Betet jeden Tag für das Tier
Till Backhaus: Wer ist der "Wal-Minister", der um den gestrandeten Timmy kämpft?
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Rettungsplan für Buckelwal vor Poel
Videoclip • 02:18 Min • Ab 12
Seit Wochen bangt Mecklenburg-Vorpommern mit Buckelwal Timmy in der Bucht vor Poel. Umweltminister Till Backhaus ringt dabei nicht nur politisch, sondern auch persönlich mit dem Schicksal des Meeressäugers. Wer ist der "Wal-Minister", den jetzt ganz Deutschland kennt?
Das Wichtigste in Kürze
Umweltminister Till Backhaus (SPD) ist durch das Drama um Wal Timmy in der Bucht vor Poel emotional stark belastet.
Er berichtet von Anfeindungen gegen Wissenschaftler:innen, seine Mitarbeitenden und seine Familie sowie von massiven Schlafproblemen.
Rückhalt findet der dienstälteste Minister Deutschlands vor allem in seiner Familie.
Der tragische Fall des Wals Timmy in der Bucht vor der Ostsee-Insel Poel beschäftigt seit Wochen nicht nur Expert:innen, sondern auch die Politik. Für Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) ist das Schicksal des Meeressäugers mehr als ein Vorgang in seinem Ressort. Fast täglich ist er vor Ort an der Bucht. Der Minister nennt den Wal eine Herzensangelegenheit.
Schon Anfang April, nach einer Pressekonferenz, bei der Fachleute "keine Chance mehr für Timmy" sahen, sprach Backhaus mit "Bild" über seine Gefühlslage. Er sagte, er habe Abschied genommen: "Das hat mir unheimlich wehgetan. Das wird mich noch lange verfolgen."
Minister Backhaus seit Wochen im "Wal-Kampf"
Nach dieser Pressekonferenz habe sich die Stimmung schnell gedreht, erzählt Backhaus.. "Der Ton wurde sehr schnell sehr rau. Plötzlich gab es gefühlt ungefähr genauso viele Walexperten wie Fußballbundestrainer", sagt der Minister. Wissenschaftler:innen seien angefeindet worden, ebenso Mitarbeitende seines Hauses – und auch seine Familie sowie er selbst. "Das war eine sehr schwer auszuhaltende Situation", so Backhaus gegenüber der Zeitung.
Die Dauerbelastung hinterlässt Spuren. Wenn er abends versuche zu schlafen, sehe er immer wieder das Bild des Wals vor sich. "Ich sehe ihn, wie er mich anguckt, wie er mich ruft", beschreibt er seine Eindrücke. Jeden Abend bete er für Timmy. Er schlafe ohnehin selten lange, sagt Backhaus. "In der Regel vier Stunden. Um vier Uhr stehe ich auf, fange an zu arbeiten." Im Moment müssten sogar zwei Stunden Schlaf pro Nacht reichen.
Dienstältester Minister Deutschlands
Das Wal-Drama trifft einen Politiker, der seit Jahrzehnten im Amt ist. Backhaus ist seit mehr als 35 Jahren in der Politik aktiv. 1990 trat er in die SPD ein, wurde in die letzte Volkskammer der DDR gewählt und wechselte kurz darauf in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Dort sitzt er bis heute – als einzig verbliebener Landtagsabgeordneter der ersten Stunde.
Seit dem 3. November 1998 ist er Minister und damit der dienstälteste Minister Deutschlands. Heute leitet er ein umfangreiches Ressort mit den Schwerpunkten Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft und ländliche Räume.
Familie, Glaube und Mitgefühl helfen ihm
Der seit knapp drei Wochen vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns festsitzende Buckelwal schwimmt. Dies war auf Livestreams im Internet zu erkennen. Er wechselte dabei mehrfach die Richtung. Der Meeressäuger lag seit dem 31. März in der Wismarbucht vor der Insel Poel fest.
Die leitende Tierärztin der privaten Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, sagte der Nachrichtenagentur dpa, man sei auf dem Weg zum Hafen. Boote stünden parat.
Mit früherer "Miss Ostdeutschland" verheiratet
Backhaus, promovierter Agraringenieur aus Neuhaus (heute Niedersachsen), ist seit 2012 in dritter Ehe mit der Rostocker Zahnärztin Ivonne verheiratet. Aus erster Ehe hat er eine erwachsene Tochter, mit Ivonne zwei weitere Kinder – einen Sohn und eine Tochter. Kennengelernt haben sich beide laut "Bild" 2010 bei einer Hengstparade, damals war er 51 Jahre alt, sie 28 und ehemalige "Miss Ostdeutschland".
Die Familie lebt mit vielen Tieren zusammen – Hund, Ponys, Alpakas, Hühner und Bienen. "Meine ganze Familie liebt Tiere", sagt der Minister. Das sei einer der Gründe, warum ihn die Situation um Timmy so stark berühre. Er verweist auch auf seine christliche Erziehung: "Da spielt das Thema Mitgefühl eine große Rolle. Wenn Sie mit einem kranken Tier konfrontiert sind, zeigen Sie mir den Menschen, der nicht angerührt ist."
Momente, in denen es Timmy besser zu gehen scheint, hinterließen Eindruck, so Backhaus weiter: "Wenn der Wal sich dann befreit und schwimmt, sind das Momente, die einen nicht so schnell wieder loslassen."
"Wie geht es dem Wal?", fragt die Familie jeden Tag
Die emotionale Belastung versucht Backhaus mit Unterstützung seiner Familie zu bewältigen. Seine Frau trage viel Verantwortung in ihrem Beruf und kümmere sich gleichzeitig fast allein um die Kinder, seit er durch das Wal-Management stark gebunden sei. "Dennoch unterstützt sie mich, wo sie kann. Sie sagt: Till, wenn der Wal zu retten ist, dann mach das", zitiert "Bild" den Minister.
Auch die Kinder seien eingebunden: Als Backhaus zur Nachtwache zum Wal aufbrach, hätten sie Nudelsalat und Eier für die Schiffsbesatzung und ihn vorbereitet. Im Familienalltag sei die erste Frage am Morgen immer dieselbe: "Wie geht es dem Wal?", berichtet Backhaus der Zeitung.
Wie die Geschichte von Timmy enden wird, ist offen. Backhaus weiß aber, dass ihn der Fall noch länger beschäftigen wird. "Ich muss mich erholen. Diese Anfeindungen, das macht was mit einem. Das muss man erst mal verarbeiten", sagt der "Wal-Minister" mit Blick auf die Zeit nach dem emotionalen Tierdrama.
Verwendete Quellen:
Bild: "Jeden Morgen fragt seine Frau: "Wie geht es dem Wal?"
Nachrichtenagentur dpa
Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern
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