Bei "Hart aber fair"

Lehrer verteidigt Beamten-Privilegien: "Aus dieser Partei wurde offen gedroht, mich zu kündigen"

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von Doris Neubauer

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Diese Stadt will Beamte fast komplett abschaffen (7. Oktober)

Videoclip • 01:04 Min • Ab 12


Nur eine Minderheit der Deutschen befürwortet die Verbeamtung von Lehrkräften. Warum ihr Schutz dennoch wichtig ist und wieso Beamte statistisch länger leben, dazu gab die Talkrunde bei "Hart aber fair" überraschende Antworten.

Vorurteile bekommt Lehrer Nicolas Schmelzer, der auf TikTok als "Herr Schmelzer" bekannt ist, eher wegen seiner blauen Haare zu spüren als wegen seiner Verbeamtung. Dabei bietet der Beamtenstatus gerade im Bildungssystem immer wieder Angriffsfläche: Lediglich 25 Prozent der Deutschen befürworten eine Verbeamtung von Lehrkräften an Schulen, bei Universitätsprofessoren sind es sogar nur 18 Prozent.

Diese Zahlen einer Infratest-Studie präsentierte Moderator Louis Klamroth am Montagabend (19. Oktober) in der ARD-Talkshow "Hart aber fair", die im Anschluss an die Doku "Deutschland, deine Beamten: Zeit für Reformen?" lief. Auch der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erklärte in der Runde, er sehe für die Verbeamtung von Lehrer:innen "keinen logischen Grund".

Nicolas Schmelzer ist verbeamteter Lehrer und bei TikTok als "Herr Schmelzer" aktiv.

Bild: WDR / Dirk Borm


"Hart aber fair": Lehrer und Content-Creator berichtet von Drohung durch die AfD

Einen eben solchen lieferte hingegen Volker Geyer, Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbunds (dbb). Er betonte, dass der Beamtenstatus als "Bollwerk gegen Extremismus" funktioniere und unter anderem verhindere, dass eine mögliche AfD-Landesregierung in Sachsen-Anhalt in den Unterricht eingreifen könne. "Genau aus dieser Partei wurde offen gedroht, mich zu kündigen", brachte Schmelzer ein Beispiel aus der Praxis und fügte hinzu: "Es freut mich sehr, dass mich mein Status davor schützt."

Während die Unkündbarkeit ein großes Privileg sei, wollte er die Nachteile des Beamtentums nicht verschweigen: So könne er seinen Einsatzort nicht frei wählen. Auch das Streikverbot kritisierte er scharf, gebe es doch angesichts der maroden Infrastruktur und des Personalmangels jede Menge Gründe, auf die Straße zu gehen.

Für das Jahr 2040 habe er sich symbolisch den Wecker gestellt. Dann sinken die Schülerzahlen demografisch und man könne mit dem aktuellen Personal endlich die "Schule der Zukunft" bauen. Dafür müsse die Politik aber aufhören zu sparen und investieren.

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Roman Poseck (CDU): "Wir besetzen nur jede dritte frei werdende Stelle neu"

Um die Attraktivität des Berufs zu sichern, sprach sich auch der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) dagegen aus, Lehrer:innen zu Angestellten zu machen. Das bringe ohnehin kaum Einsparungen, weil der Arbeitgeber dann sofort hohe Sozialversicherungsbeiträge zahlen müsste. Zwar kippe die Rechnung im Alter durch die Pensionen, doch wegen der extremen Belastung im Lehrer:innen beruf erreichten ohnehin die wenigsten die Höchstpension von 71 Prozent.

Dennoch sei es richtig, über weniger Verbeamtung zu sprechen - allerdings nicht bei der Polizei, bei der Justiz oder an der Schule. "Wir fangen bei uns in der Ministerialverwaltung an", berichtete er, "wir besetzen nur jede dritte frei werdende Stelle neu. Alles andere muss mit einer Verschlankung der Strukturen und Digitalisierung einhergehen."

Auch dbb-Chef Geyer plädiert für Bürokratieabbau, die Einführung von KI und Digitalisierung und mahnte, bei der Gesetzgebung auf die Auswirkungen zu achten: Allein neue Gesetze wie die auf den Weg gebrachte Zucker- oder Plastiksteuer würden wieder Tausende zusätzliche Verwaltungsstellen notwendig machen.

Das Pensionssystem als Hebel sei jedenfalls keine Option, war er sich mit Poseck erneut einig. Die Rentenkommission habe berechnet, dass die Einbeziehung der Beamten das System nur zusätzlich belasten würde. Das liege an den hohen Versorgungsansprüchen, aber auch daran, dass Beamte statistisch einfach länger leben. "Warum leben Beamte länger?", fragte Jessy Wellmer einen, der es wissen muss: "Das liegt an meinem Lebensstil, ich trinke nur Wasser", antwortete Lehrer Schmelzer schlagfertig. Seine blauen Haare hätten damit jedenfalls nichts zu tun.

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