Drama in der Ostsee
Für Wal Timmy wird Rinne gebaggert: Wann der nächste Rettungsversuch starten soll
Aktualisiert:
von Christopher Schmitt:newstime
Rettungsplan für Buckelwal vor Poel
Videoclip • 02:18 Min • Ab 12
Ein neuer Plan für Ostseewal Timmy muss her: Helfen sollen eine Rinne und ein Lastkahn. In wenigen Tagen soll erneut versucht werden, das Tier doch noch zu retten.
Das Wichtigste in Kürze
Zur Rettung von Buckelwal Timmy vor der Ostseeinsel Poel wird aktuell eine Rinne gebaggert, auch ein Lastkahn soll zum Einsatz kommen.
Für den nächsten Rettungsversuch, der in wenigen Tagen starten soll, gibt es noch kein grünes Licht vom Umweltministerium.
Das zuvor angedachte Luftkissen-Konzept wurde von Umweltminister Till Backhaus (SPD) bereits im Vorfeld abgeschrieben.
Buckelwal Timmy kann sich vor der Ostseeinsel Poel weiter nicht vom Fleck bewegen. Nach wie vor liegt das Tier laut Angaben der Wasserschutzpolizei in der hierfür künstlich geschaffenen Kuhle. Mithilfe dieser Kuhle soll verhindert werden, dass der Wal aufgrund des Niedrigwassers der vergangenen Tage von seinem eigenen Gewicht erdrückt wird.
Bewegung könnte am Sonntag (26. April) oder Montag (27. April) in die Wal-Rettung kommen: Dann wollen private Wal-Helfer:innen einen neuen Versuch unternehmen. Bis Samstagfrüh (25. April) soll eine 110 Meter lange, 10 Meter breite und 2 Meter tiefe Rinne vom Liegeplatz des Wals zum tiefen Fahrwasser geschaffen werden. Dies erklärte der mit den Baggerarbeiten beauftragte Unternehmer Fred Babbel am Donnerstag (23. April). Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 40 Meter Rinne gebaggert, Freitag (24. April) sollen wieder 40 Meter dazukommen.
So soll der Wal befreit werden
Doch wie kommt der Wal aus der Kuhle in die Rinne? Laut Babbel ist der Plan, Timmy mit einem Netz anzuheben und mit einem 15 Meter breiten, absenkbaren Lastkahn, einer sogenannten Barge, in den Atlantik zu transportieren. Vom Umweltministerium gab es am Donnerstag jedoch noch kein Okay für das Vorhaben. Babbel sagte, dass am Konzept noch Nacharbeiten vorgenommen werden müssten.
Kritik an der Barge-Idee kommt von Tierschützer:innen. "Das ist aus unserer Sicht nicht als minimalinvasiv einzuschätzen und kann zu Stress für den Wal führen – das halten wir nicht für zielführend", erklärte Bianca König, Sprecherin der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC), gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Da ihr das konkrete Konzept nicht vorliege, könne sie das Prozedere aber nur aus der Ferne und mit Abstand bewerten. Zu befürchten sei jedoch Leid und Stress für das Tier, das damit immer noch nicht gerettet sei. König plädiert allenfalls für palliative Maßnahmen, sonst solle der Wal in Ruhe gelassen werden.
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Ein Mitglied der privaten Rettungsinitiative erklärte am Donnerstag, die Barge sei auf dem Weg aus dem Hamburger Raum in Richtung Wismarbucht. Der Zeitpunkt ihrer Ankunft ist demnach noch offen, aber die Anfahrt benötigt Zeit.
Die Barge sei lediglich mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten (etwa neun Kilometern in der Stunde) unterwegs und müsse durch den Nord-Ostsee-Kanal, was alleine etwa einen Tag dauere. In der Werft in Wismar ist ein Zwischenstopp geplant. Das Konzept beinhaltet die Nutzung von zwei Schleppern vor Ort. Im Vorfeld der Lagebesprechung gab es vom Umweltministerium kein Statement zu Details.
Auch in den News:
Backhaus: Luftkissen kommen nicht infrage
Timmy mit Luftkissen anzuheben und mithilfe von Pontons und einer Plane abzutransportieren, komme jedenfalls nicht mehr infrage, hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) schon am Mittwochabend (23. April) bei einer Stellungnahme vor der Presse gesagt. "Wir müssen das Konzept überarbeiten."
Die private Hilfsinitiative, die vor rund einer Woche vom Umweltminister grünes Licht für das Rettungskonzept erhalten hatte, war nicht wie geplant vor die Presse getreten. Sie arbeite unter Hochdruck an einer Überarbeitung des Plans, sagte Backhaus. Weitere Maßnahmen müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Tieres berücksichtigen und mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden. Im Zweifel könne das Land ein Veto einlegen.
Experten wollen nur palliative Versorgung
Expert:innen der Internationalen Walfangkommission (IWC) empfehlen eine möglichst ruhige und palliative Versorgung des Meeressäugers. Backhaus sieht sich dadurch bestätigt. "Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war", sagte er.
Ein wissenschaftliches Gutachten sei schon Anfang April zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rettungsversuch nicht erfolgversprechend sei und erhebliche Risiken für das Tier berge. Auf dieser Grundlage hatte das Land entschieden, auf weitere aktive Eingriffe vorerst zu verzichten.
Timmy trägt nun einen Sender
Nach drei Wochen an derselben Stelle war der Wal am Montagmorgen (22. April) bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus versuchten Helfer:innen, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das vermutlich erschöpfte Tier aber am Übergang der Bucht namens Kirchsee in die Wismarbucht, wo deutlich tieferes Fahrwasser Richtung Ostsee führt.
Inzwischen wurde ein Sender an dem Tier befestigt. So könnte sein Weg verfolgt werden, sollte es sich überraschend doch noch befreien und losschwimmen. Der Wal sei mittlerweile fünf- bis sechsmal gestrandet, wenn man seine Bewegungen am Montag berücksichtige, sagte Backhaus.
Die Rettungsbemühungen konzentrierten sich nach Angaben der Initiative zuletzt darauf, dem Tier mehr Platz zu verschaffen. Schon am Dienstag (21. April) hatten Helfer mit Saug- und Spültechnik den Untergrund bearbeitet. Inzwischen liegt der Wal in einer Mulde im Wasser, so soll möglichst wenig Eigengewicht auf ihm und seinen Organen lasten. Wegen der Sonneneinstrahlung wurde sein Rücken mit nassen Tüchern bedeckt. Zweieinhalb Kilogramm Fisch, die dem Wal am Dienstag angeboten wurden, fraß er nicht.
Backhaus: "Der Versuch macht klug"
"Wer nichts macht, macht auch keine Fehler", sagte Backhaus am Mittwoch auf Poel. Aber Tatenlosigkeit sei trotzdem keine Option. "Wir können gemeinsam sagen: Wir haben es versucht. Und der Versuch macht klug." Der Umgang mit dem Tier wurde immer wieder von verschiedenen Seiten kritisiert, auch Backhaus selbst sah sich Vorwürfen ausgesetzt.
Mit Blick auf das Vorgehen der Privatinitiative sagte der Minister: "Es gab keinen Zuschlag und keine Genehmigung – sondern eine rechtlich gebotene Duldung." Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei es allen erlaubt, einem hilflosen Tier zu helfen. Maßstab für das staatliche Handeln sei ausschließlich das Tierwohl. Das Land begleite die Maßnahmen eng, Veterinärinnen und Veterinäre seien rund um die Uhr vor Ort.
Backhaus kündigte an, die Ereignisse politisch aufzuarbeiten. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Situationen künftig häufiger auftreten können. Deshalb werde ich mich auf Bundesebene für bessere gemeinsame Strukturen im Umgang mit Großwalen einsetzen."
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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