs Jahre lang ausreichend bewegt.
Arbeiten die Deutschen zu wenig?
Mit seinen Ansichten ist Würth nicht allein: Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beklagt häufig, dass die Arbeitsmentalität in Deutschland verbesserungswürdig sei. Teile der Union forderten kürzlich die Abschaffung von "Lifestyle-Teilzeit." Auch die telefonische Krankschreibung solle abgeschafft werden.
Die Realität ist komplizierter. Laut dem Statistikportal Eurostat ist Deutschland in puncto Wochenarbeitszeit tatsächlich eines der Schlusslichter in Europa. Gleichzeitig gibt es mit rund 46 Millionen Erwerbstätigen 2025 so viele wie noch nie. Die kurze durchschnittliche Arbeitszeit ist auf einen hohen Anteil von Teilzeitbeschäftigten, vor allem Frauen, zurückzuführen. 2025 stieg der Anteil an Teilzeitbeschäftigten laut Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf einen Rekord von 40 Prozent.
In einem Faktencheck des MDR erklärt Wirtschaftswissenschaftlerin Yvonne Lott, dass Teilzeitbeschäftigte nicht automatisch ein hohes, ungenutztes Arbeitsvolumen zur Verfügung haben. Zähle man die unbezahlte Pflege von Angehörigen und Kinderbetreuung dazu, arbeiten teilzeitbeschäftigte Frauen wöchentlich eine Stunde mehr als erwerbstätige Männer.
Dass jüngere Generationen grundsätzlich faul sind, ist nicht belegt. Laut einem IAB-Bericht aus dem Jahr 2025 liegt die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Augsburger Allgemeine: "Unternehmer und Milliardär Reinhold Würth: 'Die sollen doch mal 75 Jahre malochen'"
MDR: "Nach Merz-Appell: Arbeiten die Deutschen wirklich zu wenig?"
IAB: "Generation Z: Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen klettert auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten"
IAB: "Teilzeitquote überschreitet erstmals die 40-Prozent-Marke"
Eurostat: "Actual and usual hours of work"
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