Krieg im Nahen Osten
Iran-Experte bei Illner: Dienstag könnte "Tag X" für Mullah-Regime sein
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von Doris Neubauer:newstime
Iran-Krieg: Angriffe auf Tanker nehmen zu
Videoclip • 01:39 Min • Ab 12
USA und Israel setzen auf Luftangriffe, die iranische Seite schürt mit der Blockade der Straße von Hormus die Angst vor einer Weltwirtschaftskrise. Doch Iran-Kenner warnen in der ZDF-Talkshow von Maybrit Illner: Das Druckmittel könnte für das Mullah-Regime nach hinten losgehen. Einer sieht bereits "Risse im System".
Das Wichtigste in Kürze
Der Iran-Krieg beschäftigte am Donnerstag auch die Talkshow von Maybrit Illner.
Die Hormus-Blockade durch den Iran könnte nach Ansicht der Expert:innen nach hinten losgehen.
Ein deutsch-iranischer Journalist wagt sogar eine exakte Prognose für das Ende des Mullah-Regimes.
Normalerweise passieren 50 bis 100 Schiffe täglich die Straße von Hormus. Seitdem der Iran die für Öl- und Gastransport essentielle Meeresenge blockiert, sind es laut Analysen nur noch drei bis acht. "So lange die Iraner noch Öl rausbekommen, der Rest aber nicht, ist es ein 100-prozentiges Druckmittel der Iraner", erklärte Nahost- und Terrorismus-Experte Hans-Jakob Schindler bei "Maybrit Illner" am Donnerstagabend (12. März) zum Thema "Krieg im Iran - grenzenlose Bedrohung?" (Alle Updates zum Iran-Krieg gibt es hier im Ticker.)
Damit versuche das iranische Regime, die ökonomischen Kosten für die USA und die Welt so in die Höhe zu treiben, damit diese aus wirtschaftlichen Gründen den Krieg beenden. Soweit dürfe und müsse es seiner Ansicht nach nicht kommen. Würden nämlich auch die Iraner durch eigene Minen am Öltransport gehindert werden, sei "es eine Frage von Tagen, bis das Regime komplett pleite ist", meinte er und bezeichnete deshalb die Straße von Hormus als "die Achillesferse der Iraner."
Iran-Experte bei Illner: "Risse im System"
Bisher werde diese weder von den US-Amerikanern noch von Israel attackiert. Stattdessen wolle man den Regimewechsel laut Schindler durch Luftangriffe herbeiführen, damit ausreichend viele Menschen aus dem Sicherheitsapparat zur Seite der Opposition überlaufen. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die unteren Stufen dagegen (Anm.: gegen das System) aufbegehren", nahm der deutsch-iranische Journalist und Moderator Michel Abdollahi schon jetzt "Risse" im System wahr: "Der neue Revolutionsführer Modschtaba Chamenei ist seit zwölf Tagen nicht auffindbar. Der Staatsfunk ist getroffen. Mittlerweile werden auf offener Straße Basidsch-Milizen an ihren Checkpoints von Drohnen getroffen."
Generell seien die Maßnahmen gegen den Iran nicht so "planlos, wie sie wirken", glaubt Abdollahi. "Es sieht so aus, dass man die iranische Bevölkerung auf den Tag X vorbereiten wolle", glaubt er, "Als Iranerinnen und Iraner warten wir nur darauf, dass man sagt: 'Geht auf die Straßen, damit wir von diesem System befreit werden.'"
Dienstag könnte bereits "Tag X" für den Iran sein
Dieser Moment könnte bereits beim traditionellen Feuerfest (Anm.: Tschahar Schanbe Suri) am kommenden Dienstag stattfinden. "Das ist ein Tag, der im Iran immer zu Unruhen geführt hat. Es wird geböllert und die Jugend ist auf den Straßen. Es kann sein, dass, wenn die Menschen an diesem Tag auf die Straßen gehen, um auch ihre Wut rauszulassen, dort schon was passiert." Sollte das keinen Erfolg haben, müsse man doch ans Öl ran und die Straße von Hormus auch für iranische Transportschiffe dicht machen. "Wenn kein Geld mehr fließt, werden einfache Revolutionsgarden (...) nicht mehr dienen", sieht er das System in sich zusammenfallen. Dass es in der Region so weitergehe, schloss er aus. Zu groß seien der wirtschaftliche Druck sowie der Hass und die Wut auf das islamische Regime innerhalb des Irans. Zudem übersehe man einen entscheidenden Player: "Wir gucken immer auf Trump, aber wir sollten auf Netanjahu gucken - und der lässt es nicht zu, dass das so weitergeht."
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hätte eine "Once in a lifetime"-Möglichkeit ergriffen, das iranische Regime zu stürzen und damit sein Ziel zu erreichen, analysierte Katrin Eigendorf, internationale Sonderkorrespondentin des ZDF. Über die Intentionen des US-Präsidenten Donald Trump hingegen wird seit Beginn der Angriffe heftig spekuliert. So auch bei "Maybrit Illner".
"Teil des Problems ist, dass nicht klar ist, was Trump tut", kritisierte der frühere Sicherheitsberater von US-Präsident Trump, John Bolton, seinen ehemaligen Arbeitgeber im Interview mit der Moderatorin.
"Dann stellen sich die Ohren von Trump auf"
Zudem hätte der Republikaner weder das amerikanische Volk noch den Kongress, seine internationalen Verbündeten oder die Opposition im Iran in seine Pläne eingeweiht oder gar darauf vorbereitet. Sorgen mache ihm darüber hinaus etwas anderes: Wenn Russlands Machthaber Wladimir Putin Trump in einem der vielen Telefonate den Deal vorschlagen würde, keine militärischen Informationen mehr an den Iran zu liefern, wenn dieser im Gegenzug die Unterstützung der Ukraine beende. "Dann stellen sich die Ohren von Trump auf", warnte Bolton davor, dass dieser den Deal akzeptieren und nachhaltigen Schaden verursachen könne.
Wenn die Öl- und Gaspreise weiter steigen, erhöhe sich im aktuellen US-Wahljahr der innenpolitische Druck auf Trump, solche Deals einzugehen, teilte Wirtschaftswissenschaftlerin Stormy-Annika Mildner vom Aspen Institut Deutschland diese Sorge. Schon jetzt habe der Krieg starke wirtschaftliche Auswirkungen auf die USA, aber auch auf Europa - und damit auf die ohnehin bereits angeschlagene deutsche Wirtschaft.
Dass die Bundesregierung bisher nur die Erhöhung an der Zapfsäule auf einmal am Tag beschränkte, hielt CDU-Politiker Armin Laschet (CDU) für eine "passende Maßnahme". Sehr zur Überraschung von Maybrit Ilner, die sich ein "Wirklich?" nicht verkneifen konnte. Man könnte nicht jedes Problem auf der Welt mit Schulden begleichen, ließ sich der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag nicht beirren und fügte hinzu: "Wir dürfen den Menschen nicht die Illusion geben, dass alle Krisen dieser Welt gelöst werden, indem der Staat zahlt - das geht schief."
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