Ökonomie oder geopolitischer Konflikt?

Nord Stream: Bau, Sabotage und politische Folgen der Ostsee-Pipelines

Aktualisiert:

von Franziska Hursach

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Nord-Stream-Verdächtiger ausgeliefert (27. November 2025)

Videoclip • 01:11 Min • Ab 12


Zwei Ostsee-Pipelines, Milliardenkosten und politische Sprengkraft: Nord Stream 1 und 2 galten lange als Schlüssel für Europas Gasversorgung. Heute sind sie Symbol für Abhängigkeit, Sabotage und einen der größten Energie‑Skandale Europas.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nord Stream 1 und Nord Stream 2 waren zentrale Ostsee-Pipelines für russisches Erdgas nach Deutschland, sind heute jedoch außer Betrieb und teilweise durch Sabotage im September 2022 zerstört.

  • Die Projekte standen jahrelang in der Kritik, weil sie Deutschlands Abhängigkeit von Russland verstärkten, politische Spannungen auslösten und massive sicherheits‑ sowie klimapolitische Bedenken aufwarfen.

  • Internationale Ermittlungen, parlamentarische Untersuchungsausschüsse und neue EU‑Sanktionen sollen eine Wiederinbetriebnahme verhindern und mögliche politische Einflussnahmen aufklären.

Nord Stream bezeichnet zwei parallel verlaufende Gaspipeline-Systeme am Grund der Ostsee, die russisches Erdgas nach Deutschland transportieren sollten. Dabei unterscheidet man zwischen Nord Stream 1 und Nord Stream 2, die beide jeweils zwei Stränge haben.

Nord Stream 1

Nord Stream 1 wurde als erste Pipeline mit zwei parallel verlaufenden Leitungssträngen von Russland durch die Ostsee nach Deutschland gebaut und 2011/2012 in Betrieb genommen. Die 1.224 Kilometer lange Leitung hatte eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr. Durch Nord Stream 1 floss russisches Erdgas nach Deutschland, bis die Pipeline im September 2022 durch Explosionen schwer beschädigt wurde.

Die Betreibergesellschaft von Nord Stream 1 – die Nord Stream AG – hat ihren Firmensitz in der Schweiz und gehört mehrheitlich dem russischen Staatskonzern Gazprom. Auch zwei deutsche Energieunternehmen sind beteiligt: Wintershall Dea AG und PEGI/E.ON. Die insgesamt fünf Firmen kamen 2005 zusammen, mit dem Ziel der "Verbesserung der Versorgungssicherheit in Europa".

Nord Stream 2

Ab 2018 wurde eine zweite, parallel verlaufende Leitung gebaut: Nord Stream 2. Die Baukosten der 1.230 Kilometer langen Pipeline werden mit mehr als zehn Milliarden Euro angegeben. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging jedoch nie in Betrieb. Auch diese Pipeline wurde beschädigt: Einer der beiden Röhrenstränge wurde bei einem Anschlag im September 2022 zerstört.

Die Nord Stream 2 AG ist eine Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom mit Sitz in der Schweiz. Die Pipeline wurde je zur Hälfte vom russischen Energieriesen Gazprom und den fünf europäischen Unternehmen OMV, Wintershall Dea, Engie, Uniper und Shell finanziert.

Heute sind weder Nord Stream 1 noch Nord Stream 2 aktiv. Zusätzlich zu den Beschädigungen im September 2022 versagte der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Betriebsgenehmigung für Nord Stream 2 wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine, bevor die Pipeline überhaupt in Betrieb genommen wurde.

Auch in den News:

Nord Stream 1: Planung, Bau & Herausforderungen

Die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1, die bis zum Jahr 2022 russisches Erdgas nach Deutschland transportierte, wurde 2011 offiziell in Betrieb genommen. Ganze 1.224 Kilometer lang ist die Strecke zwischen dem russischen Wyborg und dem deutschen Lubmin bei Greifswald, die das Gas dafür in den Rohren zurücklegt.

Die Entscheidung, Russland und Deutschland mit einer Gaspipeline zu verbinden, wurde bereits 2005 getroffen. Am 8. September 2005 trafen sich der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der russische Präsident Wladimir Putin, um über eine "Energiepartnerschaft" zu verhandeln.

Schröder betonte damals, dass eine Gaspipeline wie Nord Stream die Energieversorgung in Europa sicherer mache und die strategische Partnerschaft mit Russland vertiefe. Für Russland selbst wäre der Deal vor allem praktisch, da so sonstige Abgaben wegfallen würden, die bei einem Transport des Gases durch Polen, die baltischen Staaten oder die Ukraine sonst fällig wären.

Das Ergebnis des Treffens zwischen Schröder und Putin war eine unterschriebene Erklärung über den Bau einer Gaspipeline, die von Russland durch die Ostsee hindurch nach Deutschland führen sollte. Die Vereinbarung fand zwischen den Unternehmen Gazprom, Wintershall und E.ON Ruhrgas statt. Kurz danach wurde die Nord Stream AG mit Sitz in der Schweiz gegründet. Aufsichtsratsvorsitzender wurde unter anderem Altkanzler Gerhard Schröder.

Das erste Rohr für den ersten von zwei Strängen der Pipeline Nord Stream 1 wurde allerdings erst im April 2010 gelegt. Der Bau gestaltete sich technisch anspruchsvoll und komplex. Jeder der zwei Stränge setzt sich schließlich aus jeweils 100.000 Einzelrohren mit einer Länge von jeweils zwölf Metern und einem Gewicht von etwa zwölf Tonnen zusammen. Mitte November 2010 war der erste Strang fertig und wurde in Betrieb genommen. Am zweiten und parallel verlaufenden Strang wurde bis April 2012 gearbeitet. Im Oktober 2012 begann auch dieser, seinen Betrieb aufzunehmen. Insgesamt kosteten der Bau und die Inbetriebnahme von Nord Stream 1 rund 7,4 Milliarden Euro.

Durch die Untersee-Pipeline pumpten jährlich mindestens 55 Milliarden Kubikmeter Gas nach Mitteleuropa. Im Jahr 2018 waren es sogar 58,8 Milliarden Kubikmeter Gas, im Jahr 2019 58,5 und 2020 und 2021 je 59,2 Milliarden Kubikmeter.

Nachdem der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine im Februar 2022 begonnen hatte, wurden zahlreiche Sanktionen gegen Russland erlassen. Diese beinhalteten unter anderem, die Menge des russischen Erdgases, das über die Pipeline nach Deutschland gelangen sollte, zu verringern. Seit Juli 2022 kam es dann vermehrt zu Wartungsarbeiten, weiter gedrosselten Gas-Lieferungen oder einem vollständigen Lieferstopp seitens Russlands, bevor der Doppelstrang von Nord Stream 1 bei dem Anschlag im September 2022 beschädigt wurde. Dabei beläuft sich der Schaden an einer der Röhren auf eine Länge von rund 250 Metern.


Nord Stream 2: Abhängigkeit von Russland

Zu den Ostseepipelines Nord Stream 1 sollten noch zwei weitere Stränge hinzukommen, die parallel zur bereits betriebenen Leitung Nord Stream 1 verlaufen sollten. Das Nachfolgeprojekt wurde Nord Stream 2 genannt. Der Vertrag hierzu wurde im September 2015 unterschrieben. Anders als bei Nord Stream 1, an dem mehrere internationale Energieunternehmen beteiligt sind, ist bei Nord Stream 2 lediglich der russische Energiekonzern Gazprom offizieller Anteilseigner des Projektes. Die Finanzierung wurde dennoch von mehreren Energiekonzernen wie OMV aus Österreich, Royal Dutch Shell aus Großbritannien und auch den deutschen Firmen Wintershall Dea und Uniper unterstützt.

Der Bau begann im Jahr 2018. Mit einer Länge von rund 1.230 Kilometern ist die Leitung zwischen Wyborg und Lubmin ungefähr gleich lang wie Nord Stream 1. Auch die jährliche Kapazität von rund 55 Milliarden Kubikmeter Gas und ihre Zusammensetzung aus zwei Strängen mit jeweils 100.000 Einzelrohren ist gleich. Ähnlich wie Nord Stream 1 ist das zweite Projekt milliardenschwer. Es soll sogar mehr als zehn Milliarden Euro gekostet haben, wie die "Tagesschau" berichtete. Ursprünglich sollte Nord Stream 2 bis 2019 in Betrieb genommen werden.

Das Fertigstellen von Nord Stream 2 verzögerte sich jedoch unter anderem aufgrund von Sanktionsdrohungen der USA. Die Vereinigten Staaten drohten 2019 mit Sanktionen gegen Unternehmen, die an dem Projekt beteiligt waren. Somit wurden die Bauarbeiten zeitweise stillgelegt, bevor Nord Stream 2 fertiggestellt werden konnte.

Ein Grund für die Sanktionsdrohungen ist, dass sich Deutschland durch das Energieabkommen den Amerikanern zufolge zu abhängig von Russland macht. Mit Sicherheit spielte in die Entscheidung auch hinein, dass die USA selbst ein Interesse daran haben, Erdgas zu verkaufen. Die Sanktionen wurden später von Donald Trumps Nachfolger Joe Biden wieder aufgehoben. Ähnlich wie bei Nord Stream 1 äußerten vor allem auch osteuropäische Länder ihren Unmut über den Bau der Ostseepipelines, da ihnen somit bisherige Transit-Einnahmen wegbrechen würden.

Um die Fertigstellung trotz US-Sanktionen zu ermöglichen, gründete das Land Mecklenburg-Vorpommern Anfang 2021 die Stiftung für Klima- und Umweltschutz Mecklenburg-Vorpommern. Das Land brachte 200.000 Euro ein, während die Nord Stream 2 AG 20 Millionen Euro einbrachte. Unter dem Schutzmantel dieser Stiftung wurde die Pipeline schließlich fertiggestellt.

Die Stiftung war ein Instrument, um amerikanische Interventionen in unsere Energiepolitik zu verhindern.

Gerhard Schröder, ehemaliger Bundeskanzler, über die Klimaschutzstiftung MV

In Betrieb genommen wurde Nord Stream 2 trotz der Fertigstellung im September 2021 allerdings noch nicht. Im Februar 2022 wurde die Unterwasserpipeline komplett auf Eis gelegt. Dieser Schritt wurde von Bundeskanzler Olaf Scholz vorangetrieben, nachdem Putin die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk in der Ostukraine als unabhängige Staaten anerkannt hatte. Er bezeichnete dies als Bruch des Völkerrechts. Kurz darauf, am 24. Februar 2022, startete Russland seinen Angriff auf die Ukraine.

Auch Nord Stream 2 kam bei dem Anschlag im September 2022 nicht unbeschadet davon. Insgesamt wurden drei Lecks entdeckt – eines in einer der Röhren der Nord-Stream-2-Pipeline sowie in beiden Röhren von Nord Stream 1.

Kritik an Nord Stream 1 und 2

Sowohl Nord Stream 1 als auch Nord Stream 2 sind höchst umstritten. Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte die Entscheidung zu Nord Stream 2 und deren wirtschaftlichen Nutzen zwar lange, jedoch sorgten beide Pipeline-Projekte, vor allem aber der Bau von Nord Stream 2, für politische Diskussionen.

Energieabhängigkeit von Russland

Deutschland erhoffte sich bereits mit dem Bau von Nord Stream 1 eine stabile "Energiepartnerschaft" mit Russland. Eine sichere Energieversorgung sei nur von Vorteil, da Deutschland selbst kaum Erdgasvorkommen hat – lediglich rund fünf Prozent des Verbrauchs könnte Deutschland selbst decken. Länder wie Polen, die Ukraine und die USA warnten vor dem Bau von Nord Stream 2, weil sich Deutschland zu sehr von russischen Energielieferungen abhängig mache. Kritiker:innen befürchteten, dass Deutschland sich mit dem Projekt in eine gefährliche Energie-Abhängigkeit von Russland begebe. Insbesondere osteuropäische Länder wären durch diese Partnerschaft benachteiligt gewesen, da sie Abgabegelder, die bei einem Transport durch Transitländer fällig werden würden, verloren hätten.

US-Sanktionsdrohungen

Die USA drohten am Bau beteiligten Unternehmen mit Sanktionen. Diese Sanktionsdrohungen führten dazu, dass der Bau 2020 ins Stocken geriet. Die USA sahen in dem Projekt eine Bedrohung für die europäische Energiesicherheit und versuchten aktiv, das Projekt zu verhindern. Die Regierung in Washington kritisierte sowohl Russlands Annexion der Krim als auch die Abhängigkeit Deutschlands von Russland, die durch das Projekt entstehen würde. Im Hinblick auf die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland einigten sich Deutschland und die USA später darauf, Sanktionen gegen Russland zu ergreifen, falls es die Gaspipeline nutzen sollte, um der Ukraine oder anderen osteuropäischen Ländern zu schaden.

Belastungen für die Umwelt

Auch von Umweltverbänden kam bereits zahlreiche Kritik gegen den Bau von Nord Stream. So klagten beispielsweise die Organisationen WWF und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gegen den Bau von Nord Stream 2. Ihre Befürchtung: eine größere Beeinträchtigung der Ostsee als angenommen. Aufgrund der Einsprüche wurde der Bau von Nord Stream 2 sogar einige Zeit gestoppt. Doch das Pipeline-Unternehmen und die Umweltschutzorganisationen konnten sich außergerichtlich einigen. Gemeinsam wurde beschlossen, dass die Gasleitung umweltverträglicher gebaut werden solle.

Nach den Anschlägen auf die Pipelines im September 2022, als es zu Gaslecks in den Leitungen kam, folgte erneut Kritik am Einfluss auf die Umwelt von Nord Stream 2. Grundsätzlich findet die Deutsche Umwelthilfe, dass Nord Stream 2 aus klimapolitischer Sicht nicht hätte gebaut werden dürfen. So stehe die Pipeline mit jährlich 100 Millionen Tonnen CO₂ im Widerspruch zu den Klimazielen und sei ein "Relikt aus einer fossilen Vergangenheit".

Diskussionen über eine Wiederaufnahme

In jüngerer Zeit gibt es kontroverse Diskussionen über eine mögliche Reaktivierung. Die große Mehrheit im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns lehnte im Mai 2025 einen AfD-Antrag zur Reparatur und Wiederaufnahme ab. Redner der demokratischen Fraktionen erinnerten daran, dass Russland selbst mit seinem völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine für den Abbruch der wirtschaftlichen Beziehungen gesorgt habe.

Die AfD will, dass wir russisches Gas kaufen und damit Putins Kriegskassen füllen.

Wolfgang Waldmüller, CDU-Abgeordneter, über einen von der AfD eingebrachten Antrag, die beschädigten Leitungen zu reparieren und die Gaslieferungen wiederaufzunehmen.

September 2022: Sprengungen in der Ostsee – Sabotage der Nord Stream

Am 26. September 2022 wurden nahe der dänischen Insel Bornholm mehrere Explosionen registriert. Messstationen in Schweden und Dänemark verzeichneten zwei deutliche Detonationen unter Wasser – eine in der Nacht um 2:03 Uhr und eine zweite um 19:04 Uhr am Abend. Der Seismologe Björn Lund vom Schwedischen Seismologischen Netzwerk stellte fest, dass kein Zweifel daran bestehe, dass es sich um Sprengungen oder Explosionen handelte.

Insgesamt wurden vier Lecks entdeckt: zwei an Nord Stream 1 (eines in dänischen, eines in schwedischen Gewässern) und zwei an Nord Stream 2. Zwar waren diese zu dem Zeitpunkt nicht in Betrieb, enthielten jedoch Gas. Die seismologischen Institute maßen eine Stärke von 2,3 und 2,1, was vermutlich einer Sprengladung von mehreren hundert Kilogramm entsprach.

Bestätigung der Sabotage

Im November 2022 bestätigte die schwedische Staatsanwaltschaft nach Ermittlungen offiziell, dass es sich um schwere Sabotage handelte. Bei den Untersuchungen wurden Sprengstoffspuren an mehreren Fremdkörpern gefunden. Die dänische Regierung kam ebenfalls zu der eindeutigen Bewertung, dass es sich um absichtliche Taten handelte und nicht um ein Unglück.

Ermittlungen und Tatverdächtige

2023 und 2024 führten internationale Ermittlungen zu ersten Spuren. Die schwedische Staatsanwaltschaft stellte ihre Untersuchungen im Februar 2024 mangels Zuständigkeit ein, die deutschen Behörden setzten ihre Arbeit fort.
Im Sommer 2025 kam schließlich Bewegung in den Fall: Deutsche Ermittler:innen erklärten, alle mutmaßlichen Täter identifiziert zu haben – insgesamt sieben ukrainische Staatsbürger, darunter ein Skipper, vier Taucher, ein Sprengstoffexperte und ein Koordinator.

Im August 2025 wurde in Italien der 49-jährige Ukrainer Serhij K. festgenommen. Ihm wird unter anderem das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindliche Sabotage vorgeworfen. Er soll zu der Gruppe gehören, die die Sprengsätze platzierte – mutmaßlich sogar als einer der Koordinatoren. Die Bundesanwaltschaft bestätigte, dass Haftbefehle gegen alle Verdächtigen erlassen wurden und die Ermittlungen in Deutschland im Wesentlichen abgeschlossen sind.

Die mutmaßlichen Täter sollen über Mittelsmänner eine Segeljacht namens "Andromeda" in Rostock gemietet und damit den Sprengstoff zu den Gasleitungen gebracht haben. Ermittler fanden an der Jacht später Spuren von Unterwassersprengstoff. Ein weiterer Verdächtiger ist der Ukrainer Wolodymyr Z., der Medienberichten zufolge Tauchlehrer sein soll und sich nach Polen und dann in die Ukraine abgesetzt haben soll.

Parallel dazu diskutiert die deutsche Bundesregierung rechtliche Schritte, um eine mögliche Wiederinbetriebnahme oder den Verkauf von Nord-Stream-Infrastruktur dauerhaft zu verhindern. Eine Reform des Außenwirtschaftsgesetzes soll es ermöglichen, ausländische Einflussnahmen auf strategische Energieprojekte stärker zu kontrollieren. Im Juli 2025 verabschiedete die EU ihr 18. Sanktionspaket gegen Russland, das explizit zum Ziel hat, "eine denkbare Wiederinbetriebnahme der Gaspipeline Nord Stream 1 und eine Nutzung der Pipeline Nord Stream 2 auszuschließen".

Auch in den News:

Nord-Stream 2-Untersuchungsausschuss

Der Nord-Stream-2-Untersuchungsausschuss des Schweriner Landtags wurde im Mai 2022 eingesetzt, um die Rolle der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern beim Bau der Ostseepipeline für russisches Erdgas zu untersuchen. Im Zentrum steht die Frage, ob die Landesregierung von Russland beeinflusst wurde.

Nach Sanktionsdrohungen der USA gegen beteiligte Firmen geriet der Bau von Nord Stream 2 im Jahr 2020 ins Stocken. Daraufhin gründete das Land Mecklenburg-Vorpommern Anfang 2021 die Klimaschutzstiftung MV. Der Untersuchungsausschuss will unter anderem herausfinden, wer die Idee zur Stiftungsgründung hatte und ob die Landesregierung möglicherweise russischer Einflussnahme unterlag. Über die Urheberschaft der Stiftungsidee gibt es unterschiedliche Darstellungen: Innenminister Christian Pegel (SPD) sagte, er habe die Idee im Dialog mit einem Energiemanager von Nord Stream 2 entwickelt. Der frühere Geschäftsführer der Nord Stream 2 AG, Matthias Warnig, erklärte hingegen, der Anstoß sei vom Unternehmen gekommen.

Der Abschlussbericht des Ausschusses wird bis Sommer 2026 erwartet.

Wir haben den Bau der Pipeline aus Überzeugung unterstützt.

Manuela Schwesig (SPD) als Zeugin im Nord-Stream-2-Untersuchungsausschuss

Befragung von Zeug:innen

Bis Dezember 2025 wurden 90 Zeug:innen vernommen, darunter prominente Politiker:innen:

  • Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, sagte als 91. und letzte Zeugin im Dezember 2025 fast 14 Stunden lang aus. Sie verteidigte das Vorgehen ihrer Landesregierung und betonte, man habe sich immer im Rahmen der deutschen Außen- und Wirtschaftspolitik bewegt. Von den 21 Treffen mit Nord-Stream-Spitzenvertreter:innen gebe es kaum Protokolle oder Gesprächsnotizen.

  • Gerhard Schröder (SPD), ehemaliger Bundeskanzler, verteidigte im Oktober 2025 den Bau von Nord Stream 2 und bezeichnete die Stiftungsgründung als "außerordentlich vernünftige Entscheidung".

  • Olaf Scholz (SPD), ehemaliger Bundeskanzler, wurde im November 2025 als Zeuge vernommen. Er war ab 2018 Vizekanzler und Finanzminister und verweigerte im Februar 2022 die Betriebsgenehmigung für Nord Stream 2.

  • Christian Pegel (SPD), Innenminister, sagte im November 2025 neun Stunden lang aus. Er versicherte, die Stiftung sei nicht von außen initiiert worden.

FAQ: Nord Stream

Die deutschen Ermittlungsbehörden haben zwei ukrainische Tatverdächtige identifiziert:
Serhij K.: Er wurde im August 2025 in Italien festgenommen und gilt als einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Operation. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, einer der Koordinatoren gewesen zu sein.
Wolodymyr Z.: Ein ausgebildeter Taucher, der im September 2025 in Polen festgenommen wurde. Er soll an den Tauchgängen beteiligt gewesen sein, bei denen die Sprengsätze platziert wurden.
Generalbundesanwalt Jens Rommel erklärte im November 2024, dass wichtige Fragen noch ungeklärt sind: "Die Identität weiterer Beteiligter, die Tatmotivation und insbesondere die Frage nach einer etwaigen staatlichen Steuerung der Operation sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen." Zum jetzigen Zeitpunkt (März 2026) ist noch nicht abschließend geklärt, wer genau hinter dem Anschlag steckt und ob es eine staatliche Beteiligung gab.

Nord Stream 2 gehört dem russischen Staatskonzern Gazprom. Die Betreibergesellschaft ist die Nord Stream 2 AG, eine Tochtergesellschaft von Gazprom mit Sitz im Schweizer Kanton Zug. Die Nord Stream 2 AG ist hochverschuldet. Großgläubiger wie die westeuropäischen Energiekonzerne ENGIE, OMV, Shell, Uniper und Wintershall hatten Milliardenbeträge in das Projekt investiert. Im Mai 2025 genehmigte ein Schweizer Gericht einen Nachlassvertrag, der die Sanierung durch einen Schuldenschnitt ermöglicht und einen Konkurs vorerst abwendet. Das Unternehmen kann damit weiter nach einem neuen Investor suchen.

Nein, Nord Stream 1 ist nicht mehr intakt. Die Pipeline wurde im September 2022 durch mehrere Sprengungen schwer beschädigt. Bei den Anschlägen nahe der dänischen Ostseeinsel Bornholm wurden insgesamt vier Lecks an drei der vier Leitungen der Nord-Stream-Pipelines entdeckt. Die Sprengungen beschädigten beide Röhrenstränge von Nord Stream 1 so schwer, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte.


Verwendete Quellen:

nord-stream.com/de/

Nachrichtenagentur dpa

Tagesschau: "Nord Stream - Chronik eines Politikums"

Tagesschau: "Die Jagd nach den Nord-Stream-Saboteuren"

Deutsche Welle: "Die Geschichte des Nord-Stream-Projekts"

NDR: "Nord Stream 1 und 2: Das Tauziehen ums Gas aus Russland"

ZDF: "Wer steckt hinter dem Pipeline-Angriff?"

Berliner Zeitung: "New York Times spekuliert über Nord-Stream-Attentat: Ist Russland der Saboteur?"

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