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"Wie sehr schadet Ihnen Friedrich Merz?": Lanz lockt Sven Schulze vor Wahl in Sachsen-Anhalt aus der Reserve

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von Natascha Wittmann

CDU-Ministerpräsident Sven Schulze redete sich um Kopf und Kragen, als es um das Konzept seiner Partei in Sachsen-Anhalt ging.

Bild: ZDF / Markus Hertrich


Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kam es bei "Markus Lanz" zu einer hitzigen Debatte mit CDU-Ministerpräsident Sven Schulze. Der Politiker wich dabei immer wieder aus, als er sich zur Stimmung, Bundespolitik und dem Reformkurs der Regierung äußern musste.

Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag, doch der Wahlkampf steht schon jetzt unter Hochspannung. In Umfragen liegt die AfD mittlerweile bei über 40 Prozent. Die CDU, die das Land seit 24 Jahren führt, wirkt derweil plötzlich wie in der Defensive. Bei "Markus Lanz" machte Journalistin Sabine Rennefanz deutlich, wie schwierig die Ausgangslage von Sven Schulze aktuell ist: "Sven Schulze ist in der nicht ganz glücklichen Situation, dass er ja erst im Januar Ministerpräsident geworden ist (...) und da quasi so eine Aufholjagd jetzt in wirklich kürzester Zeit hinlegen muss."

Schnell drehte sich die Runde um die Themen, die den Wahlkampf dominieren könnten: Migration und Fachkräftemangel. Journalist Martin Greive bezeichnete die demografische Entwicklung in Sachsen-Anhalt als "relativ katastrophal" und betonte, das Bundesland könne wirtschaftlich "in den nächsten Jahren gar nicht funktionieren", wenn keine Menschen zuwandern. Gleichzeitig sei genau das aber politisch heikel, denn: "Da kann die AfD natürlich jetzt das Thema wunderbar ausspielen". Greive mahnte, dass in Sachsen-Anhalt "sehr, sehr viele Menschen" weiterhin "sehr skeptisch auf eine weitere Zuwanderung blicken" würden.


Sven Schulze fordert: "Der Realismus muss einkehren"

Markus Lanz konterte mit Blick auf Sven Schulze: "Jeder Zweite im Bürgergeld hat keinen deutschen Pass. (...) Ungefähr 65 bis 70 Prozent dieser Leute könnten arbeiten, aber sie tun es nicht." Schulze widersprach sofort: "Stopp! Aber genau das gehe ich ja jetzt an und da können wir jetzt etwas ändern." Für Lanz klang das nach einer späten Einsicht. Er hakte nach: "Aber warum erst jetzt? Jetzt steht die AfD bei 42 Prozent!" Der CDU-Mann verwies auf neue Möglichkeiten und sagte: "Seit 1. Juli haben sich die Regeln auch geändert, was Sanktionen angeht. (...) Wir können es jetzt angehen!" Lanz zeigte sich unbeeindruckt und machte deutlich: "Sie werden weiterhin Zuwanderung brauchen. Und das Klima ist so vergiftet, wie es jetzt gerade ist, weil man die Dinge so lange hat schleifen lassen."

Daraufhin nahm der ZDF-Moderator das CDU-Angebot für die kommende Wahl auseinander. Er stellte AfD-Versprechen wie das Baby-Begrüßungsgeld und kostenfreie Kita-Plätze in den Raum und wollte wissen: "Was sind die Vorschläge der CDU?" Schulzes Antwort fiel knapp aus: "Der Realismus muss einkehren." Lanz konterte sichtlich irritiert: "Ist Realismus die Übersetzung von 'Wir haben nichts?'" Schulze ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen und sagte: "Mein Ziel ist, dass ich im ländlichen Raum die Kindergärten, die Kinderkrippen erhalten kann." Gleichzeitig warnte er: "Sie wissen, wie schwierig die Lage bei uns ist und deswegen kann ich hier und verspreche hier im Fernsehen nichts, was ich nicht halten kann."

Sven Schulze stichelt in Richtung Lanz: "Das stimmt überhaupt nicht"

Lanz hakte weiter nach: "Aber haben Sie ein Konzept? Das ist doch die Frage!" Schulze reagierte trocken: "Natürlich haben wir ein Konzept!" Mit Blick auf das CDU-Wahlprogramm fiel das Fazit des ZDF-Moderators jedoch nüchtern aus: "Sie wollen den Status quo erhalten. Das ist das, was Sie wollen!" Schulze räumte daraufhin ein: "Wir müssen doch realistisch sprechen." Lanz nickte und gab zu: "Ich finde es ja gut, dass Sie ehrlich sind. Aber was Sie gerade (...) sagen, ist: Wir haben keinen Plan." Die Reaktion des Ministerpräsidenten? Ein klares "Nein": "Das stimmt überhaupt nicht!"

Schulze versuchte schließlich, den Spieß umzudrehen und sagte über die AfD: "Die schreiben ganz viel auf und machen am Ende nichts und können es auch nicht umsetzen!", so der CDU-Politiker, die AfD habe "inhaltlich überhaupt keine Idee für unser Bundesland". Martin Greive lenkte den Blick jedoch bewusst zurück auf die CDU und sagte: "Was mir so ein bisschen fehlt, ist so eine richtig positive Zukunftserzählung von Ihnen für das Land."

Für Lanz die perfekte Vorlage. Er wollte wissen: "Wie sehr schadet Ihnen Friedrich Merz?" Schulze antwortete ausweichend: "Friedrich Merz nicht direkt!" Lanz stichelte weiter: "Aber indirekt - seine Politik. Das ist der Kanzler, das ist Ihre Partei!" Sven Schulze erklärte schließlich: "Mich ärgert es, wenn eine Bundesregierung am Ende mehr streitet als sie zu Konsens findet. Und deswegen war die letzte Woche echt wichtig." Greive blieb derweil skeptisch und gab zu, dass er sich "nicht so sicher" sei, "ob dieses Reformpaket bei der Wahl in Sachsen-Anhalt wirklich positiv gesehen wird".

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