WMO alarmiert

Schlimmster El Niño aller Zeiten im Anmarsch: Drohen Wirtschaftsschocks wegen des Wetters?

Aktualisiert:

von Emre Bölükbasi

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Super-El-Niño könnte mehr als 450.000 Todesopfer fordern (30. September)

Videoclip • 01:32 Min • Ab 12


Er ist stärker als alles, was die Welt je gemessen hat. Das Klimaphänomen El Niño wird nicht nur Dürren und Fluten auslösen – es drohen globale Wirtschaftsschocks, neue Konflikte und eine Migrationswelle.

Die Weltwetterorganisation (WMO) schlägt Alarm: Der nun heranrollende El Niño sei ohne jedes Vorbild. Seit 40 Jahren gibt es systematische Messungen der Wassertemperaturen im tropischen Pazifik – und noch nie lagen sie so hoch wie jetzt, erklärte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo in Genf.

Was das bedeutet, macht eine Zahl deutlich: Zwischen November und Januar könnte die Meerestemperatur im Pazifik um 3,8 Grad über dem langjährigen Mittel liegen. Der bisherige Rekord lag bei rund drei Grad.

Schon ab 0,5 Grad Abweichung gilt das Phänomen offiziell als El Niño. Den Höhepunkt erwartet die WMO im Dezember 2026.

Auch in den News:

Dürren, Fluten, Hunger – je nach Weltregion

Die Auswirkungen werden global sein, aber ungleich verteilt. Ostafrika und Teile Zentralamerikas müssen sich auf schwere Dürren gefasst machen, während das südliche Afrika, Teile Südostasiens, der Nordwesten Nordamerikas und die Westküste Südamerikas unter heftigen Regenfällen und Überschwemmungen leiden könnten. Wenn diese wichtigen Agrarregionen gleichzeitig von Extremwetter getroffen werden, drohen gravierende Folgen für die globale Nahrungsmittelversorgung.

Für Europa hält sich der direkte Einfluss des El Niño in Grenzen. Doch indirekte Folgen sind auch hier spürbar: Schlechte Ernten im Pazifikraum könnten etwa die Preise für Zucker, Kaffee und Kakao in die Höhe treiben.

In Deutschland könnte sich der El Niño direkt im kommenden Winter bemerkbar machen. Wie genau, liest du hier!


UN-Nothilfekoordinator warnt: Schocks, Konflikte, Migration

Die vielleicht beunruhigendste Warnung kommt nicht von Klimaforscher:innen, sondern von UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher. "Die Schäden werden nicht auf die Länder beschränkt bleiben, die unmittelbar von diesem El Niño betroffen sind", sagte er. "Sie werden wirtschaftliche Schocks für die Weltwirtschaft auslösen und zu weiteren Konflikten, Vertreibungen und Migration führen."

Dass diese Sorge berechtigt ist, zeigen historische Vergleiche: Der El Niño von 1997/98 verursachte Ökonom:innen zufolge innerhalb von fünf Jahren Verluste von 5,7 Billionen Dollar – gemessen an einer wirtschaftlichen Entwicklung ohne das Phänomen.

Aktuelle Berechnungen legen nahe, dass ein sehr warmes El-Niño-Jahr 2027 die Wirtschaftsleistung von 144 untersuchten Ländern weltweit um rund 392 Milliarden Euro mindern könnte – am stärksten träfe es demnach China.


"Katastrophe abwarten oder in Resilienz investieren"

WMO-Chefin Saulo und UN-Koordinator Fletcher forderten dringend Vorbereitungen – gerade weil viele der betroffenen Regionen bereits durch Konflikte und Armut schwer belastet sind.

Fletcher formulierte die Lage unmissverständlich: "Die Entscheidung liegt also auf der Hand. Wir können auf eine Katastrophe warten oder in Resilienz investieren. Wir können El Niño nicht verhindern. Aber wir können die vor uns liegenden Herausforderungen ernst nehmen. Und wir können kreativ und großzügig sein, wenn es darum geht, uns darauf vorzubereiten."

El Niño ist ein natürliches Phänomen, das alle zwei bis sieben Jahre auftritt und nicht durch den Klimawandel verursacht wird – dessen Folgen es aber verschärfen kann. In der entscheidenden Meeresregion steigt warme, feuchte Luft auf und verändert die weltweiten Wind- und Luftströmungen. 2027 könnte deshalb nach 2024 ein weiteres Rekordjahr bei der globalen Durchschnittstemperatur werden. Warum das Wetterphänomen den Namen El Niño trägt, erfährst du hier. 



Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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