Hitziger Schlagabtausch
"Was ist das für ein Quatsch?" AfD-Politiker Siegmund weicht Lanz-Frage aus
Veröffentlicht:
von Natascha Wittmann:newstime
BSW lädt AfD zu Duellen ein
Videoclip • 01:01 Min • Ab 12
Bei "Markus Lanz" prallten Moderator und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund am Donnerstagabend aufeinander. Als Lanz Siegmunds Argumentation mehrmals scharf zurückwies, konterte der Politiker mit einem Seitenhieb. Die Folge war ein hitziger Schlagabtausch.
Dem hitzigen Schlagabtausch zwischen ZDF-Moderator Markus Lanz (links) und AfD-Politiker Ulrich Siegmund fehlte es an klaren Aussagen über die politischen Pläne der AfD in Sachsen-Anhalt.
Bild: ZDF / Markus Hertrich
AfD-Politiker Siegemund zofft sich mit Lanz
40 Prozent der Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt würden aktuell ihre Stimme der AfD geben. Angesichts dieser Umfragen zur Landtagswahl am 6. September stellte Markus Lanz am Donnerstagabend (2. Juli) in seiner Sendung die Frage, die über dem Wahlkampf schwebt: "Was wäre wenn?"
Im Zentrum: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Lanz ging direkt auf eines der größten Probleme des Bundeslands ein und fragte: "An welcher Stelle steht für Sie der demografische Wandel in Sachsen-Anhalt?" Siegmund zeigte sich nachdenklich und warnte: "Wir steuern hier auf eine Katastrophe zu! (...) Wenn wir so weitermachen und wenn wir nicht die Grundursache bekämpfen, (...) dann wird es übel."
Lanz wollte es konkret wissen: "Was ist Ihr Plan gegen diesen dramatischen Bevölkerungsschwund?" Ulrich Siegmund zählte ein ganzes Bündel an Maßnahmen auf: kostenfreie Kitas, kostenfreies Schulessen, ein landeseigenes Familiengeld sowie "eine finanzielle Unterstützung für diejenigen, die gerne eine Familie gründen würden". Lanz reagierte überrascht: "Das heißt, Sie wollen die Leute dazu bringen, mehr Kinder zu kriegen?" Siegmund fuhr fort: "Man muss (...) denjenigen, die das gerne möchten, die Grundlage dafür geben, dass sie die finanzielle Freiheit haben."
Lanz lenkte den Blick jedoch auf den Haken solcher Versprechen: Selbst wenn sie funktionieren, dauere es lange, bis sie wirken. Er wollte deshalb wissen: "Was machen wir in den 20 Jahren bis dahin?" Der AfD-Mann blieb vage: "Man muss den Übergang gestalten, selbstverständlich."
AfD-Spitzenkandidat Siegmund kündigt Auflösung von "ein bis zwei Ministerien" an
Lanz ließ jedoch nicht locker und richtete den Fokus auf die Gegenwart: "Fachkräftemangel - wie lösen Sie das?" Ulrich Siegmund erklärte, dass er sich "eine positive, familienfreundliche Atmosphäre in diesem Land" wünsche und kündigte "im Rahmen der Remigration" ein "Fachkräfterückgewinnungsprogramm" an. Autorin Ursula Weidenfeld zweifelte jedoch an der Rechnung dahinter: "Für mich geht das nicht auf. Also entweder sagen Sie den Leuten Dinge zu, die Sie nicht machen können..." Lanz kommentierte spöttisch: "Oder Sie streichen das Finanzministerium, das ist die Idee!"
Daraufhin wurde der ZDF-Moderator wieder ernst und wollte wissen: "Woher kommt das Geld?" Ulrich Siegmund antwortete weiter ausweichend und argumentierte, es gehe um eine "langfristige Vision". "Natürlich ist es nicht im Jahr 2027 umgesetzt, wie es im Regierungsprogramm steht", räumte der AfD-Mann ein.
Lanz bohrte unbeirrt weiter nach: "Konkret - wann zahlen Sie dieses Baby-Begrüßungsgeld? Wann machen Sie Kitas kostenfrei?" Siegmunds sagte nur so viel: "So schnell wie möglich." Stattdessen warb er daraufhin mit der Idee, den Regierungsapparat zu verschlanken: "Wir möchten mindestens ein bis zwei Ministerien auflösen." Lanz fragte sofort: "Welche?" Der Politiker wich jedoch aus: "Das werde ich Ihnen vor der Wahl nicht verraten. Da müssen Sie sich noch ein bisschen gedulden." Lanz stichelte prompt: "Also Sie wissen es nicht?" Siegmunds Gegenwehr: "Ich weiß es ganz genau, Herr Lanz."
Markus Lanz verliert die Geduld mit AfD-Mann: "Was ist das für ein Quatsch?"
Siegmund stellte wütend klar: "Die Leute in diesem Land interessiert nicht, ob ich jetzt das Bildungsministerium mit dem Wissenschaftsministerium vielleicht zusammenlege. (...) Die Leute in diesem Land interessiert es, wie wir die Inflation in den Griff bekommen." Konkrete politische Ansätze konnte Siegmund dennoch im Laufe der Sendung nicht nennen. Er erklärte, Themen wie der Fachkräftemangel seien lösbar, "wenn man hier wieder vernünftige politische Rahmenbedingungen hat. Wenn nicht die Frage ist, dass man einmal im Jahr sein Geschlecht ändern kann oder dass die Verwaltung gendert".
Lanz reagierte fassungslos: "Herr Siegmund, können wir das bitte lassen?" Der Moderator wetterte wütend weiter: "Was zur Hölle hat es mit der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt zu tun, ob irgendjemand gendert oder nicht? Sie bekämpfen an der Stelle wirklich Gespenster, die außer Ihnen keiner sieht!" Ulrich Siegmund konterte nüchtern: "Das sehen Sie vielleicht hier aus diesem Elfenbeinturm heraus so." Das wollte Lanz nicht unkommentiert lassen: "Ob gegendert wird, das interessiert die Leute unfassbar? Das wollen Sie mir jetzt nicht ernsthaft erzählen! Was ist das für ein Quatsch?"
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Start der Sommerferien
Ferienstart: Thüringen zieht Bilanz und sucht neue Lehrkräfte

Tipps für den Sommer
Hitzschlag und Sonnenbrand mit Hund: So schützt du Vierbeiner

Debatte um Attestpflicht
Krankschreibung ab Tag eins: Koalition verteidigt neue Regelung für Arbeitnehmer

Kanzler verteidigt Reformpaket
"Schlechter Scherz"? Beim Thema Steuern knirscht es zwischen Merz und Illner

Nach WM-Pleite
Medienberichte: Nagelsmann tritt zurück

Koalition
Merz, Klingbeil und Bas verteidigen Reformpaket




